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Nutzer zeigen Windows 10 weiterhin die kalte Schulter

Nach einem Traumstart in den ersten Wochen flacht das Wachstum von Windows 10 spürbar ab. Viele Nutzer bleiben Windows 7 treu - aus ganz unterschiedlichen Gründen. Für Microsoft ist das ein Problem.

Windows 10 wächst langsamer

Windows 10 wächst beständig. Aber nicht ganz so schnell, wie es sich manch ein Microsoft-Manager wünschen dürfte.

Die Messlatte liegt hoch: In den nächsten zwei, drei Jahren soll Windows 10 auf mehr als einer Milliarde Geräte laufen. Das hofft zumindest Microsoft-Manager Terry Myerson, der die magische Marke gleich mehrfach in die Welt hinausposaunte. In den ersten Wochen nach Start Ende Juli standen auch alle Zeichen auf Erfolg: Das neue Betriebssystem legte einen Traumstart hin. Nach nur wenigen Wochen hatte Windows 10 einen weltweiten Marktanteil von fünf Prozent. Damit verbreitete es sich noch schneller als Windows 7, bis heute der Darling der meisten PC-Nutzer.

Windows 10 wächst langsamer als gedacht

Doch nachdem alle Windows-Enthusiasten, Bastler und PC-Veteranen das neue Windows installiert hatten, geriet das Wachstum ins Stocken. Nach zweieinhalb Monaten lief das Betriebssystem nur auf 110 Millionen Rechnern. Offenbar konnte Microsoft die breite Masse der Nutzer nicht zum Umstieg bewegen, trotz Gratis-Aktualisierung, trotz ständig nervender Update-Popups.

Genützt hat es wenig: Jetzt, nach einem knappen halben Jahr, gibt es 200 Millionen aktive Systeme mit Windows 10. Darin sind bereits die meisten Xbox One enthalten, da diese ebenfalls mit dem neuen Betriebssystem laufen, wie das Portal "Winbeta" berichtet. Das Update ist für Online-Gamer verpflichtend.

Im Vergleich zum unbeliebten Windows 8 sind die 200 Millionen ein enormer Erfolg. Doch die hochgesteckten Erwartungen kann Microsoft bislang nur teilweise erfüllen: Selbst im Weihnachtsgeschäft konnten die Redmonder beim weltweiten Marktanteil laut "Computerworld" nur um einen Prozentpunkt zulegen. Andere Statistiken errechneten einen Zugewinn von 1,7 Prozentpunkten. Doch welche Zahl auch stimmt - rosig sind beide nicht. Der Gesamtmarktanteil liegt bei knapp unter 10 Prozent. Windows 7 hatte nach fünf Monaten bereits 11,9 Prozent Marktanteil - trotz eines Preises um 100 Euro.

Windows 7 reicht vielen Nutzern

Die kostenlose Update-Phase für Windows 10 läuft noch ein knappes halbes Jahr. Ist diese im Juli 2016 verstrichen, wird das Wachstum wohl noch langsamer vorangehen. Möglich, dass Microsoft die Gratis-Aktualisierung deshalb noch einmal verlängert. Offenbar will der Konzern aber sogar noch einen Schritt weiter gehen: Anfang 2016 wird Windows 10 zum "Empfohlenen Update" - und das wird in den Standard-Einstellungen automatisch installiert. Das kann man zwar unterbinden, viele Nutzer könnten es so aber trotzdem installieren, ohne es wirklich zu wollen.

Das grundsätzliche Problem wird Microsoft damit aber nicht lösen: Viele Menschen bleiben Windows 7 treu, weil sie nichts Neues wollen. Wer nur gelegentlich die E-Mails checkt oder ab und zu etwas Bürokram am PC erledigt, kann das auch mit dem alten Betriebssystem. Relevante Sicherheits-Updates sind bis zum Jahr 2020 gewährleistet. Zudem fördert die immer wiederkehrende Diskussion um mangelhafte Privatsphäre-Einstellungen in Windows 10 nicht gerade das Vertrauen in die Software. Und neue Funktionen wie etwa der Sprachassistent Cortana oder der neue Browser Microsoft Edge benötigen ohnehin die wenigsten Nutzer.

Windows 10: Tipps für mehr Datenschutz
  Öffnen Sie die Einstellungen. Das geht entweder über das Startmenü unten rechts oder über die Tastenkombination "Windows-Taste + I". Wählen Sie dort den Reiter Datenschutz mit dem Schloss-Symbol. Hier können Sie auswählen, welche Daten Windows sammeln darf - und welche nicht.

Öffnen Sie die Einstellungen. Das geht entweder über das Startmenü unten rechts oder über die Tastenkombination "Windows-Taste + I". Wählen Sie dort den Reiter Datenschutz mit dem Schloss-Symbol. Hier können Sie auswählen, welche Daten Windows sammeln darf - und welche nicht.

Microsoft setzt auf neue Geräte

Über kurz oder lang wird sich Windows 10 durchsetzen. Zum einen ist das Betriebssystem auf jedem neuen PC vorinstalliert, zum anderen werden in den kommenden Jahren auch mehr Unternehmen den Umstieg wagen. Doch für Microsoft hängen an dem Betriebssystem viele Hoffnungen: Durch die auf jede Bildschirmgröße optimierten Universal-Apps und das Continuum-Feature erhoffte sich Microsoft auch einen Schub für die schwächelnde Smartphone-Sparte. Der bleibt bislang aber aus.

Die Experten von IDC prognostizieren sogar: "Trotz aller Anstrengungen, die Microsoft in den Start von Windows 10 gesteckt hat, erwartet IDC bei Microsoft kein Wachstum im Smartphone-Bereich. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Windows Phones lag 2015 geschätzt bei 148 Dollar. Damit liegt es 71 Dollar unter dem Durchschnittspreis eines Android-Smartphones, der bei 219 Dollar liegt." Sollten die Experten Recht behalten, liegt Microsofts Zukunft nicht in unseren Hosentaschen.

Deshalb tüfteln die Redmonder bereits an neuen Geräteklassen - bislang aber noch mit mäßigem Erfolg: Mit dem Surface Book zeigte man vor kurzem ein erfrischend innovatives Notebook, das aber ziemlich teuer ist und erst Mitte Februar in vielen Ländern verfügbar ist. Mit dem Surface Hub will man in Büros und Konferenzräumen wieder mehr Präsenz zeigen, wo man mit der Büro-Software Office bereits einen Fuß in der Tür hat. Und mit der Augmented-Reality-Brille HoloLens hat man noch eine der coolsten Erfindungen des Jahres 2015 im Köcher. Ob die sich im Massenmarkt durchsetzen kann, muss sie aber erst noch beweisen.

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