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7. Juli 2008, 15:34 Uhr

Ein moderner Geschichtenerzähler

Designer Hideo Kojima setzt bei seinen Videospielen auf kinoreife Szenen und komplexe Handlungen. Am liebsten erzählt er Geschichten über den Krieg und dessen Folgen. Wie in seinem neuen Actionhit "Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots". Von Nina Ernst

Zoom

Hideo Kojima, der Vater epischer Zwischensequenzen in Videospielen© Konami

Viele Videospiele sehen inzwischen so spektakulär aus wie aktuelle Kino-Blockbuster. Kamerafahrten, epische Szenarien, aufgefeilter Kameraeinsatz - Hollywood und Computerspiele wachsen zusammen. Einer der ersten Spieledesigner, der eine cineastische Inszenierung von Videogames als Stilmittel genutzt hat, ist Hideo Kojima.

"Als ich das Spiel 'Metal Gear Solid' gemacht habe, galt die Integration von Zwischensequenzen noch als revolutionär, weil sie die Geschichte auf eine neue Art erzählen", sagt Kojima. Schon in den 90er Jahren hatte der japanische Filmfan eine Vision. Der Entwickler des Spieleherstellers Konami wollte Spieler nicht nur durch Levels springen und kämpfen lassen, sondern interaktive Geschichten erzählen. Mit bis dahin neuen Mitteln sollten Games zu einem noch intensiveren Erlebnis werden. "Ich habe als Spieldesigner viel von Filmen gelernt; vor allem, was die Präsentation angeht", sagt der 45-Jährige.

Was er vor zehn Jahren eingeführt hat, gehört längst zum Standard. Heute kommt kaum ein großes Computerspiel mehr ohne filmisch inszenierte Vorspänne und kinoreife dramatische Kameraschwenks aus.

Als Pionier im Entwickeln cineastischer Games setzt Kojima auch im Finale seiner mit weltweit 22 Millionen verkauften Exemplaren erfolgreichen Actionspielserie auf Filmsequenzen. In der Eingangssequenz zum neuen "Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots" werden Nahaufnahmen des Helden Solid Snake mit Schwenks über Kriegsschauplätze gegengeschnitten und untermalt mit theatralischer Musik. Eine dramatische Erzählstimme sinniert über die Trostlosigkeit einer Welt voller Kriege. Wenn schließlich die Namen der Mitwirkenden geschickt ins Geschehen eingeblendet werden, fühlt der Betrachter sich fast wie im Kino. Cineastisch ist auch die Gesamtlänge der Filme innerhalb des Spiels. Alle Videoschnipsel ergeben zusammen die Länge eines Spielfilms.

Vielschichtige Charaktere

Die Videosequenzen sollen nicht nur den Spielerhänden eine kurze Pause vom Steuern der Hauptfigur Snake gönnen. Vor allem sollen sie Emotionen wecken und die komplexe Handlung erzählen. Denn Kojima ist vor allem eines: ein Geschichtenerzähler. Kaum ein anderer Spieldesigner schafft es, so vielschichtige Storys voller Wendungen zu erzählen, ohne Verwirrung zu stiften. Beim Spielen seiner Games fühlt man sich manchmal so, als würde man einen Krimi lesen. Das kommt nicht von ungefähr: Kojima sagt, dass er viel und gerne lese.

Als wissensdurstiger Nachrichten-Junkie will er mit seinen Abenteuern aus der Sicht eines Elitesoldaten zeigen, was Kriege mit den Menschen anrichten." Der Krieg verändert die Menschen, manche werden zu Monstren", sagt Kojami.

Auch "Metal Gear Solid 4" zeigt eine verwüstete Welt in der nahen Zukunft, in der Konzerne mithilfe von Söldnern um die Vorherrschaft kämpfen. Über Macht entscheiden nicht mehr Rohstoffe und diplomatisches Geschick, sondern Privatarmeen. Der alternde Kriegsheld Snake muss im Auftrag der UN die Machthaber ausspionieren. "Ich will erzählen, dass der Krieg bereits jeden Winkel der Erde erreicht hat", sagt Kojima. Ihn stört es, dass wir im Fernsehen immer nur Ausschnitte davon zu sehen bekommen, die die Dramatik der Gesamtsituation herunterspielen. Der Entwickler hofft, mit seinen Games etwas bewegen zu können. Er will Spieler anspornen, mehr über die Welt nachzudenken und sich besser zu informieren.

Zur Person Hideo Kojima wurde am 24. August 1963 in Setagaya, Tokyo, geboren. Im Alter von drei Jahren zogen er und seine Eltern nach Kobe; hier verlebte er auch seine Jugend. Bereits sehr früh interessierte sich Kojima für Medien. So schrieb er schon im Alter von 14 Jahren einige Kurzgeschichten und drehte Filme mit seiner 8mm-Kamera. Der junge Kojima wollte damals noch Regisseur werden. 1986 hatte er aber bereits die Liebe zum Videospiel entdeckt. Kojima bewarb sich im selben Jahr bei Konami und startete eine nahezu unvergleichliche Karriere als Game-Designer. Zu seinen Werken gehören u. a. die "Metal Gear"- sowie die "Zone of the Enders"-Serie. Kojimas Spiele beeinflussten stets das gesamte Genre.

MGS 4: Guns of the Patriots
Hersteller/Vertrieb Konami
Genre Action
Plattform Playstation 3
Preis ca. 65 Euro
Altersfreigabe ab 18 Jahren
Verkaufsstart 12. Juni 2008
Von Nina Ernst
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