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29. Mai 2009, 06:30 Uhr

Keine Verbindung unter diesem Schlüssel

Technik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken - und wenn sie herumspinnt, ist das Drama groß. In einer neuen Serie widmet sich stern.de "Technik, die nervt". Diesmal: Wie ein Computerspiel, das als Download gekauft wurde, ein Jahr später für Überraschungen sorgt. Von Henry Lübberstedt

Gamesload, Ubisoft, Silent Hunter IV,

"Silent Hunter 4" ist eine U-Boot-Simulation© Ubisoft

"First enter your serial number", fordert mich das Installationsprogramm meiner U-Boot-Simulation "Silent Hunter 4" auf. Ich hatte auf meinem Rechner Windows neu installieren müssen, und das Spiel verweigerte fortan den Start. Genauer: Das Zusatzprogramm "U-Boat Missions" verwehrte sich. Es wollte wissen, ob ich es sich auch legal in meinem Besitz befindet. Das ist okay. Ich hatte zwei der so genannten Add-ons bei Gamesload erworben. Gamesload ist ein Webshop für Spiele, in dem Spieleverlage ihre Produkte zum Herunterladen anbieten. Anmelden, Spiel auswählen, Zahlungsart ankreuzen und auf die Bestätigungsmail mit eben der nun eingeforderten "Serial Number" warten. Klappte damals im März 2008 sehr gut. Zwei Kopien hatte ich gekauft. Eine für mich und eine für den zweiten Rechner bei mir zum Zocken im Netzwerk. Schon damals fand ich es verwirrend, dass die Installation eine "Serial Number" einforderte und ich einen "Activation Key" von Gamesload bekam. Da es nur ein Feld auszufüllen galt, kam der "Key" eben in das "Number"-Feld. Ordentlich wie ich bin, speicherte ich jede heruntergeladene Kopie zusammen mit der dazugehörigen "Number" in einem eigenen Ordner ab. So war ich gerüstet, falls eine Neuinstallation notwendig sein sollte. Dachte ich. Also den Ordner geöffnet, die Nummer in das schmucklose Installationsfenster kopiert und auf "activate" geklickt. Dann begann es.

Genauer gesagt: Es begann zunächst nichts. Das Programm nahm Kontakt mit dem Server auf, der Fortschrittsbalken schritt zuversichtlich voran, brach jedoch bald jäh ab mit der lapidaren Meldung: "Activation Failed: unknown error"" also etwa "Freischaltung fehlgeschlagen: Unbekannter Fehler." Die schlimmste aller Rückmeldungen. Als würden die Hersteller sagen: "Lieber Kunde, Ihr Spiel wird nie mehr starten, wir wissen auch nicht warum." Egal, noch mal. Und noch mal. Gleiche Meldung. Vielleicht der falsche Schlüssel? Ich probierte den von der zweiten Kopie. Gleiches Ergebnis. Dann fiel mir der Gamesload-Hinweis ein, man dürfe das Spiel nur dreimal installieren. Dann müsse man es neu kaufen. Schweißperlen auf der Stirn. Sollte ich meine drei Freischüsse am "Unbekannten Fehler" abgearbeitet haben? Neben der Online-Aktivierung gab es auch noch eine manuelle Freischaltung. Da musste man einen "Request Code" erzeugen und einen "Unlock Key" eintragen. Bitte was? Für dieses Technogebrabbel fehlt mir das Verständnis.

Liebes Kunden-Dummerchen ...

"Sollten Sie Hilfe benötigen, wenden Sie sich an den Support von Ubisoft unter folgender Webadresse." Über dieser Zeile das Logo des französischen Spieleverlags. Ich folgte dem Link und landete wider Erwarten nicht direkt im Support, sondern auf der allgemeinen Ubisoft-Homepage. Hier musste ich die Hilfe-Abteilung zunächst suchen, mich durch Menüs klickern und in einem kleinen Feld mein Hilfegesuch formulieren. Ein paar Tage später erhielt ich eine freundliche Mail vom Ubisoft-Support. Sinngemäße Kernaussage: "Liebes Kunden-Dummerchen. Was können WIR denn dafür? Sie haben das Programm bei Gamesload gekauft, fragen Sie dort". Ich verzichtete auf den Hinweis, dass mich das Installationsprogramm selbst zu Ubisoft geschickt hatte. Ich Dummerchen hätte wirklich vor dem Klick auf "Hilfe" an die Vertriebsstrukturen denken sollen.

