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1. April 2007, 17:52 Uhr

Baumknutscher oder Technikfreak?

Konkurrenz für "Titan Quest": "Silverfall" ist eine recht ansehnliche Alternative im Action-Rollenspiel-Genre an, die vieles nach-, wenig falsch und ziemlich Laune macht. Besonderer Bedeutung misst das Spiel dem Konflikt zwischen Technik und Natur bei.

"Silverfall" bietet Comicoptik und hübsche Effekte wie spiegelndes Wasser© Monte Cristo/Flashpoint

Bei der Suche nach einem unverwechselbaren Look sind die Macher von Monte Cristo auf den Strich gekommen. Auf einen schwarzen Strich, um genau zu sein, der hier jede Figur und jedes Objekt umrandet. Die Folge: Ihr Action-Rollenspiel "Silverfall" wirkt wie ein Fantasy-Comic. Wem der Sinn nach harten Polygon-Kanten steht, der kann die optische Spielerei auch per simplem Mausklick deaktivieren. Übrig bleibt ein Hack&Slay-Abenteuer, das sich deutlich an "Titan Quest" orientiert, aber genügend eigenen Charme und Ideen besitzt, um für ein paar vergnügliche Stunden vor dem PC zu sorgen.

"Silverfall" entführt in einem spielbaren Prolog ins gleichnamige Städtchen, das von einer Horde Finsterlinge überrannt wird. Eigentlich kein Problem für den hiesigen Erzmagier. Doch just als er den Oberdämon in die Hölle zurückschicken will, kommt's zur perfiden Seelenwanderung und einem noch fieseren Cut. Nächste Station: Flüchtlingslager...

Der Sammelwahn funktioniert immer

Da steht nun der zuvor per Editor zusammengebastelte Held und will die Dinge im Lande Nelwe wieder geradebiegen - was mit einem rostigen Schwert und einem klapprigen Holzschild allerdings gar nicht so einfach ist. Zum Glück wird das Start-Equipment schnell ausgemustert. "Silverfall" überschüttet den Spieler regelrecht mit neuen Schwertern, Stäben, Schilden, Rüstungen und anderem magischen Nippes - und dreht damit gewohnt gnadenlos an der Motivations- und Belohnungsschraube. Unglaublich, dass das Ganze immer noch zieht.

Die Folgen sind Genre-Anhängern hinreichend bekannt: durchzockte Nächte und das berühmte "Nur noch eine Quest"-Gefühl. Schließlich könnte in irgendeiner Truhe im modrigen Sumpf, versengten Wüstensand oder in der tiefsten Kanalisation eine noch mächtigere Rarität darauf warten, endlich entdeckt zu werden. Fragwürdig wird's nur, wenn wegem fehlenden Feinschliffs auch Viecher wie Wasserspinnen oder Fledermäuse nach ihrem Ableben Hellebarden und Lederhüte hinterlassen.

Keine Charakterklassen

Apropos: Mit jedem erschlagenen Monster schwillt auch das eigene Erfahrungspunkte-Konto an. Irgendwann steht ein Levelaufstieg und damit das Verbessern der eigenen Fähigkeiten an. So weit, so vertraut. Im Gegensatz zu "Diablo 2" und seinen zahllosen Epigonen gibt es in "Silverfall" allerdings keine festen Charakterklassen. Die Attributspunkte lassen sich relativ frei auf drei Talentbäume verteilen, sodass Axt-schwingende Elementarmagier ebenso möglich sind wie nekromantisch begabte Berserker. Auch die Wahl der Rasse - Mensch, Elf, Goblin oder Troll - schlägt sich in individuellen Stärken nieder.

Komfortabel: Wer glaubt, auf die falschen Fähigkeiten gesetzt zu haben, kann bei einem weisen NPC gegen Bares seine Talentpunkte wieder zurückkaufen und umverteilen. Dann klappt's vielleicht auch mit den hartnäckigen Champions (an der lila Schriftgebung zu erkennen) und Boss-Gegnern, die sich in "Silverfall" zu Hauf tummeln.

Techno oder Öko?

Unabhängig von den erlegten Monstern entwickelt sich die Gesinnung des Spielers. Recht früh muss er sich durch das Erfüllen von Aufträgen entscheiden, ob er ein Baumknutscher sein will oder ein Verfechter der modernen Technik. Dieser Natur-vs.-Fortschritt-Konflikt zieht sich durchs ganze Abenteuer. Auf viele Gegenstände und spezielle Fähigkeiten kann erst zurückgegriffen werden, wenn eine gewisse Affinitätsstufe erreicht wird. Konkret: Wer später seine Gegner im radioaktiven Dampf garen will, sollte Fallensteller lieber nicht sabotieren und stattdessen beim Bau eines Zeppelinhafens helfen. Auch die Gefährten, die sich während des Abenteuers anschließen, lassen sich diesbezüglich beeinflussen. Leider sind nur die wenigsten Dialoge vertont ...

Nichtsdestotrotz bekommt "Silverfall" durch die individuelle Charakterentwicklung einen enormen Wiederspielwert - wenngleich die dröge Geschichte hier nur Mittel zum Zweck ist, um die ganze Monstermeuchelei irgendwie zu begründen.

Bis es zur finalen Begegnung kommt, vergehen locker 30 bis 40 Stunden. Genügend Zeit also, um sich an der hübschen 3-D-Grafik sattzusehen. Die glänzt neben detaillierten Modellen vor allem mit tollen Licht- und Spiegeleffekten. Unschön sind dagegen so manche Bugs und Ungereimtheiten. Während der Reise durchs riesige Nelwe bleibt der eigene Held nur zu gerne an Ecken hängen, kommt beim Betreten einer neuen Location gar nicht mehr von der Stelle oder muss sich wegen eines Grafikfehlers mit unsichtbaren Monstern kloppen. Unklar ist auch, warum trotz allerlei Begleiter nicht mehr Gegenstände ins Inventar passen. Ein Patch verspricht hoffentlich bald Besserung.

Fazit: "Silverfall" ist eine mehr als ansehnliche Alternative zur mythologisch angehauchten Schlachtplatte "Titan Quest", wenngleich nicht ganz deren Niveau erreicht wird.

Silverfall
Hersteller/Vertrieb Monte Cristo/Flashpoint
Genre Action-Rollenspiel
Plattform PC
Preis ca. 45 Euro
Altersfreigabe ab 16 Jahren
Gerd Hilber/Teleschau
 
 
 
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