Macromedias Software "Flash" ist aus dem Web nicht mehr wegzudenken. Firmenchef Stephen Elop sprach mit stern.de über den Verkauf seiner Firma an Adobe und den Konkurrenzkampf mit Microsoft.

Stephen Elop ist CEO von Macromedia und seit 1998 im Unternehmen© Karsten Lemm
Die US-Firma Macromedia, beheimatet im kalifornischen San Francisco, gehört zu den erfolgreichsten Unternehmen im Internet: Ihr kostenloser "Flash"-Player, den etliche Webseiten für Grafik-Animationen einsetzen, ist auf 98 Prozent aller PCs installiert und wird von über 500 Millionen Menschen in aller Welt genutzt. Damit ist das Programm ähnlich populär wie der (ebenfalls kostenlose) "Acrobat Reader" zum Anzeigen von PDF-Dateien. Künftig soll beides aus demselben Haus kommen, denn Adobe, Hersteller von "Acrobat" und "Photoshop", will Macromedia übernehmen. Welche Überlegungen hinter dem Kauf stecken, erklärt Macromedia-Chef Stephen Elop, 41, im Gespräch mit stern.de.
Wir glauben, dass sich die beiden Firmen hervorragend ergänzen. Beide sind auf ihre Weise sehr stark - Macromedia mit Flash, Adobe mit dem PDF-Format und dem Acrobat Reader. Das sind sehr weit verbreitete Technologien, sonst aber gibt es kaum Überschneidungen. Flash ist interaktiv, PDF relativ statisch - da geht es um Dokumente. Unsere Stärke liegt im Internet, Adobes eher bei Grafikprogrammen wie Photoshop.
Weil wir ähnliche Ziele für die Zukunft verfolgen. Beide Firmen haben gespürt, dass sie nun mühsam entwickeln müssten, was der andere jeweils schon hat. Wenn Sie sich die gesamte Palette an Medien anschauen, mit denen wir es zu tun haben, vom bedruckten Papier bis zur Video-Animation, dann wird klar, dass beide Firmen jeweils Teile davon gut im Griff haben - und bei anderen Schwächen zeigen. Sobald Sie aber Macromedia und Adobe kombinieren, fügt sich eins wunderbar zum anderen. Unsere Kunden haben das übrigens längst erkannt. Die drängen uns schon lange, die beiden Firmen zusammenzulegen, denn viele arbeiten den ganzen Tag über mit Macromedia- und Adobe-Produkten und wünschen sich ein besseres Zusammenspiel zwischen den Programmen.
Garantien gibt es nie. Ich könnte Ihnen auch ganz unabhängig von Adobe nicht garantieren, dass alle unsere Produkte morgen noch auf dem Markt sind. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Aber: Mal angenommen, Adobe käme daher und übernähme eine Firma wie Macromedia, nur um anschließend eine Reihe ihrer besten Produkte zu killen - das würde keinen Sinn ergeben. Es würde den Wert der gekauften Firma zerstören und obendrein die Nutzer aufregen. Das macht erst recht keinen Sinn. Deshalb haben wir die Absicht, so weiterzumachen wie bisher - selbst in Bereichen, bei denen manche sagen, dass es Überschneidungen gibt. Denn wir glauben nicht, dass diese Überschneidungen so groß sind, wie einige behaupten.
Wir hoffen und erwarten, dass wir das nicht tun müssen. Wir arbeiten derzeit mit dem US-Justizministerium zusammen, um zu zeigen, warum ein solcher Verkauf nach unserer Meinung nicht nötig ist.
Nein, überhaupt nicht. Es ist steht völlig außer Frage, dass dieser Zusammenschluss auf höherer Ebene ein Segen für den Wettbewerb ist.
Nehmen Sie die Kombination aus Adobe und Macromedia im Vergleich etwa zu Microsoft: Microsoft hat in einigen Bereichen ein klares Monopol und setzt jetzt dazu an, seinen Einfluss mit Hilfe dieses Monopols auch auf andere Bereiche auszuweiten. Wir sind eines der wenigen Unternehmen, die Microsoft ernsthaft herausfordern können. Nicht überall, gewiss, aber doch in manchen Bereichen.
Eines der Gebiete, auf denen Microsoft hofft, mit uns mithalten zu können - lassen Sie uns da auf die richtige Wortwahl achten! - betrifft so genannte "Rich Internet Applications"...