Sid Meier entwickelt seit 20 Jahren Computerspiele. Seine Werke setzten neue Standards. Im stern.de-Interview spricht Meier über "Civilization 4" und über seine Visionen.

Sid Meier entwickelt schon seit mehr als 20 Jahren Spiele© Firaxis
Nein, ich habe nicht Geschichte studiert, sondern das Programmieren. Aber ich bin sehr interessiert an unserer Vergangenheit. Ich lese sehr viel darüber. Aber für unsere Spiele nutzen wir keineswegs historische Hintergründe. Wir kreieren Spiele so, dass sie Spaß machen. Geschichte ist mir nicht wichtig in diesem Zusammenhang.
Offen gesprochen mag ich diese Verbindung nicht sonderlich. Klar, meine Titel bieten einen gewissen Lerneffekt. Der Spieler versteht nach und nach immer besser, ein Szenario zu meistern. Eine Zivilisation aufzubauen und die anderen Bevölkerungen zu verdrängen. Aber er soll dabei nicht die Weltgeschichte lernen. Wie gesagt, Spielspaß ist unsere oberste Priorität.
Wir haben zwischenzeitlich an einem Dinosaurier-Spiel gearbeitet. Aber irgendwie hat uns der Spielablauf keinen Spaß gemacht. Also haben wir die Entwicklung auf Eis gelegt. Vielleicht nehmen wir das Grundkonzept irgendwann nochmal auf.
In der Vergangenheit haben wir uns aber sehr wohl an innovativen Spielideen versucht. Man denke an "Sim Golf" oder "Gettysburg". Aber letztlich wollen wir nicht die Fans der "Civilisation"-Serie enttäuschen. Sie erwarten einfach einen Nachfolger. Und wir selber hatten auch große Lust auf eine Fortsetzung. Nach der Fertigstellung des dritten Teiles blieben noch so viele Ideen unverwirklicht. Ich denke da in erster Linie an den Multiplayer-Modus. Deshalb haben wir uns auf die Entwicklung des vierten Teiles von "Civilization" konzentriert.
Ich spiele oft mit meinem Sohn. Zumeist "Gran Turismo 4". Aber Ideen liefern zumeist die Fans unserer Spiele. Wir stehen in engem Kontakt mit unserer Community. So waren Fans etwas enttäuscht darüber, dass "Civilization 3" keine Multiplayer-Option enthielt. Also haben wir das Feature in Teil vier integriert. Allerdings muss man auch ein bisschen aufpassen. Fans wollen ständig neue Elemente. Der Spielablauf würde immer komplexer, wenn man alle Ideen einbaut. Man muss unbedingt darauf achten, dass man Einsteiger nicht vergrault mit Komplexität.
Viele Ideen entstammen natürlich auch von unseren Designern und Testern. In zweieinhalb Jahren Entwicklungszeit wird so mancher Spielgedanke geboren.
Es ist besonders schwierig alte Spielelemente mit den neuen zu kombinieren. Was soll in das Spiel? Was entfernen wir? Was mögen die Spieler? Was nicht? In erster Linie waren es Fragen rund um das Spielprinzip, die uns beschäftigt haben. Größere technische Probleme bei der Entwicklung hatten wir dagegen eigentlich nicht. Trotz neuer 3D-Grafik und Mehrspieler-Modus.
Es hat sehr viel Spaß gemacht "Pirates" für die Xbox zu entwickeln. Die Steuerung funktioniert sowohl auf dem PC als auch auf der Konsole. Wir denken in jedem Fall darüber nach, auch in Zukunft Spiele für Konsole zu veröffentlichen.
Wir werden tolle Spiele sehen. Und eine deutlich bessere Grafik. Und vielleicht können Entwickler dank der zusätzlichen Performance der neuen Systeme auch neue Genres schaffen. Auf den tragbaren Systemen wie Nintendo DS oder Sony PSP erstarken momentan rundenbasierte Strategiespiele. Ich spiele solche Spiele unglaublich gerne unterwegs.
Es ist nicht leicht, eine entsprechende Development-Hardware von den Herstellern zu bekommen. Wir stehen zwar auf der Liste, aber bislang haben wir noch kein Gerät erhalten.
Definitiv "Tetris". Oh Mann, warum habe ich das nicht gemacht! (lacht) Und Spiele, die hunderttausende Spieler weltweit online zusammenführen - die so genannten "Massive Multiplayer Online Role-Playing Games" (MMORPG).
"Civilization 4" "Civilization 4" ist wie die populären Vorgänger ein rundenbasiertes Aufbaustrategiespiel. Auch das Spielprinzip des neuesten Ablegers der "Civilization"-Serie wurde beibehalten: Der Endlosmodus versetzt den Spieler ins Jahr 3500 vor Christus. Die Aufgabe ist denkbar simpel: Während der Reise durch die Jahrhunderte müssen alle anderen Zivilisationen auf der Erde verdrängt werden. Entweder im Krieg oder durch diplomatisches Geschick. Bündnisse mit anderen Völkern führen dabei zumeist schneller zum Ziel als Alleingänge.
Mit ein paar Siedlern geht’s los: Auf einem unerforschten Kontinent wird eine erste Stadt gegründet. Bautrupps errichten in der direkten Umgebung Bauernhöfe, Minen etc., die für den nötigen Nachschub an Nahrung, Gold, und Produktionsressourcen sorgen. Die Oberhäupter eines Volkes sind entscheidend für den Aufbau eines Imperiums. Sie verfügen über individuelle Stärken und Schwächen, die sich auch auf das Wachstum der Nation auswirken. So hat beispielsweise Bismarck, Oberhaupt der deutschen Nation, seine Stärken in der Industrialisierung, so dass sich dieser Aspekt besonders gut während der Wachstumsphase entwickelt.
Neu ist das 3D-Gewand, in das erstmals ein "Civilization"-Titel gesteckt wurde. Die Landschaften und Figuren sind entsprechend liebevoll und detailliert gestaltet. Allerdings vermisst der Kenner spektakuläre Grafikeffekte, die man aus Konkurrenten wie "Age of Empires 3" kennt. Spielerisch sorgen die neuen Religionen für Spielspaß. Vom Buddhismus bis zum Christentum sind alle wichtigen Konfessionen vertreten. Diese haben teilweise entscheidenden Einfluss auf den Spielverlauf. Tritt der Spieler beispielsweise zum Glauben eines anderen Volkes über, fördert dies die diplomatischen Beziehungen.
Fazit: Sid Meier erfindet mit "Civilization 4" das Strategiespielrad nicht neu. Aber der Titel fesselt den Spieler genauso vor den Bildschirm wie das Original vor 17 Jahren. Spielerisch werden alte Elemente perfekt mit den neuen kombiniert, und dank umfassenden Trainingsmodus finden sich auch Genre-Neulinge schnell in der komplexen Welt zurecht.