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10. Oktober 2008, 14:42 Uhr

PC-Nostalgie - Meine erste Cebit

stern.de-Kolumnist Scheibe erinnert sich: So 1994, 1995 besuchte er die Computermesse Cebit in Hannover zum ersten Mal - in seiner Funktion als Buchautor für den Rowohlt-Systhema-Verlag. Und natürlich heißt es auch hier: Damals war alles viel aufregender!

 

© Carsten Scheibe

Anfang bis Mitte der Neunziger war das Internet noch verbreitet und die meisten Rechner hatten auch noch keine CD-Laufwerke. Das bedeutet, dass die gute, alte Diskette das Medium der ersten Wahl war, wenn es darum ging, neue Software auf den eigenen Rechner zu bekommen. Damals hatte ich meinen ersten wirklich leckeren Dauerjob. Für den Systhema-Verlag, der später zu Rowohlt-Systhema wurde, schrieb ich dicke 100-Seiten-Handbücher für bekannte Shareware-Programme. Handbuch und Software-Diskette kamen zusammen in einen knallgelben Pappkarton, der im Fachhandel vermarktet wurde. Die Reihe kam sehr gut an, die Produktion war preiswert - und so verfasste ich mit der Zeit weit mehr als 100 Handbücher für die verschiedensten Programme. Im Handel hatten wir eigene Drehständer, auf denen bis zu sechs neue Titel im Monat Platz fanden. Am besten liefen übrigens die Scherzprogramme.

Mein Betreuer damals war Rainer Lenzing, mit dem ich noch immer viele Projekte mache, wenn es sich ergibt. Unsere Redaktionskonferenzen damals waren legendär. Rainer flog nach Berlin oder ich nach München. Bei einem schönen Essen präsentierte ich dann tolle neue Programme, die meiner Meinung nach eine Vermarktung wert waren. Rainer sagte dann nein oder ja, manchmal diskutierten wir auch einmal kurz, aber meistens war die Quartalsplanung nach einer Viertelstunde im Sack.

Stress am Morgen: Das Auto ist weggesperrt

Der Erfolg gab uns Recht. Später waren wir mit die ersten, die Shareware-Sammlungen auf CD-ROM mit einem eigenen Menü im Handel angeboten haben. Robert Mundt hat uns das Menü seinerzeit geschrieben. Inzwischen ist er nach Thailand ausgewandert und lebt hier von den Registrierungen, die seine Shareware (WinAhnen, Crack) immer noch abwirft. Seiner Bekundung nach reichen da drüben einige Hunderter im Monat aus, um gut davon zu leben.

Nun, damals war es so, dass Rowohlt-Systhema einen fetten Stand auf der Cebit hatte. Mein Schreibkollege Marco Kratzenberg (www.ziemlichseltsam.de) und ich wurden eingeladen, den Stand mit zu betreuen. Hauptsächlich sollten wir die gelbe Shareware-Reihe vorstellen und Fragen dazu beantworten. Darauf hatten wir richtig Lust. Mal raus aus dem heimischen Kellerverlies und unter Leute kommen. Mit meinem damaligen roten VW Derby bretterten wir von Berlin nach Hannover und kamen dort in einem Privatquartier unter. Das war sehr nett. Jeder von uns hatte sein eigenes Schlafzimmer, wir bekamen Frühstück, und zur Messe war es eh nicht weit.

Ein Problem am ersten Morgen war nur, dass wir wohl auf dem falschen Parkplatz geparkt hatten. Als wir morgens zur Messe fahren wollten, hat uns jemand eine schwere Metallkette so vors Auto gespannt, dass wir nicht mehr ausparken konnten. So mussten wir mit dem Taxi fahren. Als wir am Abend zurückkehrten, lag die Kette schlaff auf dem Boden. Das sollte wohl das Signal für uns sein, uns doch bitte einen anderen Parkplatz zu suchen. Ich fuhr genau einen halben Meter rückwärts, bis beide Hinterreifen direkt auf der Kette standen. Was waren wir damals doch für böse Rebellen! Am nächsten Morgen konnten wir wieder mit dem Auto zur Messe fahren.

Profis im Hinterzimmer

Die Messe selbst fanden wir toll und aufregend. Gut, mein Kollege interessierte sich mehr für unsere Stand-Hostess, die er dann in der Folge auch besser beriet als alle anderen "Kunden" am Stand. Mir machte es aber sehr viel Spaß, den Besuchern zu erklären, wie das Shareware-Prinzip funktioniert und welche Software für ihren Anspruch die genau passende war.

Dabei kamen immer wieder Journalisten von den etablierten Medien an den Stand, um im winzigen Hinterzimmer Fragen zu stellen und Informationen austauschen. Das fand ich immer toll, denn hier saßen dann die bekannten Köpfe aus der "Chip", der "PC Praxis" und anderen Magazinen zusammen, um sich ohne Konkurrenzdruck darüber auszutauschen, was sie denn gerade erst auf der Messe entdeckt hatten.

Mehr von Carsten Scheibe In seiner Freizeit geht Carsten Scheibe golfen - und arbeitet daran, dass der Golfball auf der selben Bahn ankommt, von der er abschlägt. Wenn's mit dem Spielen nicht so gut klappt, schreibt er lieber - für das eigene, kostenfrei in den Golf-Clubs ausliegende Magazin "Mein Golf-Heft". Das gibt's mit allen Artikeln auch im Internet. Natürlich ist der PC auch hier ein Thema.

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KOMMENTARE (2 von 2)
 
llechwedd (13.10.2008, 12:32 Uhr)
Einen "Whiskey" genannten ...
... "Single Malt Glen-Irgendwo" wird man kaum finden. In Schottland gibt's nämlich nur "Whisky" mit ohne "e".
Kusie (13.10.2008, 10:35 Uhr)
Müsste es nicht heissen ...
"Anfang bis Mitte der Neunziger war das Internet noch NICHT verbreitet " ??
Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

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