Technik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken - und wenn sie herumspinnt, ist das Drama groß. In einer neuen Serie widmet sich stern.de "Technik, die nervt". Diesmal: Wie ein Computerspiel, das als Download gekauft wurde, ein Jahr später für Überraschungen sorgt. Von Henry Lübberstedt

"Silent Hunter 4" ist eine U-Boot-Simulation© Ubisoft
"First enter your serial number", fordert mich das Installationsprogramm meiner U-Boot-Simulation "Silent Hunter 4" auf. Ich hatte auf meinem Rechner Windows neu installieren müssen, und das Spiel verweigerte fortan den Start. Genauer: Das Zusatzprogramm "U-Boat Missions" verwehrte sich. Es wollte wissen, ob ich es sich auch legal in meinem Besitz befindet. Das ist okay. Ich hatte zwei der so genannten Add-ons bei Gamesload erworben. Gamesload ist ein Webshop für Spiele, in dem Spieleverlage ihre Produkte zum Herunterladen anbieten. Anmelden, Spiel auswählen, Zahlungsart ankreuzen und auf die Bestätigungsmail mit eben der nun eingeforderten "Serial Number" warten. Klappte damals im März 2008 sehr gut. Zwei Kopien hatte ich gekauft. Eine für mich und eine für den zweiten Rechner bei mir zum Zocken im Netzwerk. Schon damals fand ich es verwirrend, dass die Installation eine "Serial Number" einforderte und ich einen "Activation Key" von Gamesload bekam. Da es nur ein Feld auszufüllen galt, kam der "Key" eben in das "Number"-Feld. Ordentlich wie ich bin, speicherte ich jede heruntergeladene Kopie zusammen mit der dazugehörigen "Number" in einem eigenen Ordner ab. So war ich gerüstet, falls eine Neuinstallation notwendig sein sollte. Dachte ich. Also den Ordner geöffnet, die Nummer in das schmucklose Installationsfenster kopiert und auf "activate" geklickt. Dann begann es.
Genauer gesagt: Es begann zunächst nichts. Das Programm nahm Kontakt mit dem Server auf, der Fortschrittsbalken schritt zuversichtlich voran, brach jedoch bald jäh ab mit der lapidaren Meldung: "Activation Failed: unknown error"" also etwa "Freischaltung fehlgeschlagen: Unbekannter Fehler." Die schlimmste aller Rückmeldungen. Als würden die Hersteller sagen: "Lieber Kunde, Ihr Spiel wird nie mehr starten, wir wissen auch nicht warum." Egal, noch mal. Und noch mal. Gleiche Meldung. Vielleicht der falsche Schlüssel? Ich probierte den von der zweiten Kopie. Gleiches Ergebnis. Dann fiel mir der Gamesload-Hinweis ein, man dürfe das Spiel nur dreimal installieren. Dann müsse man es neu kaufen. Schweißperlen auf der Stirn. Sollte ich meine drei Freischüsse am "Unbekannten Fehler" abgearbeitet haben? Neben der Online-Aktivierung gab es auch noch eine manuelle Freischaltung. Da musste man einen "Request Code" erzeugen und einen "Unlock Key" eintragen. Bitte was? Für dieses Technogebrabbel fehlt mir das Verständnis.
"Sollten Sie Hilfe benötigen, wenden Sie sich an den Support von Ubisoft unter folgender Webadresse." Über dieser Zeile das Logo des französischen Spieleverlags. Ich folgte dem Link und landete wider Erwarten nicht direkt im Support, sondern auf der allgemeinen Ubisoft-Homepage. Hier musste ich die Hilfe-Abteilung zunächst suchen, mich durch Menüs klickern und in einem kleinen Feld mein Hilfegesuch formulieren. Ein paar Tage später erhielt ich eine freundliche Mail vom Ubisoft-Support. Sinngemäße Kernaussage: "Liebes Kunden-Dummerchen. Was können WIR denn dafür? Sie haben das Programm bei Gamesload gekauft, fragen Sie dort". Ich verzichtete auf den Hinweis, dass mich das Installationsprogramm selbst zu Ubisoft geschickt hatte. Ich Dummerchen hätte wirklich vor dem Klick auf "Hilfe" an die Vertriebsstrukturen denken sollen.
Gamesload schickte mir innerhalb weniger Stunden einen neuen "Lizenzschlüssel", also die Nummernfolge, die im Installationsprogramm "Serial Number" und in der ersten Gamesload-Mail als "Activation-Key" bezeichnet wurde. Bei Babylon, es funktionierte! Nur: Warum meine beiden alten käuflich erworbenen Schlüssel nicht mehr akzeptiert wurden, verschweigt Gamesload. Ich bin großer Fan von Online-Shops. Doch manchmal ist mir eine CD mit Kopierschutz und Seriennummer im Handbuch einfach lieber.
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