Es ist möglich, Nadeldrucker zu belauschen. Forschern der Universität des Saarlandes ist es gelungen, aus den Druckgeräuschen die gedruckten Wörter und Zahlen zu großen Teilen zu rekonstruieren. In Banken und Arztpraxen entstehe so ein Sicherheitsrisiko, sagen die Experten.

Belauschen von Nadeldruckern: Das Spionieren ist allerdings komplizierter als auf diesem Foto dargestellt© idw
Die häufig in Arztpraxen und Banken eingesetzten Nadeldrucker stellen laut einer Untersuchung der Universität des Saarlandes ein Sicherheitsrisiko dar. Es reiche ein Mikrofon am Drucker, um aus den aufgenommen Geräuschen die gedruckten Texte weitgehend rekonstruieren zu können. Der Inhalt von Arztrezepten oder Bankunterlagen könne so entschlüsselt werden, teilten die Wissenschaftler mit.
Nadeldrucker werden in Arztpraxen vor allem verwendet, um Rezepte oder Patientenberichte zu drucken. In Banken werden damit häufig Kontoauszüge erstellt, wie die Wissenschaftler schrieben.
Damit die Nadeldrucker ihre Geheimnisse preisgaben, mussten die Experten des Lehrstuhls für Kryptographie und Informationssicherheit allerdings einige Vorarbeiten leisten: Sie ließen die Geräte zuerst ein Wörterbuch drucken und trainierten die Software dann darauf, den einzelnen Wörtern charakteristische Tonmuster zuzuweisen. Außerdem mussten sie Störgeräusche wie zum Beispiel Patientengespräche in einer Arztpraxis herausfiltern. Dann gelang es ihnen immerhin, über 70 Prozent der gedruckten Wörter zu erkennen und damit die meisten Inhalte zu verstehen. Auch einzelne Zahlen wie etwa Geheimnummern von Konten könnten auf diese Weise mit erstaunlich hoher Trefferquote erkundet worden, wie die Wissenschaftler betonten.
In einem angekündigten Praxistest stellten die Wissenschaftler ihr Programm in einer Arztpraxis auf die Probe und nahmen bei laufendem Betrieb verschiedene Rezeptausdrucke auf. Nach sechs Trainingsrunden sei es beim siebten Rezept gelungen, das verschriebene Medikament rein über die Druckergeräusche herauszufinden.
Der Leiter der Forschergruppe, Michael Backes, geht allerdings nicht davon aus, dass die ungewöhnliche Spionagemethode in der Praxis bereits angewendet wird. Den Informatikern geht es nach eigenen Angaben darum, neue Sicherheitslücken frühzeitig aufzudecken und auf mögliche Gefahren hinzuweisen. In vorangegangenen Studien hatten andere Forscher bereits nachgewiesen, dass man Daten aus den Abstrahlungen des Kabels eines LCD-Bildschirms ablesen kann und dass es möglich ist, Wörter über die Geräusche der Tastatur herauszufiltern.