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25. Januar 2008, 18:19 Uhr

Urlaub buchen mit Google Maps

stern.de-Mitarbeiter Scheibe möchte gern verreisen. Nachdem er im letzten Jahr zu Hause geblieben ist, um Geld zu sparen, zieht es ihn nun wieder hinaus in die weite, weite Welt. Ein Feriendomizil zu buchen, dabei hilft ihm Google Maps.

 

© Carsten Scheibe

Wenn ich etwas fürchte, dann sind das überfüllte Strände, teure Hotels und Buffets, an denen um die letzte Bulette gestritten wird. Wenn ich verreise, dann habe ich es gerne ruhig und menschenleer - und das am besten in einem Land, das weit, weit weg ist von Deutschland. In den letzten Jahren haben wir Florida für uns entdeckt. Ein endloser Strand an der Atlantikküste, das feuchte Tropenklima, die vielen Attraktionen und der American way of life - herrlich. Der niedrige Dollarpreis macht die teuren Flugkosten wieder wett.

Nachdem wir im letzten Jahr eine Sparrunde eingelegt haben und zu Hause geblieben sind, zieht es uns in diesem Jahr wieder in die Ferne. Ein Ferienhäuschen sollte ich auskundschaften. Das ist einfacher gedacht als getan. Suche ich in Google nach "Condos" oder "Appartements" in Florida, so bekomme ich Tausende ausgespuckt. Ein Freund schickt mir immerhin einen Link auf eine Seite, die nur Häuser einer bestimmten Klasse vermittelt. Tolle Angebote. Echt mit Klasse. Aber bei 2000 Dollar pro Woche lege ich mir doch gleich die Karten. Das ist viel zu teuer, selbst bei einem guten Dollarkurs.

Startpunkt Miami

Also entwickele ich eine für mich völlig neue Verfahrensweise, um den optimalen Urlaubsort zu finden. Ich weiß, dass wir von Deutschland aus nach Miami fliegen, weil wir hier noch billiger Tickets buchen können als nach Orlando, wo wir sonst immer landen. Also wäre es schön, ein Domizil zu finden, das in erreichbarer Nähe um Miami herum liegt. Um mögliche Urlaubsorte zu finden, lade ich Google Maps und gebe hier erst einmal "Miami" als Suchwort ein. Das funktioniert schon einmal, umgehend bekomme ich eine schöne Karte vom entsprechenden Landstrich präsentiert. Unterhalb von Miami fangen bald die Everglades an, da will ich zwar hin, aber nicht da wohnen. Und weiter rum ums "Eck" geht nicht, dann komme ich zur Golfseite von Florida - und da will ich gar nicht hin.

Miami ist mir auch zu stylish zum Urlaub machen, also ziehe ich die Karte so nach unten, dass ich an der Atlantikkarte nach oben wandere. Fort Lauderdale sieht doch nett aus. Ich zoome den Ort heran und füttere die Suchmaschine mit "Fort Lauderdale vacation condo". Umgehend findet Google Maps entsprechende Offerten und markiert sie im Plan mit einem Nadelsymbol. Ich kann also auf einen Blick sehen, wo genau eine mietbare Ferienwohnung oder ein Haus lokalisiert ist und auf diese Weise schon viele Häuser ausschließen, die einfach zu weit vom Strand entfernt sind. Klicke ich auf eine Stecknadel, öffnet sich ein Fenster und ich kann die Adresse des Hauses und ein erstes Bild sehen. Meist gibt es auch einen Homepage-Link, sodass ich mir schnell weiterführende Informationen und Fotos ansehen kann.

Einen ganzen Tag lang arbeite ich mich auf diese Weise die Küste hoch. Über Boca Raton und Lake Worth bis nach Jupiter, Vero Beach und Melbourne bis nach Cocoa Beach bei Cape Canaveral. Es ist ein überaus spannendes Unterfangen, sich einmal auf diese Weise im Urlaubsgebiet umzuschauen. Oft genug habe ich fast das Traumdomizil gefunden. Mal stimmt aber der Preis nicht, mal ist eine Wohnung schon ausgebucht, mal ist das Haus doch zu weit vom Strand weg, und mal gibt es keinen öffentlichen Golfclub in der Nähe. Ja richtig, auf der Landkarte kann ich natürlich auch wunderbar feststellen, welche Attraktionen sich im direkten Umfeld befinden, ob Flugplätze, Sportzentren oder andere Einrichtungen die Erholung stören könnten und wo die nächste Autobahnauffahrt ist.

