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25. März 2010, 14:37 Uhr

Ein Teutonen-iPad soll Apple ärgern

Ein unbekannter Hersteller aus Deutschland nimmt den Kampf mit Apple auf. Die Berliner Firma Neofonie will mit dem "WePad" einen Tablet-PC auf den Markt bringen, der günstiger sein und mehr können soll als das iPad. Und das ohne Zwänge. Von Ralf Sander

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Das WePad soll ein iPad ohne Einschränkungen sein© Neofonie

Ende April kommt Apples iPad auch in Deutschland in den Handel. Endlich, werden viele Jünger von Steve Jobs sagen. Und auch die Verlagsbranche hofft, mit dem Tablet-PC aus Cupertino einen neuen, digitalen Weg gefunden zu haben, ihre Produkte und Inhalte unter ein Volk zu bringen, das sich zunehmend vom bedruckten Papier verabschiedet. Mitten hinein in die angespannte Erwartung verspricht plötzlich das Berliner Unternehmen Neofonie ein deutsches iPad. "WePad" soll der Tablet-PC aus der Hauptstadt heißen. Ein Zwerg aus Deutschland gegen einen Riesen aus Amerika. Die Branche horcht auf - besonders, weil dem WePad jene Einschränkungen fehlen sollen, die die Zusammenarbeit mit den Amerikanern so schwierig machen

Denn Apple ist eine zickige Geliebte: Einerseits sind Produkte wie iPhone und iPhone Touch erfolgreich, haben eine loyale Gefolgschaft, und mit dem Onlineshop iTunes hat Apple den digitalen Kiosk der Zukunft erschaffen. Wer digital Medien verkaufen will, kommt kaum um ihn herum. Andererseits bereitet die harte Kontrolle, die Steve Jobs' Firma auf seinen Geräten ausübt, vielen Produzenten von Inhalten Kopfschmerzen. Bekanntes Beispiel: Apple hatte wegen angeblicher oder tatsächlicher erotischer Inhalte verschiedene Angebote aus dem App-Store für das iPhone und iPod Touch kommentarlos entfernt, darunter war vorübergehend auch die App von stern.de. Kontrolle über die eigenen publizistischen Inhalte sieht anders aus.

Geschickter Zeitpunkt

Da kommt Neofonie mit seinem WePad gerade recht, um maximale Aufmerksamkeit zu bekommen: Günstigerer Kaufpreis und mehr Erweiterungsmöglichkeiten für den Nutzer, mehr Kontrolle und Gestaltungsmöglichkeiten für Verlage und Programmierer - so lauten die Heilsversprechen. Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen, dessen Firma auch Apps für das iPhone entwickelt, verzichtet allerdings auf verbale Attacken auf den großen Konkurrenten: "Apple baut tolle Produkte. Wir wollen aber eine Alternative anbieten. Wir verfolgen einen offenen Ansatz und verzichten darauf, Inhalteanbieter, Entwickler und Nutzer einzuschränken."

Bisher ist das 170 Mann starke Unternehmen vor allem als Anbieter von Softwarelösungen in Erscheinung getreten. Neofonie hat beispielsweise die Artikel-Suchmaschine WeFind entwickelt, die auch bei stern.de zum Einsatz kommt. "Die Silbe 'we' steckt in vielen unserer Produktnamen", erklärt Hoffer von Ankershoffen die Bezeichnung des Geräts, "und 'Pad' allein kann man nicht schützen lassen."

Günstig durch bewährte Technik

Technisch steckt in dem WePad laut Neofonie vor allem bewährte Netbook-Technik, was die Kosten senkt. Der Hauptprozessor ist ein Atom N450 von Intel mit 1,66 Gigahertz. 16 oder 32 Gigabyte Flashspeicher sind eingebaut, das Gerät ist anders als das iPad außerdem mit einer SD-Karte um weitere 32 Gigabyte erweiterbar. Wie das iPad wird sich das WePad - je nach Version - per Wlan oder auch über UMTS-Mobilfunknetze mit dem Internet verbinden können. Das berührungsempfindliche 11,6-Zoll-Display mit einer Auflösung von 1366 mal 768 Pixeln ist etwas größer als Apples Tablett (9,6 Zoll, 1024 x 768). Eine 1,3-Megapixel-Webcam ist eingebaut, ebenso verschiedene Anschlüsse wie zwei USB-Slots und ein Cardreader. All dies sucht man beim iPad vergeblich.

Beim Design scheint allerdings Apple erwartungsgemäß die Nase vorn zu haben, das WePad wirkt auf den bisher veröffentlichten Bildern klobiger. Mit 800 Gramm (850 g in der UMTS-Version für Mobilfunk-Datentransfer) wird es rund mehr als 100 Gramm schwerer sein als das iPad. Auch bei der Akkulaufzeit muss sich das WePad mit sechs Stunden gegenüber zehn Stunden beim iPad geschlagen geben. Beides sind allerdings Herstellerangaben. Im Alltag kann es ganz anders aussehen. Keine Informationen gibt es zum Preis des WePad. Neofonie kündigt bisher lediglich an, dass er unter dem von Apples Gerät liegen werde. Auch der Verkaufsstart ist noch offen.

