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iPad? Das ist doch was für Omas

Das iPad, Symbol der digitalen Bohéme, findet auch hochbetagte Fans. In den USA häufen sich die Berichte von Omas und Opas, die Apples Tablet-PC streicheln. Auch erste deutsche Senioren trauen sich so ins Internet. Doch ganz ohne Hilfe geht es meistens nicht.

Wie bekommt man eine 67-jährige Rentnerin dazu, die E-Mails ihres Sohnes zu lesen ­ obwohl ihr das Internet zu kompliziert ist? Im Fall von Heidi Kreutz lautet die Antwort: mit dem iPad. Seit ein paar Tagen hat die Dortmunderin den flachen Computer von Apple im Wohnzimmer liegen. Ihr Sohn Sebastian, 38, besorgte das Gerät und gab ihr einen Crashkurs. Nun ist seine Post nur noch einen Fingerdruck entfernt.

Es war eigentlich ein Witz: das iPad, der Rentner-Rechner. Ganz falsch ist der Gedanke aber nicht. Denn auf dem kontraststarken Bildschirm lassen sich auch trotz Weitsichtigkeit Websites oder Magazine lesen. Der Text lässt sich vergrößern. Und die Symbole trifft jeder, selbst wenn er noch nie im Leben eine Computermaus in der Hand hatte.

"Der Funktionsumfang des iPad ist so reduziert und einfach, dass auch unerfahrene Nutzer leicht damit zurechtkommen", sagt der Designer Frank Jacob. Das Blättern von Seiten etwa funktioniere auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm fast so wie in der analogen Welt, lobt der Inhaber des Designbüros "human interface.design" in Hamburg, der auch an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel lehrt.

"Auch iPhone beliebt bei Senioren"

Ein Hinweis auf die Chancen des iPad biete das iPhone, meint Jacob: "Das ist eines der beliebtestes Senioren-Handys." Denn das Gerät - ebenfalls aus dem Hause Apple - sei leicht zu bedienen, sehe aber nicht wie die üblichen klobigen Rentner-Handys mit ihren riesigen Tasten aus.

Für Heidi Kreutz waren Computer bislang fremde Wesen. "Ich komme mit dem Laptop nicht ganz zurecht", sagt sie. Ein Kurs an der Volkshochschule änderte daran nicht viel. "Das iPad ist einfacher", meint die frühere Buchhändlerin. Eine Berührung des Bildschirms, und schon hat sie die E-Mails vor der Nase. Um nachher die Fingerabdrücke zu entfernen, hat sie ein Tuch bereitliegen.

Unkenntnis verbirgt Macken

Was viele Technik-Kenner am iPad stört, dürfte unerfahrenen Nutzern wenig ausmachen. Wer die ausgesperrte Multimedia-Software Flash nicht kennt, wird sie auch nicht vermissen. Und wer ohne iPad kaum ins Internet kommt, findet Apples prüde Richtlinien für Zusatzprogramme, die beispielsweise bei nackter Haut kein Pardon kennen, auch nicht so schlimm.

Belastbare Zahlen gibt es weder von Apple noch von Marktforschern. Doch erste Eindrücke und Studien bestätigen, dass der Hersteller mit dem iPad auch die Generation 65+ erreichen könnte. Laut einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom interessieren sich drei Prozent der Senioren für das Gerät - immerhin. Hinzukommen dürfte manch einer, dem Kinder oder Enkel den Computer ungefragt auf den Couchtisch legen - und bei jeder Gelegenheit selbst damit spielen.

Silver Surfer in den USA

In den USA, wo das Gerät seit Ende März zu kaufen ist, häufen sich Berichte über surfende Senioren. Viele Schlagzeilen machte Virginia Campbell. Die 99-jährige aus dem US-Staat Oregon hat seit 20 Jahren Grünen Star und sieht nicht mehr viel. Dank des hellen Bildschirms und der skalierbaren Schrift in digitalen Büchern und auf Websites kann sie aber auf dem iPad lesen - und auf der virtuellen Tastatur wieder Gedichte tippen. Zu sehen ist das in einem Video auf Youtube. Bessere Werbung könnte Apple kaum haben.

Ob die iPad-Oma das Gerät selbst eingerichtet hat, ist unbekannt. Klar ist: Die Konfiguration ist für viele Ältere eine Hürde. Ohne ein Nutzerkonto bei Apples Online-Laden iTunes läuft beispielsweise nichts. Auch Heidi Kreutz würde das iPad ohne Hilfe ihres Sohnes nicht anfassen. Der schreibt ihr derzeit eine Bedienungsanleitung für das Gerät. Ganz ohne geht es nicht.

Christof Kerkmann/DPA/DPA

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