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27. Oktober 2008, 11:15 Uhr

Microsoft und der Windows-Zombie

Microsoft wird in kürze Details von Windows 7 vorstellen, das in rund einem Jahr kommen könnte. Ein radikaler Schritt zu Vista wird allerdings nicht erwartet. Und das alte Betriebssystem XP will einfach nicht verschwinden. Von Martin Ottomeier und Arndt Ohler

Das Betriebssystem Windows 7, Nachfolger von Vista, wird wohl schon 2009 in den Handel kommen© DPA

Der Rummel um den Vista-Nachfolger beginnt. Auf einer in dieser Woche stattfindenden Entwicklerkonferenz bringt Microsoft erstmals eine Vorabversion des nächsten Windows-Betriebssystems unter die Leute. Schon Mitte des Monats sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer, die nächste Version sei kompatibel mit der aktuellen Version Windows Vista. Und auch den Namen des Nachfolgers hat Microsoft kürzlich bekannt gegeben: Windows 7.

Während das nächste Release langsam immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht, will der eigentlich bereits aussortierte Vorläufer der aktuellen Version einfach nicht verschwinden: Windows XP. Erst vor wenigen Wochen hat Microsoft großen PC-Herstellern bis Mitte 2009 das Recht eingeräumt, PC zusätzlich zu Vista auch mit einer Version von Windows XP auszuliefern, die die Kunden dann installieren können - einem sogenannten Downgrade. Zuvor sollte diese Möglichkeit Ende Januar auslaufen.

Zurückhaltung beim Umstieg

Vor allem Unternehmenskunden halten sich mit dem Umstieg auf Vista zurück. Nach Prognosen der US-Marktforschungsfirma Gartner wird Vista Business Ende 2008 auf 13 Prozent aller PC installiert sein - Windows Vista Home auf 16 Prozent. Unternehmen seien generell konservativ bei der Einführung neuer Software. Es sei daher gut vorstellbar, dass zahlreiche Unternehmen Vista überspringen und Windows 7 als Nachfolger von XP einführen werden, sagte Gartner-Analyst Mitchell Smith.

Bislang sind über Windows 7 nur wenige Details bekannt. So gaben Ballmer und Microsoft-Gründer Bill Gates im Frühjahr einen Vorgeschmack auf die neue Version und zeigten, wie die Software den Benutzern erlauben wird, zahlreiche Funktionen über Mehrfachberührungen des Bildschirms zu steuern. Ballmer machte bei seinem Auftritt kürzlich deutlich, dass der Weg von Vista zu Windows 7 kein weiter sein wird. Und auch Analysten erwarten keine tiefgreifenden Änderungen. "Wenn man das große Bild betrachtet, wird Windows 7 kein großer Schritt sein", sagte Mitchell Smith in Bezug auf mögliche Neuerungen, die das Betriebssystem bringen wird.

Ballmer würde seinen Firmenkunden auch nicht verübeln, wenn sie auf Windows 7 warten. "Wenn Leute wirklich warten wollen, können sie das tun", sagte der Microsoft-Chef. Er würde allerdings definitiv Vista installieren.

Visat, die aktuelle Windows-Version für Privatanwender startete 2007. Kritiker beschreiben sie als wenig innovativ im Vergleich zur Vorgängerversion. Zudem ist die Software auf sehr aktuelle Hardware angewiesen. Hier eine Liste der Vorgänger-Versionen.

Die Unternehmen müssen aber womöglich gar nicht mehr allzu lange auf Windows 7 warten. Der offizielle Start wird von Beobachtern für Anfang 2010 erwartet. Spekuliert wird mittlerweile sogar schon über 2009. So heißt es auf der Website zur im November startenden Microsoft-Technikkonferenz Winhec 2008, es sei keine weitere Winhec vor der Veröffentlichung von Windows 7 geplant. Und der Chef des PC-Herstellers Asus, Jerry Shen, sagte kürzlich in einem Interview, man würde in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres Windows 7 auf Minilaptops installieren. Eine Version mit Vista sei nicht geplant. Bislang laufen auf dem Eee PC genannten Netbook das kostenfreie Betriebssystem Linux und Windows XP.