Bei der Software setzt Neofonie ebenfalls auf bewährte Zutaten: Das WePad-Betriebssystem ist eine angepasste Version von Linux, auf der auch Software für Googles Smartphone-Betriebssystem Android läuft. Damit könnten für das WePad Apps aus dem Android-Marketplace, der zurzeit mehr als 30.000 Programme umfasst, genutzt werden. Außerdem kann jeder Applikationen direkt für das WePad entwickeln und über einen eigenen Onlineshop vertreiben. "Meta-App-Store" nennt Neofonie-Boss Hoffer von Ankershoffen dieses Konzept: "Wir integrieren mehrere App-Stores, um dem Nutzer ein möglichst breites Angebot von Apps zu bieten und Entwickler möglichst wenig bei der Wahl der Programmiersprachen einzuschränken."

Die Bedienung über den berührungsempfindlichen Monitor sei mit mehreren Fingern gleichzeitig möglich (Multitouch). Vergrößern, verkleinern, blättern, scrollen per Fingerzeig - das funktioniere ebenso flüssig wie beim US-Konkurrenten, sagt Neofonie.

Adobe ist mit an Bord

Einen entscheidenden Unterschied zwischen dem WePad und dem iPad gibt es: Der deutsche Mini-PC beherrscht die auf Webseiten weit verbreitete Multimedia-Technologie Flash sowie die Softwareplattform Air. Mit diesen vom US-Unternehmen Adobe entwickelten Produkten kann praktisch jeder Computer - ob unter Windows, Linux oder Mac OS X - Multimedia-Inhalte abspielen. Laut Adobe laufen 75 Prozent aller Videos im Web mit Flash. Nur Apple weigert sich, auf dem iPhone und dem iPad diese Techniken zu integrieren, sodass dort viele Webangebote nicht komplett angezeigt werden. Für seine Ablehnung eines Standards wie Flash ist Steve Jobs immer wieder hart kritisiert worden. Der Apple-Boss beruft sich auf technische Gründe.

Auf dem WePad werden Flash und Air funktionieren, und das macht das Gerät nicht nur für Vielsurfer interessant. Viele Verlage entwickeln gerade elektronische Versionen ihrer Print-Magazine, um neue Einnahmequellen zu erschließen, und setzen dabei auf die beiden Techniken. Dabei mischt auch Neofonie mit: Die Berliner haben eine Software namens WeMagazine ePublisher entwickelt, die es Verlagen schnell und einfach ermöglichen soll, ihre Produkte auf verschiedene digitale Lesegeräte zu bringen. Auch der stern arbeitet derzeit mit Neofonie an einer elektronischen Ausgabe.

Die Berliner versprechen den Verlagen jede Freiheit, über die Inhalte ebenso selbst zu bestimmen wie über das Preismodell. Das ist der direkte Angriff auf Apple, mehr noch als das WePad selbst. Das Gerät wird sich - ebenso wie das iPad und die ganzen anderen angekündigten Tablet-PCs - sowieso erst im Alltag beweisen müssen. Und ob die Menschen bereit sind, auf diesen Geräten Magazine und Zeitungen zu lesen, das ist noch eine ganz andere Frage.

Mitarbeit: Karsten Lemm
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
brigitteramsau (27.03.2010, 03:39 Uhr)
Warum nicht...
...mein Netbook kostete weniger als 80 Euro, hat Webcam, SSD Drive, 1 GB Memory, Wireless, NIC und Modem, Soundkarte, VGA-Anschluss und dazu 4 USB ports.
Das Bios erlaubt von USB zu booten und damit kann ich neben Windows XP auch Linux Derivate benutzen.

DVD's spiele ich von meinem USB Stick oder preiswerten SmartCards ab. Mein GPS USB erlaubt mir auch das Netbook als Navigations-System zu benutzen.