Gamesload schickte mir innerhalb weniger Stunden einen neuen "Lizenzschlüssel", also die Nummernfolge, die im Installationsprogramm "Serial Number" und in der ersten Gamesload-Mail als "Activation-Key" bezeichnet wurde. Bei Babylon, es funktionierte! Nur: Warum meine beiden alten käuflich erworbenen Schlüssel nicht mehr akzeptiert wurden, verschweigt Gamesload. Ich bin großer Fan von Online-Shops. Doch manchmal ist mir eine CD mit Kopierschutz und Seriennummer im Handbuch einfach lieber.

Stellungnahme

stern.de hat den betroffenen Unternehmen vor Veröffentlichung des Artikels eine Möglichkeit der Stellungnahme eingeräumt.

Haben Sie auch Ärger mit Technik?

Nutzen Sie die Kommentarfunktion und teilen Sie uns mit, was Sie an aktueller Hightech stört. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Fön, ein TV-Gerät oder einen Fahrkartenautomaten handelt - ganz nach dem Motto: Technik, die nervt!

Von Henry Lübberstedt
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Nardo (29.05.2009, 13:11 Uhr)
Steam, SecuROM und anderer Kopierschutzmist
Ich wollte mir mal Spore zulegen. Bis ich gelesen habe, was einem User passierte, als er wegen Hartdwareproblemen Spore das vierte Mal installieren musste. Nee danke, muss nicht sein.
Und Steam ist auch nicht viel besser - niemand weiss, wass die da alles online senden, und wenn ich als Single Player spiele, will ich alleine sein.
Dann lieber CD mit Seriennummer. So wie bei den alten Spielen wie z.B. SimCity 4, dass im Bereich der Städtebausimulationen immer noch einsam an der Spitze steht dank custom content trotz eingestelltem Support und einiger Bugs.
Ich denke mal, dass einige Herrschaften in der Unterhaltungsindustrie (und zwar in allen Sparten!) mal darüber nachdenken sollten, was sie ihren Kunden da alles an Kopierschutz- und Rechtemanegementknebeln zumuten und mal anfangen, zu begreifen, dass die Kunden auch Rechte haben (inclusive Datenschutz), bevor sie wieder auf die bösen bösen Raubkopierer losgehen.
Ich persönlich spiele keine raubkopierten Spiele, und wenn ich Steam oder SecuROM lese, verschwindet das jeweilige Spiel ganz schnell von meiner Einkaufsliste.
Pete87 (29.05.2009, 12:58 Uhr)
Steam ftw!
Wofür gibts Steam das ist mittlerweile ziemlich ausgereift und ich hatte in den letzten 3 Jahren noch nie Probleme mit.
bR4iNST0RM (29.05.2009, 12:55 Uhr)
Doppelt kassieren!
Größtes Ärgernis ist für mich, ein Spiel für teures Geld zu erwerben, um dann fest zu stellen, dass „Multiplayermodis“ im Internet nur via kostenpflichtige „Portale“ oder „Gates“ möglich sind. Hallo? Ein teures GEKAUFTES Spiel! Und dann noch monatliche Kosten, damit man Online zocken darf? Mit diesen Geschäftsmodel werden in Zukunft sicher noch mehr auf Raubkopien mit entsprechenden „Crack“ zurückgreifen. Dann jammern die Hersteller wieder, dass die Umsätze weg brechen…sorry, aber selber Schuld, wenn man den Geldhals nicht voll genug bekommt!
wuhu (29.05.2009, 12:34 Uhr)
@arno22
z.B jene die nach wie vor Starcraft CounterStrike (und sämtliche HL Mods) oder Quake3 spielen? =)
Nicht zu vergessen gibt es auch noch jede Menge Leute die sogar so altes wie Quake 1 oder RailroadTycoon spielen und viele andere mehr.
Arno222 (29.05.2009, 11:27 Uhr)
@Dr.Tonklin
Insgesamt bin ich gleicher Meinung, aber wer spielt schon Spiele, die 10 Jahre alt sind?
acitapple (29.05.2009, 10:16 Uhr)
schöne, neue welt