Netbooks gelten als starker Wachstumstreiber für die PC-Branche. Viele Anbieter hatten den Trend zu den Mini-Notebooks verschlafen. Asus war als erster Anbieter mit seinen Geräten erfolgreich. Mittlerweile hat praktisch die gesamte Branche nachgezogen.

Microsofts Vista ist zu umfangreich und ressourcenhungrig für die kleinen Computer - und eine abgespeckte Version des Betriebssystems gibt es nicht. Um in dem wachstumsstarken Markt nicht von dem frei verfügbaren Linux-System verdrängt zu werden, wird Microsoft vorerst bis 2010 weiter XP für die Kleincomputer verkaufen.

Mini-Notebooks mit kleinem Bildschirm und Preisen um 400 Euro sind als Zweitcomputer beliebt. Sie eignen sich vor allem für das Surfen im Internet sowie für E-Mails von unterwegs. In Europa, dem Nahen Osten sowie Afrika ist mittlerweile jeder zehnte verkaufte tragbare Computer ein Netbook.

Analysten machen für den schleppenden Übergang zu Vista auch dessen schwaches Image verantwortlich. "Es ist eine Frage der Wahrnehmung", sagte Mitchell. "Das System ist beileibe nicht so schlecht, wie die Leute denken."

Die Gewinnprognose sinkt Von Björn Maatz
Microsoft wappnet sich mit einer konservativen Prognose und strikter Kostenkontrolle gegen die Unwägbarkeiten der Finanzkrise. "Das ist angebracht angesichts der Nachrichten, die uns aus den Märkten erreichen", sagte Finanzchef Chris Liddell. Der weltgrößte Softwarekonzern rechnet für das Gesamtjahr nun nur noch mit einem Gewinn zwischen 17,8 und 18,7 Millarden Dollar. Zuvor reichte die Spanne von 18,8 bis 19,4 Millarden Dollar.

