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Ministerium verschrottet 170 Rechner wegen Virenbefall

Ein Ministerium in Mecklenburg-Vorpommern entsorgt 170 teils neue Rechner, weil sie mit Schadsoftware infiziert waren. Kosten: 187.300 Euro. Nun rügt der Landesrechnungshof das chaotische Vorgehen.

  Teurer Kampf gegen Computerviren: Ein Ministerium in Mecklenburg-Vorpommern ersetzte 170 von Schadsoftware befallene Rechner durch neue Geräte.

Teurer Kampf gegen Computerviren: Ein Ministerium in Mecklenburg-Vorpommern ersetzte 170 von Schadsoftware befallene Rechner durch neue Geräte.

Viren, Würmer und Trojaner sind nicht nur auf Privat-PCs ärgerlich. Vor allem Unternehmen fürchten sich vor Cyber-Schädlingen, die brisante Daten ausspionieren und teure Hardware beschädigen könnten. Wird trotz aller Vorsicht doch einmal ein Rechner infiziert, ist die Aufregung oft groß.

Im Bildungsministerium in Schwerin war sie offenbar zu groß: Weil 170 Computer des Lehrerfortbildungsinstituts IQMV (Institut für Qualitätsentwicklung Mecklenburg-Vorpommern) in Schwerin, Rostock und Greifswald vom vergleichsweise harmlosen Conficker-Wurm befallen waren, wurden die verseuchten Rechner von der IT-Abteilung kurzerhand entsorgt und durch neue Geräte ersetzt. Der Austausch mit anschließender Rücksicherung der Benutzerdaten kostete 187.300 Euro.

Nagelneue Computer entsorgt

Einige der Geräte seien zum Zeitpunkt der Infektion im September 2010 noch "nagelneu" gewesen, schreibt die "Ostsee-Zeitung", die sich auf einen Jahresbericht vom Landesrechnungshof Mecklenburg-Vorpommern bezieht. Das Dokument erschien bereits im Dezember 2012, erregte aber erst jetzt Aufmerksamkeit. So heißt es in dem Bericht: "Zum Zeitpunkt einer Störung durch 'massiven Virenbefall', die mit deutlichen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit beim Institut einherging, bestand daher kein funktionierendes IT-Sicherheitskonzept."

Statt mit kostenlosen Tools die Schadsoftware zu entfernen, wurden die Geräte einfach zu Lasten des Steuerzahlers ausgetauscht. "Alternativen zur Neubeschaffung wurden nicht ernsthaft geprüft", so der Landesrechnungshof. Die Ursache für den Befall der 170 Computer sei bis heute ungeklärt. "Protokolle der Anti-Viren-Software konnten trotz mehrfacher Nachfrage nur für den Standort Greifswald vorgelegt werden", kritisiert der Bericht, wo "allerdings kein massiver Fund von Viren zum betreffenden Zeitpunkt zu entnehmen war".

Menschliches Versagen?

Dadurch sei offen geblieben, welche Computer mit Schadsoftware befallen waren, um welchen Schädling es sich konkret handelte und ob "der Virenscanner fehlerhaft konfiguriert war und ob der Virenausbruch auf menschliches oder technisches Versagen zurückzuführen ist". Nur ein einziger Mitarbeiter sei bis zum August 2010 mit der Betreuung und Überwachung der IT-Systeme des Lehrerfortbildungsinstituts betraut gewesen, heißt es im Bericht des Landesrechnungshofs.

Das Fazit der Prüfer ist eindeutig: "Die gewählte Vorgehensweise entsprach nicht dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit." Ebenso chaotisch wie bei der Fehlerdiagnose scheint das Ministerium beim Austausch der Geräte vorgegangen zu sein: Erst neun Monate nach dem teuren Austausch konnte der letzte PC in Rostock in Betrieb genommen werden.

cf
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