. .
News am 26.05.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
13. Juni 2008, 16:55 Uhr

Verzweifelte PC-Eltern

stern.de-Kolumnist Scheibe trifft in seinem Bekanntenkreis auf immer mehr verzweifelte Eltern. Sie kommen mit ihren Kindern und Sprösslingen nicht mehr zurecht, die den ganzen Tag vor der PC-Glotze sitzen und darüber all ihre Sozialkontakte verlieren.

 

© Carsten Scheibe

Vor dem Computer vergeht die Zeit viel schneller als in der normalen Welt. Das bekommen Kinder nicht unbedingt mit. Die Eltern aber umso mehr. Sie rufen ihre Kinder zum Essen und warten dann vor den dampfenden Tellern - und niemand kommt. Sie wollen das Haus verlassen und rufen erneut. Und wieder kommt keiner. Die Hausaufgaben müssen gemacht werden. Ein Freund steht vor der Tür. Und immer heißt es aus dem Kinderzimmer: "Gleich!" - "Noch fünf Minuten." - "Kann jetzt nicht."

Das Problem ist eben, dass die Kinder vor dem Computer leicht alles andere vergessen und nur noch in virtuellen Spielewelten existieren. Dabei ist es ganz egal, ob die Knirpse in "World of Warcraft" abtauchen, Poker spielen oder in einem Chat versumpfen. Fakt ist, dass es erstaunlich schnell passiert, dass die virtuelle Welt viel, viel spannender wird als die reale - und es richtig schwierig ist, die Kinder wieder aus ihr herauszureißen, um sie mit den lästigen Dingen des realen Lebens zu konfrontieren.

Die Eltern kommen automatisch in die Buh-Rolle. Sie zwingen das Kind vom Computer fort, wo sie Helden sein dürfen, spannende Abenteuer erleben und tolle Erfolge feiern. Und was gibt es dafür in der normalen Welt? Hausaufgaben, Spinat und Mülleimer rausbringen. Bei Freunden stand das Kind schon im offenen Fenster des zweiten Stocks, um theatralisch in den Tod zu springen, wenn das ausgesprochene Computerverbot nicht zurückgenommen wird. Erst die Aussage der Eltern, dem springenden Kind dann auch gleich noch den Computer hinterher zu werfen, holte den widerspenstigen Filius wieder ins Kinderzimmer zurück.

Inzwischen häufen sich derartige Berichte. Zwei Jugendliche, die ich kenne, haben kurz vor dem Abitur die Schule geschmissen, weil sie lieber ganze Nächte auf Netzwerkparties durchgespielt haben und davon nicht mehr lassen wollten. Ein anderer Youngster wurde in seinem ersten Job gleich wieder gefeuert, weil er ebenfalls jede Nacht durchgespielt hat und dann im Büro nicht mehr konzentrationsfähig war und jede noch so kleine Aufgabe verbockt hat.

Nun, wenn die Gefahr bekannt ist, was kann dagegen getan werden? Sinnvoll ist es sicherlich, den Kindern nicht unbedingt einen eigenen Computer ins Kinderzimmer zu stellen. Natürlich wird der PC gebraucht - für die Schule. Aber wenn der PC im Wohnzimmer steht oder im Arbeitszimmer der Eltern, so lässt er sich doch viel einfacher überwachen. Viele Eltern verwenden den PC im Kinderzimmer aber zunächst nur allzu gern als einfachen "Ruhigsteller" und Babysitter, der am Anfang oft genutzt wird, um die Kinder zu beschäftigen. Bis es dann auf einmal eskaliert, die Schulleistungen in den Keller gehen und nix anderes mehr von Interesse ist.

In den letzten Jahren habe ich vielen Eltern eine digitale Kindersicherung empfohlen. Davon gibt es ja viele Alternativen wie etwa die PC Kindersicherung von Salfeld (www.kindersicherung.de). Kostenfrei gibt es so eine Software sogar unter dem Namen TimeRestrict Free Edition (www.kindersicherung-internet.de). Diese Programme geben den Kindern ein Zeittaschengeld, das sie ganz nach Belieben einsetzen können. Sobald es aber verbraucht ist, fährt der Rechner nach kurzem Countdown herunter und kann anschließend auch mit allen Tricks nicht mehr gestartet werden. Die Eltern entschlüpfen damit der Rolle der Buh-Männer. Stattdessen sind die Kinder auf einmal selbst verantwortlich dafür, wie sie ihre verfügbare Zeit aufteilen. In diesem Fall kommen sie erfahrungsgemäß auch viel leichter mit einem "Aus" zurecht: Mit dem Computer kann man eben nicht diskutieren.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Mehr von Carsten Scheibe In seiner Freizeit geht Carsten Scheibe golfen - und arbeitet daran, dass der Golfball auf derselben Bahn ankommt, von der er abschlägt. Wenn's mit dem Spielen nicht so gut klappt, schreibt er lieber - für das eigene, kostenfrei in den Golf-Clubs ausliegende Magazin "Mein Golf-Heft". Das gibt's mit allen Artikeln auch im Internet. Natürlich ist der PC auch hier ein Thema.

 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
heiner5362 (14.06.2008, 18:50 Uhr)
gut gemeint
aber einen pc hochfahren mit "anderen mitteln" das haben deine kinder bald raus, die sind nicht doof und es regt das investigative in ihnen an :)))))
viel spass.
heiner5362 (14.06.2008, 18:42 Uhr)
lass die kinder
nur unter aufsicht ins netz.
gerade junge aufstrebende anwälte in spe im alter deines sohnes lassen sich hervorragend zu wow-zombies heranzüchten.
KEINE online-games.
KEIN chat ohne querlesen.
so gut und effektiv und innowasweissich die dsl-leitung ist,
für kinder sollte das kein spielplatz sein.
beispiele des versinkens im medium sind vielfalt und sollten warnung genug sein.
ach so wie gehts becky?
screne (13.06.2008, 20:07 Uhr)
@ganzbaf
Sehe ich auch so. Ich hatte mit 14 meinen ersten Rechner (Amiga 500!). Das reicht völlig aus.
ganzbaf (13.06.2008, 19:00 Uhr)
Hardware FSK 14...

für Computer/Spiele und TV im eigenen Kinderzimmer.
Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

WEITERE ARTIKEL DER KOLUMNE