Fünf Häuser vom Strand entfernt

Am Ende werde ich in Pompano Beach fündig. Das ist nah genug an den Everglades, Miami und an den Keys dran, um hier Ausflüge zu planen, und zugleich weit genug von unseren alten Florida-Besuchsorten entfernt, um wieder Entdecker sein zu können. Ein kleines Häuschen hab ich gefunden, mit eigenem Pool und Palmen, nicht direkt am Strand, aber in einer feinen ruhigen Anlage mit Einfamilienhäusern. Jetzt ist es Zeit für den richtig ernsten Test. Ich schalte Google Maps in den Satellitenmodus und zoome so weit heran, dass ich "unser" Haus sehen kann. Es ist der helle Wahnsinn. Im Luftbild kann ich das Haus sehen und genau abzählen, dass wir nur fünf Häuser vom Strand entfernt sind. Die ganze Umgebung sieht sehr familiär und ruhig aus, alles passt zu unseren Wünschen. Sogar unseren Parkplatz an der Straße kann ich sehen.

Per Mail trete ich mit dem Besitzer Gary in Kontakt und frage ihn, wie tief der Pool ist, ob ich vor Ort Internet habe und ob da wirklich vier Fahrräder in der Garage stehen. Nachdem Gary geantwortet hat und wir uns über den Preis einig sind, buche ich das Ganze per virtuellem Handschlag - und die Sache ist perfekt. Ich staune über mich selbst: Wenn mir einer vor zehn Jahren gesagt hätte, dass ich einmal so meinen Urlaub buche, hätte ich ihn für verrückt erklärt.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Mehr von Carsten Scheibe In seiner Freizeit geht Carsten Scheibe golfen - und arbeitet daran, dass der Golfball auf der selben Bahn ankommt, von der er abschlägt. Wenn's mit dem Spielen nicht so gut klappt, schreibt er lieber - für das eigene, kostenfrei in den Golf-Clubs ausliegende Magazin "Mein Golf-Heft". Das gibt's mit allen Artikeln auch im Internet. Natürlich ist der PC auch hier ein Thema.

 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
AnnaKat (27.01.2008, 17:58 Uhr)
Ferienwohnungen
Nächstesmal könnten Sie ja auch www.vrbo.com versuchen. Vacation Rental By Owner. Wir haben damit viel Glück gehabt.
Eisenbaer (27.01.2008, 10:51 Uhr)
@thomas_m - Ich bekenne mich schuldig...
...Google Maps und Google Earth und Virtual Earth seit ihrem Erscheinen für die Urlaubsortsuche und -recherche zu benutzen. Wie Millionen andere weltweit auch. Schlieeslich leben die Anbieter dieser Anwendungen hiervon.
***
Was mir in Herrn Scheibes Glosse fehlt, dass ist, dass er nicht hinterfragt, wie objektiv die Darstellungen in Google Earth nun wirklich sind. Er sollte doch genau wissen, wie Googles Suchmaschinen gestrickt sind: Wer viel zahlt, findet sich ganz vorne wieder. Statt nun aber kritisch an die Sache mit Google Maps heranzugehen, tut er das, wovon Bilderfälscher im Allgemeinen leben: Er glaubt den bunten Darstellungen an seinem PC "unbesehen". Nach der Euphorie um die Google-Suchmaschine, macht sich nun in der Community von Google Earth mittlererweile "etwas" Nachdenklichkeit breit, was die Objektivität der dargestellten Bilder betrifft, sprich: Es wird seit einiger Zeit munter retsuchiert bzw. stellenweise veraltetes Bildmaterial verwendet. Und das nicht nur bei millitärischen Objekten.
***
Finden Sie davon etwas in Herrn Scheibes Glosse wieder? Kann man von einem Fachjournalisten nicht etwas bessere Recherche erwarten? Und wenn er stattdessen einen solchen Artikel ins Netz stellt und man ihm nicht vorwerfen möchte, hier bewußt dem Anbieter Google in den Allerwertesten gekrochen zu sein, dann bleibt doch nur ein Schluß übrig: Hier wird mit Sch... Geld gemacht.
thomas_m (27.01.2008, 09:50 Uhr)
Herr Eisenbaer,
der Herr Scheibe hat wohl offensichtlich etwas, das Ihnen fehlt.
Wie wäre es denn, wenn Sie das Organ zwischen Ihren Ohren einmal dafür nutzten, wofür es eigentlich unter anderem auch gebaut wurde?
Schnaafpaaf (26.01.2008, 18:05 Uhr)
Noch viel besser geht`s
mit "holidaycheck.de" in Verbindung mit google earth und google maps. Wer dann noch danebengreift, hat selbst verwachst!
Eisenbaer (26.01.2008, 13:59 Uhr)
Jaaaah...
...Herr Scheibe nutzt Google Earth also ganau dazu, wozu es eigentlich unter anderem auch gebaut wurde. Ey Mann, mit dem Beschreiben davon kann man Geld verdienen? Ich setze mich jeden Morgen auf das Klo, wäre das dem Stern auch einen Artikel wert? Ich könnte auch von der Konsistenz und der Farbe berichten, und eine poetisch phonetische Beschreibung des Plumpsgeräusches der verschiedenen Einzelbatzen ins Wasser abliefern. Also sozusagen einen "Non olet"-Artikel abliefern. Interessiert?
Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

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