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31. März 2006, 15:34 Uhr

Einmal Hölle und zurück

Eine "Revolution bei Computerspielen", ein "neues Zeitalter der Grafik" - das Marketing spart nicht mit Superlativen bei "Oblivion". Das Rollenspiel ist ein großer Wurf, allerdings mit vielen kleinen Fehlern und übermächtigem Hardwarehunger. Von Henry Lübberstedt

Die Grafik von "Oblivion" ist atemraubend© Bethesda Softworks/2K Games

Das Epos (v. griech. έπος "das Gesagte, der Vers", dann auch "die Erzählung"): Epen berichten in großer Breite und Ausführlichkeit von einem bedeutenden, als historisch real verstandenen Ereignis. Es sind Geschichten mit festen Lebens-, Wert- und Sozialordnungen und verbindlichem Weltverständnis.

Das Computerspiel (der PC, die Xbox, die Playstation): Entstanden aus der Übertragung jahrtausendalter Spielprinzipen auf eine digitale Technik. Mit fotschreitender Entwicklung der Rechenleistung können Computerspiele die reale Welt zunehmend glaubwürdiger nachbilden.

Werden Epos und Computerspiel gekreuzt, entsteht "Oblivion", ein Rollenspiel aus der Elder-Scrolls-Reihe der Spieleschmiede Bethesda Softworks.

Es ist Sommer. Die Vögel zwitschern, und ein laues Lüftchen wiegt die schattenspendenen Äste. Von der Anhöhe nahe der Stadt Chorrol erstecken sich Wiesen mit kleinen Inseln verschiedenfarbiger Blumen bis zu den Weinstöcken vor der Stadtmauer. Arbeiter pflegen Reben. Auf dem Gestüt gleich daneben herrscht ein beschauliches Treiben, während die Sonne tiefer sinkt und die Landschaft schließlich in goldenes Licht taucht.

Warum rausgehen, wo es hier drinnen doch so schön ist. Hier drinnen vor dem Computer. Kein Spiel hat die Natur bisher glaubhafter nachgebildet als "Oblivion". Und das ist durchaus hilfreich für den Spieler, denn er soll diese Welt vor nichts Geringerem als dem Untergang retten. Die liebliche Idylle dürfte ihn weit mehr zur Heldentat motivieren als etwa der Schutz heruntergekommener Vorstadtbezirke.

Immer Ärger mit den Dimensionstoren

Cyrodiil, so heißt das Land, hat Löcher. In Fantasywelten kommt so etwas immer wieder vor. Der Höllenort Oblivion hat zur Invasion auf das grüne Ländle angesetzt. Aus rotglühenden Dimensionstoren strömen fiese Gestalten. Die Armee kann sie nur mit Mühe zurückdrängen. Die Tore müssen geschlossen werden, und der Held soll es richten. Seine Geschichte beginnt indes wenig heroisch im Knast tief unter der Kaiserstadt. Keine Chance auf Entlassung. Da trifft es sich gut, dass der Kaiser vor Attentätern fliehen muss und der einzige Fluchttunnel ausgerechnet in der Zelle des Helden beginnt. Der Landesvater erkennt in des Recken Schicksal die Rettung des Reiches. Er soll den verschollenen Sohn des Kaisers finden, der wisse, wie die bedrohlichen Tore nach Oblivion versiegelt werden könnten. Danach wird der Held allein gelassen. Allein mit einer Karte in einer über 41 Quadratkilometer großen Fantasiewelt.

Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, kann man seinen Helden nach Gutdünken gestalten© Bethesda Softworks/2K Games

Das Leben geht weiter

Der Spieler hat alle Freiheiten. Er kann sofort der mäßig spannenden Geschichte folgen und den Sohn des Kaisers suchen. Er kann genausogut die Welt von Cyrodiil erkunden. Sorge vor dem drohenden Weltuntergang muss er nicht haben. Das Schicksal harrt geduldig des Helden. Wer fast alles von Cyrodill sehen will, lässt das Schicksal gut 100 Stunden Schicksal sein. So lange etwa benötigen geübte Spieler, um die neun Städte des Landes und die 200 Höhlen und Katakomben zu erforschen. Allein in der Hauptstadt mit ihren sieben Stadtvierteln warten Aufgaben, die den Helden mindestens 15 Stunden beschäftigen. Die Städte haben ihren eigenen Architekturstil wie das von Fachwerkhäusern dominierte Leyawiin, die Hafenstadt Anvil mit ihren festen Steinhäusern und die an das antike Rom erinnernde Kaiserstadt. Jedes Haus kann betreten werden und in jedem "leben" Bewohner. Die rund 1000 Bewohner Cyrodiils gehen einer Arbeit nach, tratschen mit anderen auf der Straße und besuchen in den Abendstunden Wirtshäuser und schlafen nachts artig in ihren Betten.

Die "Oblivion"-Studie Spieleforscher aus Zürich, Hannover, München und Graz führen mit "Oblivion" eine groß angelegte internationale Tagebuch-Studie durch. Mit der Hilfe von "Oblivion"-Spielern soll eine umfassende Dokumentation aufgebaut werden: Was erleben die Spieler? Was macht ihnen Spaß? Dazu sollen die Teilnehmer jedes Mal, wenn sie "Oblivion" gespielt haben, einen "Tagebucheintrag" auf einer speziellen Webseite vornehmen. Ziel ist eine riesige Sammlung von Daten, mit denen die Forscher Erkenntnisse über das Thema Computerspielen gewinnen können. Interessierte können eine kurze E-Mail an oblivion@ijk.hmt-hannover.de senden, um sich als Teilnehmer zu registrieren.

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