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19. Januar 2007, 14:45 Uhr

Nix los im (1&1-)Postfach

stern.de-Kolumnist Scheibe ist von seiner Umwelt abgeschnitten. Seit Tagen kommen seine Mails nur noch verspätet bei ihm an. Der Grund: Das Unternehmen 1&1 hat Probleme mit den Mail-Servern - und zeigt so allen Kunden, wie abhängig sie von funktionierender Technik sind.

 

© Carsten Scheibe

Jeden Tag kommen etwa 400 E-Mails bei mir an. 300 davon sind Pressemitteilungen, Spams und Viren-Mails. Die 100 übrigen Mails sind wichtig und werden von mir sofort beantwortet. In meinem Geschäft lebe ich von meinen Mails. Sie vermitteln mir neue Aufträge, informieren mich über die Entwicklung der Branche und halten sozialen Kontakt mit den Kumpeln und Geschäftspartnern, mit denen ich blödsinnigen Nonsense und Quatsch austausche.

Wo bleiben die Mails?

Vor drei Tagen war dann auf einmal Ebbe im Postfach. Es landeten von jetzt auf gleich keine neuen Mails mehr in meinem E-Mail-Programm. Klar, das kenne ich schon, dann ist in meinem Keller mal wieder das W-LAN zusammengebrochen. Also stöpselte ich alle Empfänger aus und ein und startete die ganze Anlage neu. Allein, das Problem blieb bestehen. Ich bekam weiterhin keine Mails, konnte aber sehr wohl welche versenden. Auch mein Web-Browser ließ mich nicht im Stich. Ich konnte Surfen wie ein Wilder und meinen üblichen Recherchen nachgehen. Also gab es wohl eher Probleme mit dem POP3-Server meines Providers und nicht mit meinem W-LAN. Das kann schon mal passieren. Wenn das in der Vergangenheit einmal vorgekommen war, dann hatte sich das Problem meistens nach einer Stunde erledigt und die aufgestauten Mails flossen rasch auf mein Postfach.

Mit einer Stunde Mail-Ausfall kann man durchaus leben. Nach mehreren Stunden der Mail-Entbehrung wurde ich dann aber doch nervös. Immerhin habe ich meinen Mail-Client so eingestellt, dass er alle fünf Minuten nach neuer Post sucht. Trifft neue Post ein, erscheint sofort ein bellender Hund auf dem Bildschirm. So eine Mikropause, wenn man nach der neu eingetroffenen Mail schaut, hat etwas ungemein Entspannendes. Mehrere Stunden ohne Hundegebell sind jedenfalls eine echte Qual. Unverdrossen klickte ich deswegen auf meinem Get-Mail-Knopf herum und klopfte ihn auf diese Weise weich. In der Statusanzeige des Clients zählte das Programm dann auch brav mehrere Dutzend wartender Mails hoch. Ging es dann aber darum, sie downzuloaden, gab es eine Fehlermeldung: Too many connections.

Wie ein Stromausfall

Ich lasse bei 1&1 alle meine Homepages hosten. Alle E-Mail-Adressen der Firma laufen über 1&1. Klar, dass wir alle nervös wurden. So ein Mail-Ausfall, das ist wie ein Stromausfall, eine Rechnerexplosion, ein die ganze Nacht durchfeiernder und viel zu lauter Nachbar, ein irre gewordener Maulwurf im Garten, ein Reiher im Koi-Teich - eben ein echtes Ärgernis. Immerhin erfuhr ich dann doch im heise.de-Newsticker, dass bei 1&1 eine ganze Menge Hardware ausgefallen war und dass inzwischen knapp zehn Millionen Mails im Cache des Unternehmens Staub ansetzen. Okay, denke ich, auch so ein Gau kann jedem einmal passieren. Auch Provider sind nur Menschen. In den letzten 15 Jahren meiner Computer-Existenz waren solche Probleme aber eigentlich immer binnen eines Tages behoben.

Nun, dieses Mal ist das nicht der Fall. Inzwischen ist Freitag und die Mails tröpfeln bereits den dritten Tag in Folge so langsam in mein Postfach, dass man glaubt, eine virtuelle Prostata klemme da den Mailfluß ab. Tatsächlich zeichnet sich ein Schema ab. Nachts sinkt das Aufkommen neuer Mails, sodass der Cache sich leeren kann und die 1&1-Anwender wieder ihre Post erhalten. Wer morgens seinen Computer einschaltet, bekommt in der Folge zahlreiche Mails auf einmal übermittelt. Ab 9 Uhr ist dann aber auch schon wieder Schluss mit lustig. Dann stauen sich die Mails erneut und nix geht mehr. Heise.de meldet, dass es bei der Behebung des Schadens zu jeder Menge neuer Zusatzprobleme und weiterer Ausfälle gekommen ist und noch nicht klar ist, wann das Problem aus der Welt geschafft ist. 933 User-Kommentare zeigen, dass nicht alle Nutzer amüsiert oder der Sache gleichgültig gegenüber eingestellt sind.

Mangelhafte Informationen

Ein Kumpel ruft an und schildert, dass er bereits seit einer Stunde versucht, zur Hotline durchzukommen. Keine Chance. Ich versuche das erst gar nicht. Alle fünf Minuten sucht mein E-Mail-Client nach neuen Mails. Entweder das funktioniert - oder eben nicht. Da muss mir keiner beim Support etwas drüber erzählen. Was ich mir in diesem konkreten Fall nur gewünscht hätte, wäre eine informierende Mail (haha), ein Anruf oder ein Fax, um mich als Kunden darüber aufzuklären, was denn da nun gerade los ist bei 1&1. Denn ohne www.heise.de hätte ich von den wahren Gründen meines Mail-Ausfalls wohl überhaupt nix mitbekommen.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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Caché Keller Nix Postfach Reiher Surfen Umwelt W-LAN
KOMMENTARE (2 von 2)
 
AH.Maurer (19.01.2007, 19:03 Uhr)
Mails auf dem Styx
Für private Nutzer war diese ganze Show schon ärgerlich, für kleine oder mittlere Unternehmen aber wohl auch teuer. Zwar klappt es mit den Spams schon wieder quasi in real time aber die Anfragen auf unsere kleine Ferienhausvermietung sind alle von Heute. Die durchschnittlich 20, die wir jeden Tag bekommen von Mo,Di,Mi,Do befürchten wir niemals zu Gesicht zu bekommen. Die Kunden werden sicherlich bereits woanders gebucht haben und uns wegen unseres schnellen Service in bester Erinnerung behalten. Glückwunsch ...!
black_moon (19.01.2007, 17:45 Uhr)
eine kleine Ergänzung
Carsten Scheibe schrieb:
"Was ich mir in diesem konkreten Fall nur gewünscht hätte, wäre eine informierende Mail (haha), ein Anruf oder ein Fax, um mich als Kunden darüber aufzuklären, was denn da nun gerade los ist bei 1&1."
Nun, die 1und1-Rechnungen, die von der Firma selbst verschickt wurden, fanden sich umgehend in den mailboxen, der ansonsten blockierten Nutzer. Was beweißt, dass eine Information der Nutzer über mail möglich war, aber schlicht unterlassen wurde.
Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

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