wie wurde uns das nicht angepriesen. es würde irgendwann sowas von toll und einfach und schnell möglich sein programme, spiele, filme usw. "einfach so" runterzuladen, natürlich gegen bezahlung. soweit ganz gute idee und auch legal ! ABER: in der praxis wird der kunde gegängelt wo es nur geht. bei einer vielzahl an spielen bestehen schon probleme sie überhaupt zu installieren. von dem ganzen müll der ungewollt mitinstalliert wollen wir noch gar nicht reden !!! so kommt es, dass manche anfangen zu cracken und wieder andere (wie ich) lassen den ganzen scheiss einfach sein !!!! viel spass bei der kundensuche !
ElPrimo (29.05.2009, 09:52 Uhr)
Einfach nur ne Frechheit....
Da Stimme ich Dr.Tonklin voll zu. Da zahl ich schon teilweise über 50 Euro für ein Computerspiel, die wohlgemerkt vor der Euroeinführung noch unter 50 DM gekostet haben und krieg dann auch noch vorgeschrieben was ich damit machen darf und kann.
Bestes Beispiel GTA4: Ich war drauf und dran das Spiel zu kaufen, bis ich gelesen habe, dass ich mich online bei Windows Live registrieren muss um das überhaupt spielen zu dürfen. Hinzu kommt noch dass das Spiel eigenständige verschiedene Programme mitinstalliert, die dann als Hintergrundprozess mitlaufen "müssen" damit man überhaupt spielen kann. Eine absolute Frechheit in meinen Augen. Das dumme ist nur dass sowas den meisten Käufern schlicht egal ist, sonst wären nicht schon mehrere Millionen Exemplare verkauft worden. Wenn jeder solche Spiele boykottieren würde, würden die Hersteller schnell wieder davon abrücken.
esopherah (29.05.2009, 09:24 Uhr)
selbst schuld
hätt er sich besser mal ne raubkopie besorgt, die laufen eigentlich immer im gegensatz zu gekauften produkten.
Ich persönlich habe seit gta4 beschlossen keine orginalspiele für den pc mehr zu kaufen. 50€ hat gta4 gekostet und es hat 3 Monate gedauert(ich bin btw ITler mit 20jahren erfahrung) bis die ganze windows life, social club und scheissendreck regestrierung mit 100 patches endlich gelaufen ist. Ich hab dann die gecrackte version gesehen und die läuft ohne probleme....
Dr.Tonklin (29.05.2009, 08:59 Uhr)
Nicht zu vergessen:
...die Schnelllebigkeit des Internets. Spiele auf Datenträgern und ohne Online-Aktivierung kann ich auch in 10 Jahren noch problemlos spielen. Wer aber garantiert mir, dass in 10 Jahren die Aktivierungsserver noch stehen, geschweige denn die Spielefirmen überhaupt noch existieren?
Und wer sich auf solche faulen Deals mit eingeschränkter Neuinstallationsanzahl einlässt, ist wirklich selbst schuld. Das ist ja beinahe so, als würde ich mir ein Auto kaufen und dürfte es nicht mehr fahren, sobald der Tank leer ist.
Motzerator (29.05.2009, 08:41 Uhr)
Beim Download ist der Kunde der Dumme!
Es ist immer besser, einen Original Datenträger samt Lizenzschlüssel zu besitzen. Das sieht bei der XBOX360 übrigens nicht anders aus.
Dort kann man Spiele bequem über Microsoft Points online erwerben und auf die Festplatte der Konsole downloaden. Das funktioniert solange gut, wie die Konsole funktioniert.
Hat man aber einen der durchaus häufig auftretenden Hardwarefehler an seiner Konsole, wie den "E74" oder den "Red Ring of Death", wird es kritisch.
Natürlich kann man die Konsole zu Microsoft einschicken und die Fesplatte daheim in den Schrank legen und mit dem Weiterspielen warten, bis die Kiste nach 2 Wochen wieder da ist.
Wer aber gerne sofort weiterspielen möchte und sich eine Ersatzkonsole kauft um die Wartezeit zu überbrücken wird dann feststellen, das die Download Games dort nicht funktionieren. SPiele die man auf DVD hat, kann man einfach neu installieren und problemlos mit dem alten SPielstand weiterzocken, download Games hingegen nicht.
Microsoft bietet zwar die Möglichkeit, diese Downloads auf die neue Konsole zu übertragen, aber den Service darf man nur einmal im Jahr nutzen.
Also ist man doch schön blöd, wenn man sich Spiele online erwirbt.
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