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2. November 2004, 16:42 Uhr

Wenn Spione den Rechner lähmen

Sie sind kleine Programme, die oft ohne das Wissen der Computernutzer - aber meist mit ihrer Zustimmung - auf den Rechner gelangen: Spyware. Manchmal sammeln sich so viele Spione, dass der PC in die Knie geht.

David Eckstein flucht täglich bei der Arbeit über Spyware auf seinem Rechner© George Nikitin

"Man möchte den Computer am liebsten aus dem Fenster werfen", schimpft David Eckstein. Was den Werbefachmann so erbost, nennt sich Spyware. Das sind kleine Programme, die oft ohne das Wissen der Computernutzer - aber meist mit ihrer Zustimmung - auf den Rechner gelangen. Sie sorgen dafür, dass der Computer langsamer läuft, dass immer wieder neue Werbefenster erscheinen, sie bringen manchmal andere Programme oder den ganzen Computer zum Absturz, in seltenen Fällen stehlen sie auch persönliche Daten.

Eckstein landete eines Tages nach dem Start des Rechners und des Browsers plötzlich nicht mehr auf seiner Startseite CNN.com, sondern bei einer ihm unbekannten Suchmaschine. Und was er auch versuchte, es blieb dabei. Mit seinem Problem ist Eckstein bei weitem nicht allein; mehr und mehr Computernutzer werden Opfer von Spyware.

Den Ärger bekommen andere ab

Diese Programme werden damit auch zu einem Problem für die ganze Branche, denn mit ihren Beschwerden wenden sich die Betroffenen oft an den Computerhersteller oder, wenn der Rechner abstürzt, an Microsoft, weil sie einen Fehler im Betriebssystem vermuten. Bei Dell gehen inzwischen rund 15 Prozent der Supportanfragen auf das Konto von Spyware, vor einem Jahr waren es gerade zwei Prozent. Bei AOL schätzt man, dass drei solcher Programme für rund 300.000 abgebrochenen Verbindungen täglich verantwortlich sind. Einige Computerhändler in den USA berichten, dass mehr als die Hälfte der Probleme ihrer Kunden auf Spyware zurückzuführen sind.

"Spam ist nix dagegen"

"Der Kampf gegen Spam wirkt dagegen wie ein Spaziergang", sagt Bob Bowman, Leiter der Internet-Abteilung der Baseball-Liga MLB, die seit Juni ihren Werbekunden den Einsatz von derartigen Programmen untersagt.

Im Rahmen einer von der US-Regierung unterstützten Studie besuchten Techniker auch Jenna Dye in Young Harris in Georgia. Sie fanden 1.300 mit Spyware in Zusammenhang stehende Programme und Dateien auf ihrem Rechner. "Er hörte mitten in der Arbeit auf", berichtet Dye. "Wir hatten jede Menge Pop-ups. Das CD-ROM-Laufwerk ließ sich nicht mehr öffnen. Am Ende wollten wir den Computer gar nicht mehr benutzen." Mit ihrem Mann fuhr sie dann lieber zweieinhalb Stunden zum nächsten Einkaufszentrum, statt Online etwas zu bestellen - bis der Rechner von der Spyware gesäubert wurde. Jetzt nutzt sie ihn wieder fast täglich.

Die meisten Nutzer stimmen zu - unbemerkt

Auf den Rechner gelangt Spyware zumeist durch die Nachlässigkeit der Nutzer bei Downloads aus dem Internet, zum Beispiel von kostenlosen Spielen oder Tauschbörsen-Programmen. Und oft billigen sie dies sogar mit der Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen. Der entsprechende Hinweis ist tief im Kleingedruckten versteckt - das kaum einer zu Ende liest. Rechtlich sei deshalb kaum etwas dagegen zu machen, sagt Mike George, Leiter des Endkundengeschäfts bei Dell. Den Firmen seien die Hände gebunden.

Vorsicht ist nötig

In schwer wiegenden Fällen hilft nur noch die Formatierung der Festplatte und die Neuinstallation des Betriebssystems und der Programme. Wenn es nicht ganz schlimm ist, lässt sich Spyware aber auch wieder entfernen. Dazu gibt es inzwischen etliche zum Teil kostenlose Programme. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, denn einige der so genannten Anti-Spyware-Tools installieren selbst solche Programme. Nutzer von Windows XP sollten auf jeden Fall das Service Pack 2 installieren, das vor Spyware warnt. Im Internet Explorer sollte die Sicherheitsstufe Mittel oder Hoch eingestellt sein, die vor "Nebenbei-Downloads" warnt. Verringern lässt sich das Risiko einer Infektion auch mit anderen Betriebssystemen wie Mac oder Linux oder dem Einsatz anderer Browser wie Opera oder Firefox. Letztlich ist für den Schutz des Rechners aber jeder Nutzer selbst verantwortlich.

Anick Jesdanun, AP
 
 
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