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29. Mai 2009, 16:46 Uhr

IT-Technik-Müll

stern.de-Kolumnist Scheibe Scheibe ist entsetzt. Beim Aufräumen seines Büros wandert immer mehr ausrangierte Technik in die Müllkiste. Alte MP3-Player, Pocket-PCs, Kopierer und Kabel: Vieles davon ist einfach nicht mehr zu gebrauchen.

 
Carsten Scheibe, Kolumne, Golf

© Carsten Scheibe

Heute hält nichts mehr für die Ewigkeit. Erst hat der Epson Flachbettscanner nach vielen treuen Jahren seinen Geist aufgegeben. Sobald man ihn einschaltet, macht er ein Geräusch, als würde man mit dem Benzinrasenmäher über ein Kiesbett fahren, wobei ständig Steine ins Messer krachen. Passend dazu hüpft der Scanner regelrecht über den Schreibtisch - bockig wie ein Pferd beim Rodeo. Kein Problem: Neue Scanner sind inzwischen so preiswert geworden, dass neu kaufen einfach probater ist als eine Reparatur zu wagen.

Doch das corpus delicti muss trotzdem entsorgt werden. Der ausrangierte Scanner kommt gleich neben das Canon Multifunktionsgerät. Das wird von uns vor allem als Kopierer eingesetzt. Der klobige Bolide erledigt seinen Job ganz wunderbar. Leider ist die Verarbeitung des Chassis so marode, dass wir mit der Zeit immer mehr abgelöste Plastikteile in den Händen halten. Wir haben zwei dieser Geräte im Einsatz. Und bei beiden löst sich die Vorderklappe zunehmend in Luft auf. Bei dem einen Kopierer haben wir die Frontklappe nun mit Klebestreifen neu befestigt. Das ist wichtig, da der Kopierer nur dann arbeitet, wenn er weiß, dass die Klappe zu ist. Das zweite Gerät ist aber völlig auseinander gefallen und muss weg.

Faustdicke Anschlussstecker

Wo wir schon einmal beim Aufräumen sind. Auf dem Schrank staubt eine Holzkiste mit Kabeln ein. Sie muss hier schon viele, viele Jahre stehen, ohne dass die Not aufkam, seinen Inhalt noch einmal zu verwenden. Dicke Druckerkabel mit faustdicken Anschlusssteckern gibt es hier, breite SCSI-Kabel und auch uralte serielle Stecker für die Maus. Mein Gott, heutzutage gibt es doch nur noch USB. Die meisten Stecker passen nicht mal mehr in den PC. Also können die Kabel getrost entsorgt werden. Wieder ein Staubfänger weniger im Büro.

Dabei komme ich auf die Idee, mir gleich die beiden Schubladen vorzunehmen, in die ich immer alle kleineren Technik-Gadgets werfe. Der Schreck ist groß. Hier finde ich ein Dutzend MP3-Player vor - alles Testmuster aus den letzten Jahren und so veraltet, dass niemand sie mehr haben möchte. Manche fassen gerade einmal 128 MB Musik, die meisten haben nicht einmal ein Display. Schlimm ist, dass sie alle die merkwürdigsten Kabelausgänge aufweisen, ich aber genau die Kabel einfach nicht mehr finden kann. Ich räume jetzt beidhändig aus und finde uralte und völlig antiquierte PocketPCs, Palm-PDAs, GPS-Mäuse, alte 2-Megapixel-Digitalkameras und sogar noch ein echtes ZIP-Laufwerk mit externen Medien, die maximal 100 MB Dateien aufnehmen. Und dann fördere ich auch noch eine Krake mit Dutzenden verhedderten Kabeln heraus.

Und es hat "Fump" gemacht

Schade: Die Technik von heute überlebt sich so schnell, dass nichts mehr lange Bestand hat. Zum wachsenden Technik-Turm gesellt sich auch noch ein uralter Sony-Notebook. Der läuft zwar noch mit Windows XP, weist aber nur eine CD-Schublade ohne DVD-Support, eine einzelne einsame USB-Schnittstelle und keinen Karten-Steckplatz auf. Für die Kinder reicht er doch bestimmt noch aus, denke ich. Der Notebook hat zwar keine interne WLAN-Erkennung, aber mit dem Surfstick kommt er auch ins Internet. Leider überhitzt das Gerät nach fünf Minuten Inbetriebnahme jedes Mal aufs Neue und schaltet sich dann mit einem leisen "Fump" gleich wieder aus. Also auch ausrangieren.

Immerhin: Eine halbe Stunde Arbeit und das Büro ist endlich mal wieder technisch entrümpelt. Unsere Straße eignet sich perfekt zur Entsorgung: Egal, was ich draußen vor die Tür lege: Eine Stunde später ist es verschwunden. Es gibt eben immer jemanden, der noch Bedarf für alte Sachen hat. Mir ist es so lieber, als würden die Sachen im Müll landen.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Mehr von Carsten Scheibe In seiner Freizeit geht Carsten Scheibe golfen - und arbeitet daran, dass der Golfball auf der selben Bahn ankommt, von der er abschlägt. Wenn's mit dem Spielen nicht so gut klappt, schreibt er lieber - für das eigene, kostenfrei in den Golf-Clubs ausliegende Magazin "Mein Golf-Heft". Das gibt's mit allen Artikeln auch im Internet. Natürlich ist der PC auch hier ein Thema.

 
 
Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

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