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9. Mai 2007, 16:25 Uhr

PC-Kauderwelsch verwirrt Verbraucher

Mobile AMD, integriertes Wireless Lan und Bildschirm mit Glare-Technologie - wer kein Computerfreak ist, versteht meist nur Bahnhof. Denn in den Prospekten der Elektronikanbieter jagt ein Fachjargon den anderen.

Ist das nun gut oder schlecht, was da im Prospekt steht?© Schierenbeck/DPA

PC-Kauderwelsch und englische Abkürzungen machen in PC-Dingen nicht ganz so versierten Verbrauchern zu schaffen. Sie werden verunsichert und fragen sich, welche Bedeutung wohl hinter den Begriffen steckt.

ATI und AMD - fast könnte man meinen, die Buchstaben stammen aus einem Text einer deutschen HipHop-Gruppe. Doch weit gefehlt: "AMD ist ein Firmenname und einer der Hauptkonkurrenten von Intel", erklärt Peter Knaak von der Stiftung Warentest in Berlin. AMD steht für Advanced Micro Devices. Der US-amerikanische Chiphersteller entwickelt und produziert unter anderem Mikroprozessoren und Chipsätze für die Computerbranche. Steht das Wort mobile vor AMD ist damit ein Strom sparender Prozessor für Notebooks gemeint. ATI ist ein Hersteller für Grafikchips.

Wissen, was wichtig ist

Für Verbraucher sei es nicht relevant, diese Abkürzungen zu kennen, meint Knaak. Wichtiger sei es da schon eher, zu wissen, was ein Bildschirm mit Glare-Technologie verspricht: "Wenn Sie damit im Garten sitzen, sehen sie nämlich nichts mehr." Derzeit gelten Bildschirme mit Spiegelung als der Renner schlechthin. Ein Modetrend, der im Verkaufsraum Eindruck macht, weil Fotos und Filme auf dem Schirm in noch satteren Farben strahlen. Für Verbraucher, die am PC oder Notebook arbeiten möchten, sei das aber eine "schlechte Sache, weil das Licht reflektiert". Wer auf eine gute Entspiegelung Wert legt, muss tiefer in die Tasche greifen, so Knaak. "Das ist richtig aufwendig und teuer."

PC-Kauderwelsch sieht Knaak als Verschleierungstaktik einiger Anbieter an, die in Prospekten für ihr Sortiment werben: "Dem Kunden soll alles Mögliche untergejubelt werden." Er empfiehlt, zum Fachhändler zu gehen. Dort erfahren Verbraucher auch, welche Bedeutung bestimmte Buchstaben bei CD- und DVD-Rohlingen haben: Das einfache "R" steht für "recordable", also für einmal beschreibbare, "RW" für "rewritable" - also wiederbeschreibbare Speichermedien.

Auch Georg Schnurer von der Fachzeitschrift "c't" kritisiert die Verkaufstaktik mancher Elektrofachmärkte: "Der Käufer soll mit vielen komischen Begriffen verwirrt werden." Viele Anbieter seien auch schlichtweg zu bequem, Abkürzungen zu erklären. "Der Eindruck soll entstehen, dass es sich bei dem Produkt um etwas ganz Tolles handelt."

"Super" ist nicht immer super

So tummelt sich auch das Wort "Super" in vielen Anzeigen. Es soll dem Verbraucher eine gesteigerte Funktionalität des Gerätes weismachen. Und "Hyper-Transport" klingt irgendwie auch schicker und wendiger als "bidirektionale Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen mehreren integrierten Schaltkreisen". Was in vielen Annoncen als "Shared Memory" beworben wird, kann sich bei genauem Hinsehen als Ausrüstungsschwäche entpuppen. Denn übersetzt bedeutet das so viel wie aufgeteilter Speicher. Das Gesamtsystem wird durch diese Funktion deutlich langsamer.

Von Fallstricken in den Anzeigen der Anbieter spricht auch Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein in Kiel: "Jeder Begriff kann da zur Falle werden." Der Käufer werde oft mit Gerätefunktionen versorgt, obwohl die eine oder andere technische Nuance nicht benötigt wird. "Weil die Beratung oft nicht gut ist, bekommt der Kunde Dinge mitgeliefert, die er gar nicht braucht, von denen er nicht einmal wusste." Da kann es beim Kauf eines Computers schon vorkommen, dass Verbraucher den Zwei-Jahresvertrag bei einem Onlinedienst gleich mitbestellen. "Mit einem Mal hat man Kosten zu tragen, von denen man nichts geahnt hat", so der Verbraucherschützer.

Daher empfiehlt Hagen, erst zu überlegen, welches Gerät mit welcher Funktion gebraucht wird. Erst der zweite Schritt sollte ins Fachgeschäft führen. Wer auf Nummer sicher gehen will, so Hagen, der nimmt sich einen Bekannten mit, der mit der Materie befasst ist und sich vom PC-Kauderwelsch nicht blenden lässt. "Da geht dann bestimmt nichts schief."

Stefanie Zenke/DPA
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
gmathol (10.05.2007, 03:40 Uhr)
PC Kauf alle 3-5 Jahre.
Wobei ich nun zu 5 Jahren tendiere und mit Windows XP, Linux oder OS/2 prima leben kann.
Windows VISTA ist ein schlechter Witz von Microsoft und bringt vielen Nutzern nur alte Treiberproblem - ja das hatten wir schon tatsaechlich mit Erscheinen von XP vergessen und den erneuten Kauf von bereits vorhandener Software.
Wer letztes Jahr einen PC gekauft hat und noch nicht ueber ein GigaByte Hauptspeicher verfuegt, sollte seine PC nachruesten - wenig Geld und bringt viel.
Die mediale Welt laesst sich schon mit bereits vorhandener Soft- und Hardware geniessen. Wer Spiele als Hauptanwendung betreibt sollte sich die Nintendo WII genauer anschauen.
Merke Produkt-Versifikation die keine ist, wird auch vom Verbraucher bemerkt.
Schwarzblick (09.05.2007, 20:49 Uhr)
Unwissenheit
Entschuldigung an alle, aber derjenige der etwas wie einen Computer kaufen will sollte sich schon ein wenig damit auseinander setzten. Kauft ja auch keiner ein Auto ohne sich zu erkundigen!
Und an die Redaktion: Ein wenig mehr Lesen würde auch da helfen, ATI ist schon vor einem Jahr durch AMD aufgekauft wurden.
Und das ein System durch Shared Memory langsamer wird ist auch totaler Blödsinn. Denn bei Zugriffen verschiedener Anwendungen auf den RAM muss bei Shared Memory nicht gewartet werden bis der erste Kern fertig ist. Bei nur einer Anwendung ist er dann natürlich ein wenig langsamer
Sandimschuh (09.05.2007, 16:44 Uhr)
Das ist doch normal
Diese Masche zu Lasten der Verbraucher ist erstens nichts Neues und zweitens offensichtlich sehr erfolgreich am Markt.
Es ist doch klar, dass die Unternehmen ihren Erlös maximieren, indem sie ihre Ware möglichst teuer verkaufen. Da ist jedes Mittel recht, solange es funktioniert.
Das Verschleiern des wahren Wertes einer Ware bezieht sich nicht nur auf technische Produkte, sondern auf nahezu alle Waren. Die Ehrlichen werden vom Markt verdrängt.
Der Verbraucher kann nichts anderes tun, als sich möglichst umfassend zu informieren.
Traurig aber wahr.
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