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17. Juli 2009, 05:16 Uhr

Odyssee durch die Leere

Noch Spiel oder schon Kunst? "The Void" wandelt fernab breit getretener Genre-Pfade. Ein Exkurs nahe dem Exitus.

Leicht zugänglich ist "The Void" jedoch nicht. Lange lässt sich das Spiel damit Zeit, Zusammenhänge und Hintergründe zu erklären. Ein klares Ziel gibt es anfangs nicht, dafür später aber ein Dutzend Enden. Nur so viel sei in der Zwischenzeit verraten: Um nicht bis in alle Ewigkeit in dieser kargen Schattenwelt gefangen zu bleiben, darf man seine Seele nicht verlieren. Und Farbe ist das dafür nötige Überlebenselixier.

Sie wird in Form kleiner Pflanzen eingesammelt oder von zuvor zum Leben erweckter Bäume geerntet. Mit Farbe, hier Lympha genannt, lassen sich Objekte manipulieren, Gegner bekämpfen und elf sogenannte "Fürstinnen" betören - spärlich bekleidete Damen, die dem Spieler offenbar wohl gesonnen sind, aber auch von bizarr anmutenden Kreaturen bewacht werden.

Um dieser Wächter in Herr zu werden, zeichnet der Spieler mit der Maus sogenannte Glyphen auf den Bildschirm. Viele dieser Symbole beschwören Golems, die sich selbstständig ins Getümmel stürzen und unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Andere hüllen den Spieler in eine magische Schutzbarriere, erhöhen sein Tempo oder polen Fallen um.

Insgesamt 21 Glyphen lassen sich beim Durchqueren der zwischen Leben und Tod angesiedelten Schattenwelt aufsammeln und mit den sieben Farben geschickt kombinieren. Für ausgiebige Experimente fehlt es aber fast immer an Lympha und Gelegenheiten. Erstere schwindet zudem unaufhörlich, wenn man sich auf einer Übersichtskarte zwischen den Kammern der Fürstinnen bewegt.

Allerdings gaukelt "The Void" mit seiner exzellenten Klangkulisse gerne permanente Gefahr vor. Es bröckeln Steine, Herzen schlagen laut, der Wind pfeift. Aber auch die Musikuntermalung und die hervorragenden Sprecher tragen ihren Teil dazu bei, dass "The Void", sofern man sich darauf einlässt, unter die Haut geht. Allerdings muss sich Atari auch mangelnde Qualitätssicherung vorwerfen lassen: Manche Monologe ertönen noch im russischen Original und wurden nicht übersetzt.

Fazit: Man braucht bei der Odyssee durch die Leere jede Menge Geduld, ehe sich auch nur annähernd so etwas wie Klarheit einstellen will. "The Void" deutet lieber an, ist nachdenklich, ja, geradezu langsam erzählt. Wer sich jedoch auf diesen bizarr anmutenden, nachdenklichen und äußerst kreativen Ego-Exkurs nahe dem Exitus einlässt, wird mit einer ungewöhnlichen Spielerfahrung belohnt, die sich in keine Schublade einordnen lässt.

The Void
Hersteller/Vertrieb Atari/Atari
Genre Action-Adventure
Plattform PC
Preis ca. 40 Euro
Altersfreigabe ab 12 Jahren
Gerd Hilber/Teleschau
 
 
 
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