Apple ok, wenn man fuer das Zeichen und ein paar Design-Highlights viel Geld bezahlen moechte, brauch ich nicht und ich bezahle auch nicht fuer Produkte die frei sind oder die ich schon besitze.
pagepro (26.03.2010, 13:36 Uhr)
was soll man dazu sagen .....
wer einmal ein Applegerät bedient und daran gearbeitet hat, lernt schnell die Vorzüge kennen. EInfach nur ein KLEINES gerät auf den Markt zu bringen, verspricht nicht im geringstem Erfolg. Wie auf den Screenshots zu sehen ist, versucht man wahrscheinlich die maximale Anzahl von Kästen und Werbebannern auf den Bildschirmen unter zu bringen. Viel Spaß beim bedienen.
Und natürlich ist Apple ein Pionier, aber das sehen wir im April
stasicom (26.03.2010, 12:59 Uhr)
Apple-Fanboy?
Ich bevorzuge die Klassifizierung "MacHead" ;)
wwwilly (26.03.2010, 12:53 Uhr)
Fanboy
Hach, wer ein richtiger Apple-Fanboy ist der kann verzichten auf USB, Card-Reader, Multi-Tasking, Flash usw. :-))) Zumindest USB und Cardreader gibts beim iPad ja für teuer Geld als Zubehör nachzukaufen. Und falls das WePad gut ankommt wirds bald auch das iPad-2 mit Flash geben, beim zweiten iPhone hat es mit MMS und UMTS ja auch geklappt den Leuten nochmals Kohle aus dem Sack zu ziehen :-P
stasicom (26.03.2010, 10:30 Uhr)
Adobe Produkte...
...lassen sich, ohne das der "große Bruder" über die Schulter schaut, gar nicht mehr nutzen. Das ist paranoid. Der hauseigene Schnüffler heißt Omniture, ein Datenkrakenunternehmen, welches auch für die US-Regierung aktiv war oder ist...

Tip: ab und an mal löschen:

http://www.macromedia.com/support/documentation/de/flashplayer/help/settings_manager06.html
g3cd (26.03.2010, 08:20 Uhr)
Gründe gegen Flash
Die aktuelle Version von Flash 10 braucht laut den technischen Spezifikationen von Adobe mindestens einen 1,83 GHz Intel Prozessor.

Ich hatte bis vor kurzem einen 1,33 GHz G4-Prozessor und damit konnte ich ruckelfreie Flashvideos oder gar aufwändige Flashgames komplett vergessen.

Wenn jetzt Apple in seinen iPad einen selbst entwickelten 1 GHz Prozessor einbaut, bedeutet das a) er ist für ruckelfreie Videos zu langsam und b) wenn's kein Intel-Prozessor ist, wird er von Adobe wahrscheinlich noch nicht einmal richtig unterstützt.

Das komische daran: auf einem 400 MHz G3 konnte man schon vor 8 Jahren mit Quicktime Videos in Fullscreen betrachten ... ohne ruckeln und in einer viel besseren Auflösung als heutige Flashvideos. Da könnte man sich fragen: wieso kriegt das Adobe nicht mit Flash hin? Wieso laufen Videos in Flash 9 schneller und flüssiger als in Flash 10? Oder um bei Adobe's sensationellen Programmierkünsten zu bleiben: wieso schaffen die's noch nicht mal, einen ordentlichen Updater zu schreiben? Der z.B. Indesign 10.3 auf 10.3.2 updated, OHNE vorher 10.3.1 zu installieren? Oder wieso gibt es meistens gar keinen Updater, sondern ich muss mir Komponenten in irgendwelche Systemordnerpfade von Hand ziehen? Gute Unterstützung für den Mac sieht anders aus.

Wenn Steve Jobs dann sagt "Flash wird nicht unterstützt, weil Adobe unflexibel ist und schlecht programmiert", dann verstehe ich das aus diesen Gründen zu 100%.
iosono (26.03.2010, 08:16 Uhr)
teilzeitpatriot
ich hatte mir mal von siemens den Scenic gekauft vor ca. 10 jahren weil ich die deutsche wirtschaft unterstützen wollte.es war mist-die treiber waren nicht vollständig und siemens wollte einen techniker vorbeischicke für 200 DM.ich sagte ''nie wieder''-daran habe ich mich nicht gehalten und habe mir einen Amilo von Fujitsu Siemens gekauft-von unten ist der Laptop ziemlich warm geworden und die lötstellen vom grafikchip haben sich gelöst-und siemens leugnete erstmal das problem obwohl das problem längst bekannt ''in der computerszene''
folge-jetz hab ich ein macbook und keine probleme mehr,und ich denke nicht daran mir irgendwas deutsches zu kaufen-zumindesten nicht was richtung IT geht.
stasicom (25.03.2010, 22:00 Uhr)
@facility
yeah, that seperates the boys from the men...

ich glaub das mit dem "offenen Produkt" nicht wirklich...

mfg, stasicom
facility (25.03.2010, 21:55 Uhr)
@stasicom
Ganz einfach:
Die Strategie von Apple ist es, mit allen Möglichkeiten und an allen Stellen Gewinn abzugreifen.
Die Strategie von Neofonie scheint zu sein, ein gutes offenes Produkt für Benutzer zu bauen und damit Verlage anzusprechen, mit denen sie dann ihren Gewinn erwirtschaften.
stasicom (25.03.2010, 21:37 Uhr)
@neTix84
Es geht mir nicht um 's "klauen"
es geht mir um die Wirkung...
deswegen kann ich mir auch keine "Opinion-Leader" vorstellen, die freiwillig einen "Clown" mitschleppen...
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