Von Martin Ottomeier und Arndt Ohler
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Spocks_Kommentar (27.10.2008, 17:19 Uhr)
W2k ist bisher das Beste
Ich fahre W2k SP 4 auf einem Intel Quad. Läuft supi, besser als mit Vista - und schneller!
Warum? Bei W2K kann man noch arbeiten. Bei Vista (und XP) wird man gedacht und gearbeitet. Wer nicht macht, was Vista will (z.B. die vielen vorbereiteten Ordner nicht will, die ein Hackerdorado par excellence sind) ist hilflos in den Untiefen von Vista verloren.
Ich will wieder ein Betriebssystem, mit dem auch selber denken und Handeln kann. So unpraktisch wie Linux muß es ja nicht gleich sein.
Hoffentlich läßt Win7 dem User wieder Platz User zu sein und nicht nur Sklave seiner Bits und Bytes.
Herr_Lich (27.10.2008, 17:00 Uhr)
@Necros
Mein Rechner ist noch gar nicht so alt (2 Jahre) und wäre auch Vista-Fähig. Trotzdem bleibe ich bei Windows 2000. Mit diversen Linux Live CDs habe ich auch schon rumexperimentiert. Das hat mich aber nie so überzeugt, daß es für einen Wechsel gereicht hätte. Dafür fehlt einfach der Leidensdruck. Wenn Windows 2000 mal wirklich so veraltet ist, daß es mich einschränkt, dann werde ich mich wahrscheinlich intensiver mit Linux, oder Mac beschäftigen.
Viele Leute glauben das kaum, aber W2k ist immer noch absolut brauchbar, was auf jeden Fall ein Zeichen dafür ist, daß MS mal auf dem richtigen Weg war. Mit Vista haben sie diesen Weg für mich aber definitiv verlassen.
Necros (27.10.2008, 15:28 Uhr)
@ Herr-Lich
Wenn Sie keine neuste Hardware haben (was ich mal annehme), können Sie auf ihrem Rechner problemlos Ubuntu als Live-CD probieren. Haben Sie ein richtig altes Schätzchen, wäre Xubuntu wohl die richtige Wahl. Wer kein Hardcore-Spieler ist, kann (nach einer gewissen Umgewöhnung, seien wir realistisch) voll auf Windows verzichten.
insLot (27.10.2008, 14:59 Uhr)
Microsofts Problem!
Ihnen fehlen einfach die Systemfetischisten wie bei Linux oder Apple. Zwar gibt es die bei Vista auch. Aber der Großteil der Windows User installiert ihr Betriebssystem nach wie vor damit die Software funktioniert.
.
Windows wird schlicht nicht um seiner selbst willen installiert und das ist auch gut so! Und darum ist XP so erfolgreich.
kralli19 (27.10.2008, 14:31 Uhr)
Danke an die Vorposter...
Eigentlich haben meine 3 Vorposter schon alles wesentliche gesagt.
Was hat Vista außer "chic sein", was XP nicht hat (abgesehen von DRM, Nutzerentmündigung usw.), was XP nicht hat ?
Herr_Lich (27.10.2008, 14:06 Uhr)
Ein schönes Design reicht eben nicht.
Ich finde ja, das Vista bis jetzt von allen MS Produkten am ästhetischsten vermarktet wurde. Schicke Verpackung, schicke Oberfläche...alles sehr stylish und modern. Nicht mehr so häßlich wie XP, oder so bieder wie W2k. Aber offensichtlich ist Marketing und Oberfläche nicht alles, wenn das Produkt selber sich in die falsche Richtung entwickelt hat. Absurd wird es vor allem, wenn MS seinen Kunden, über ein Jahr nach Veröffentlichung, einreden will, Vista wäre ja gar nicht so schlecht wie sie denken.
Ich selber bin mit Windows 2000 immer noch sehr zufrieden. Interessant finde ich, daß Microsoft bei ihren aktuellen Anwendungen, wie Internet Explorer, MediaPlayer, DirectX, das eigene Betriebsystem Windows 2000 nicht mehr unterstützt, während es bei aktuellen OpenSource-Produkten, wie z.B. Firefox, Opera, oder VLC damit keinerlei Probleme gibt.
Wenn Windows 7, wie zu befürchten ist, auch so ein resourcenfressendes Klicki-Bunti-Kasper-BS wird, dann werde ich auch das überspringen, oder mal sehen, ob ich mich vielleicht doch mit Linux anfreunden kann. Zur Not bliebe noch ein Mac als Alternative. Ein schlankes, modernes und übersichtliches BS, ohne Kunden-Gängelung durch Zwangsaktivierung wird man von MS wohl leider nicht mehr erwarten können.
Silbador (27.10.2008, 13:55 Uhr)
XP läuft und läuft und läuft ...
wie früher der VW Käfer - und wer auf ein paar Gimmicks verzichten kann, der kann mit XP sehr gut leben.
Vielleicht spielt auch die Variantenvielfalt eine Rolle für den schleppenden Umstieg?
Home, Home Premium, Business, 64 oder 32 Bit, u.s.w.
wer blickt da durch, was er braucht und wie kompatibel vorhandene SW, wie z.B. ein Office 2007 ist?
Necros (27.10.2008, 13:30 Uhr)
"Das System ist beileibe nicht so schlecht, wie die Leute denken."
Aber das System ist auch nicht so gut, wie MS es gerne hätte. Außer DirectX 10 gibt es meines Wissens nichts Nennenswertes, was man als Normal-User auf XP nicht hätte. Dafür hat man UAC (nervig hoch 10), häufig fehlende Treiber, erhöhten Ressourcen-Verbrauch, Netzwerkprobleme, etcpp. Wer keinen Laptop hat, für den es keine XP-Treiber gibt, sollte die Hände davon lassen. Die Optik ist ja nett, aber das wars auch schon.
fladdy36 (27.10.2008, 13:26 Uhr)
@datatoddle
und das wird auch der grund sein, wenn ms mal wieder den support für die "alten" BS einstellen wird. Denn dann ist man mal wieder gezwungen nicht nur das neue BS von MS zu kaufen, sondern gleich noch einen komplett neuen Rechner dazu. Macht aber so etwas wirklich sinn'? auch für Firmen sind diese ständigen neuanschaffungen langsam aber sicher ein extremer kostenfaktor...
datatoddle (27.10.2008, 13:10 Uhr)
normale Verbraucherreaktion
Die schleppende Vermarktung von Windows VISTA gegenüber XP ist ein typisches Beispiel für eine technische Neuerung, die sich schwer tut. Warum für etwas neues Geld ausgeben, wenn das alte gut funktioniert?
Ähnliche Beispiele sind teure Neuerungen im Audiobereich, die man gar nicht mehr hören kann oder der Pixelwahn bei den Digitalkameras.
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