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Flattr zahlt den Blog!

stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe investiert viel Mühe in seine Online-Blogs - auszahlen tut sich das nicht. Flattr tritt an, das zu ändern. Der Micro-Payment-Dienst erlaubt es den Besuchern von Web-Seiten, per Mausklick eine kleine Spende zu tätigen. Tatsächlich könnte das ein Weg sein, sich im Web zu refinanzieren.

Mir geht es im Grunde genommen wie zig anderen Bloggern und Homepage-Betreibern im Internet: Ich gebe mir viel Mühe mit meinen Web-Auftritten, aber es zahlt sich am Ende nicht aus. Jedenfalls nicht finanziell. Die Google-Werbung, die ich integriert habe, wirft zwischen 0,10 und 4 Euro am Tag ab - reich kann man mit diesen Summen nicht werden. "Richtige" Banner-Werbung oder gar Kampagnen bekomme ich nicht, dafür sind meine drei Seiten "Allemeineapps.de", "Mein Golf-Heft" und "Falkensee aktuell" einfach zu klein. Hinzu kommt: Ich möchte die Seiten eigentlich auch gar nicht mit Werbung vollstopfen.

Doch wie kann ich mit den Seiten noch ein bisschen mehr Geld verdienen - als kleine Aufwandentschädigung für meine Mühen? Spenden sind eine Möglichkeit. Doch kein Besucher macht sich die Mühe, nur für mein Wohl seine Online-Banking-Software zu starten. Spenden über PayPal abgeben, das geht - aber es geht zu weit. Es ist einfach zu kompliziert und erfordert zu viele Handgriffe.

Nun kommt Flattr aus Schweden - und schickt sich an, das Web im Sturm zu nehmen. Zurzeit ist der neue Online-Dienst noch im Beta-Modus und nur für eine geschlossene Testgesellschaft verfügbar. Doch die bereits aufgenommenen Blogger dürfen weitere Freunde "einladen". Und wer sich ganz offiziell auf der Homepage für den Beta-Test anmeldet, bekommt auch sehr schnell eine E-Mail mit den Zugangsdaten zugestellt. So kommt es, dass die grünen Flattr-Buttons in der Web-Landschaft zurzeit aus dem Boden schießen wie Pilze nach einer warmen durchregneten Septembernacht.

Minimalbetrag im Monat

Flattr funktioniert so. Wer sich bei dem Dienst anmeldet, verpflichtet sich, pro Monat eine feste Summe für Spenden auszugeben. Der Minimalbetrag ist 2 Euro, nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. Das Flattr-Konto lässt sich via PayPal oder anderer Dienste gleich mit etwas Geld befüllen - im eigenen Dashboard ist stets abzulesen, wie viel Geld der Anwender noch auf seinen Konto hat.

Derart vorbereitet kann der neue Monat kommen. Findet ein Flattr-Anwender eine Homepage oder einen Artikel von Wert, so reicht ein einziger Mausklick auf den nebenstehenden Flattr-Button aus, um die Seite mit einer Spende zu bedenken. Der Zähler auf dem Flatr-Button erhöht sich dabei Java-Script-gesteuert um eine Ziffer. So lässt sich bereits im Flattr-Button ablesen, wie beliebt und erfolgreich eine Seite in der stetig wachsenden Flattr-Gemeinde ist. Auch freut sich der Webmaster natürlich: Er kann jederzeit direkt im Button ablesen, wie viele neue Spender ihn seit der letzten Kontrolle "bedacht" haben.

Ganz wichtig ist: Bei Flattr laufen die Kosten nicht aus dem Ruder. Wer ein Limit von 2 Euro im Monat gesetzt hat, gibt auch nicht mehr Geld aus. Stattdessen werden die 2 Euro am Monatsende unter allen Flattr-angeklickten Seiten aufgeteilt. Wer demnach zehn Seiten mit einer Flattr-Spende bedacht hat und ein Monats-Limit von 2 Euro vorgibt, verteilt am Ende 20 Cents an jede bedachte Homepage. Das bedeutet zugleich auch: Bis zur finalen Auswertung weiß der Blog-Betreiber noch nicht, was ihm die Spenden-Klicks eigentlich einbringen. Das sorgt für Spannung beim Geld-verdienen.

Die Pflicht für Spendenkonto

Geld abgreifen alleine, das geht bei Flattr nicht. Wer seine Seiten anmelden und einen grünen Flattr-Button auf seine Homepages integrieren möchte, muss zugleich auch ein eigenes Spendenkonto anlegen und es mit wenigstens 2 Euro im Monat befüllen. So stellen die Macher aus Schweden sicher, dass immer etwas Geld im Umlauf ist - und nicht alle nur passiv auf Spender warten. Die Kunst wird es dann sein, den Monat mit einem Plus abzuschließen.

Die extrem schnelle Verbreitung der Flattr-Buttons zeigt bereits in der Beta-Phase, dass die Jungs aus Limhamn in der Web-Welt offene Türen einrennen. Tatsächlich hat gerade die große Mittelschicht der enthusiastischen, aber finanziell frustrierten Blogger nur auf eine Möglichkeit wie diese gewartet, um ein paar zusätzliche Euro einzustreichen. Da auch die Besucher der Webseiten nichts dagegen haben, ihre Anerkennung auch in Geld auszudrücken, könnte Flattr ein echter Erfolg werden - wenn nur viele, viele Anwender mitmachen und die verschenkten Beträge nicht zu niedrig sind. Wenn man sich aber ansieht, dass einzelne Flattr-Buttons bereits 446 Spendenklicks aufweisen, dann könnte es sein, dass sich das Spendenwesen im Internet schneller ändert, als wir uns das vorstellen können.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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