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3. August 2007, 18:28 Uhr

Techniker statt Trojaner

Sie hat große Wellen geschlagen, die Ankündigung des Bundeskriminalamts jeden Computer von Verdächtigen per Hackerangriff auszuspionieren. Mit dem Mythos räumt BKA-Präsident Jörg Ziercke jetzt auf. Er setzt beim Schnüffeln auf Wanzen.

Das BKA verschafft sich bei Verdacht weitherhin Zugang zu den Computern© Jens Büttner/dpa

Die Angst um die Online-Bespitzelung wurde durch immer neue Gerüchte befeuert. Mal hieß es, das Bundeskriminalamt (BKA) verordnet Sicherheitslücken in der Software von Herstellern - etwa bei Virenscannern oder Firewalls. Dann wieder wurde von konspirativer Zusammenarbeit mit Microsoft geredet. George Orwell lässt grüßen. In einem Gespräch mit dem Computermagazin "Chip" stellt BKA-Chef Jörg Ziercke jetzt klar, das nur in Ausnahmefällen der Computer mittels Trojaner angezapft werde.

Analog statt digital

Vielmehr erfolge der staatliche Hackerangriff in der Regel erst dann, wenn die Spezialisten des BKA einen "Hausbesuch" bei den verdächtigen Personen getätigt haben. Der Agent verschaffe sich dann Zugang zu den Computern und ziehe Images von den Festplatten. So könne das BKA in aller Ruhe den PC analysieren und eine geeignete Software zum Schnüffeln basteln. Dann gehe es zurück in die Wohnung des potenziellen Kriminellen, wo die Spionage-Software installiert werde. Die "Remote Forensic Software" (RFS) übermittle die Daten später unbemerkt an das BKA. Das ganze gleiche also eher einer Wanze als einem Trojaner.

Warum die späte Aufklärung?

Die Zahl solcher Einsätze sei jedoch sehr beschränkt, so Ziercke. Sie lägen im einstelligen Bereich. Eine breit angelegte digitale Lauschaktion sei so nicht möglich - und auch gar nicht gewollt. Eine Frage bleibt dennoch offen: Warum rückt der BKA-Präsident mit dieser Nachricht erst so spät raus? Die hitzigen Diskussionen um den Überwachungsstaat hätten sich sonst wohl ergeben.

Thomas Soltau
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Betonpaul (04.08.2007, 11:43 Uhr)
Auf jeden Topf paßt ein Deckel...
Ich bin kein Computerfachmann, aber ich bin mir sicher: So clever wie die Jungs vom BKA sind manche ausgeschlafenen Hacker in diesem Land schon lange.
Und wo Daten rausgehen, gehen auch Daten rein.
Also sollen die Jungs in Wiesbaden mal schön aufpassen, daß ihre eigenen Kisten nicht schneller verwanzt sind als sie dies umgekehrt mit Bürgern dieses Landes tun können.
Yslsl (04.08.2007, 10:21 Uhr)
Orwells Welt...
...ist dank Schily und Schäuble längst da. Ich habe die Tage mal die Überwachungskameras in unserer Innenstadt gezählt. Un-glaub-lich. Praktisch jeder Meter ist erfasst. Sollten die Kameras je mit Gesichtserkennungssoftware ausgestattet und die entsprechenden Rechner vernetzt werden, und das ist wegen bei den Preisen von Personal und unserem derzeitigen Fascho-Innenminister nur eine Frage der Zeit, so kann man jeden einzelnen Bürger vollautomatisch tracken. Wird Zeit, sich Gedanken über politisch korrekte Kleidung und Frisuren beim Einkauf zu machen oder aufs Land zu ziehen.
jack17de (04.08.2007, 08:57 Uhr)
Klar,
die Installation erfolgt nur in Ausnahmefällen und per Hausbesuch. Und der Wald ist rosa und die Erde eine Scheibe...
gmathol (04.08.2007, 00:59 Uhr)
Was ist wenn es gar keine Festplatte gibt, oder diese ein Hardware-Verschluesselung hat?
Hausbesuch? Agenten? Zugriff auf den Computer verschaffen?
Ein schlechter Witz!
Das kopieren einer Terrabyte-Platte als Image koennte hier auch zu Problemen fuehren. Von Virtualisierungssoftware gar nicht zu sprechen, da gibt es nix zu kopieren.
Stellt hier das BKA tatsaechlich seine Unfaehigkeit dar?
breveglieri (04.08.2007, 00:44 Uhr)
Von wegen Orwell....
Ich denke man sollte die Kirche im Dorf lassen. Otto Normalverbraucher (Ich hasse diesen Begriff eigentlich - nur zu toppen durch den Ausdruck "der kleine Mann") hat in der Regel nichts zu befürchten, wer ist denn schon in terroristische oder konspirative Tätigkeiten etc. verstrickt dass er denn "Hausbesuche" erhält vom BKA, das ist doch alles sehr abstrus....! Bei 80 Millionen Bundesbürgern geraten doch allesfalls ein paar Dutzend( nun gut, vielleicht 100) Personen in den Genuss der Aufmerksamkeit der Geheimdienste. Also von "Orwell" sind wir da meilenweit entfernt. Ich denke wenn ein begründeter Verdacht vorliegt sollte die "Obrigkeit" ruhig "eingreifen" und Computer und Telefonate "checken " können. Wofür haben wir die Geheim- und Sicherheitdienste letztendlich?
blog-kade (04.08.2007, 00:23 Uhr)
Beschämend
Klar, die Zahl liegt im einstelligen Bereich. Die Frage ist doch aber, wie viele Nullen dieser "einstellige Bereich" in fünf oder zehn Jahren hat. Man schafft weder Sicherheit noch Freiheit, wenn man in fremden Computer herumschnüffelt. Was in diesem Land passiert, ist beschämend.
Spocks_Kommentar (03.08.2007, 20:39 Uhr)
Blond und blauäugig?
Eine Festplatte ist in weniger als 1 Minute gewechselt. Die Festplatte samt mühsam entwickelter Wanze liegt im Schrank, eine andere tut ihre Arbeit. Nach der Anschlagsplanung Platte zurück, fertig.
Wenn Herr Soltau das Geschwätz von Herrn Ziercke glaubt, muß er sehr blond und sehr blauäugig sein - oder er versteht nichts von Computern.
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