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28. Januar 2007, 10:11 Uhr

"Fliehen in eine Fantasiewelt"

Acht Millionen Spieler weltweit bannt das Internet-Rollenspiel "World of Warcraft" regelmäßig vor den PCs. Entwickler Frank Pierce, 38, beschreibt im stern.de-Interview die "emotionale Verbindung" zwischen Spieler und virtuellem Charakter.

WoW-Entwickler Frank Pierce mit dem Erweiterungset© Thilo Schmülgen

Herr Pearce, in der Nacht vor dem Verkaufsstart der Erweiterung "Burning Crusade" von "World of Warcraft" warteten hunderte Fans vor Elektronikmärkten in ganz Deutschland. Haben Sie mit diesem Ansturm gerechnet?

Doch das haben wir erwartet. Bei einer Mitternachts-Verkaufsparty in Californien standen mehr als 5000 Menschen vor einem Elektronikmarkt. Zum Verkaufsstart in Europa haben wir organisiert, dass hunderte Märkte nachts öffnen. Wir waren trotzdem etwas überrascht, als in den ersten Tagen "Burning Crusade" überall ausverkauft war.

Was ist so faszinierend an diesem Spiel?

Es ist für viele leicht zugänglich und es läuft bei niedriger Rechnerleistung. Außerdem bauen wir auf ein weit verzweigtes Franchise-System, gerade in Deutschland können die Spieler auf eine Vielzahl von Servern zugreifen. Für viele Menschen ist der soziale Aspekt im Spiel ein Anreiz, dass sie anderen begegnen können.

"World of Warcraft" ist freigegeben ab zwölf Jahren. Auf den Server tummeln sich aber auch über 50-Jährige.

Man kann es eben einfach lernen. Wenn man einmal mit den Grundfunktionen vertraut ist, wird man nicht überfordert, obwohl viele verschiedene Spielkonzepte möglich sind und es eine riesige Welt zu entdecken gibt.

Jeder Spieler entwickelt eine eigene Figur, mit der er sich durch den Fantasiekosmos kämpft. Ist das Rollenspiel das wichtigste Element?

Ja, auf jeden Fall. Man baut eine emotionale Verbindung mit seinem eigenen Charakter auf und schließt auch Freundschaften mit anderen Figuren. Es entsteht eine Art soziales Netzwerk.

Gerade jüngere Spieler verbringen sehr viele Stunden in der "WoW". Wie denken Sie darüber?

Das ist ganz abhängig von der persönlichen Situation eines jeden. Jeder muss eine Entscheidung treffen, wie viel Zeit er dem Spiel widmen möchte. Und das gilt für alle Formen von Unterhaltungsmedien. Es ist schwer zu erklären, warum viele gerade bei WoW so lange dran bleiben. Die Szene ist groß, wir haben acht Millionen Spieler weltweit. Ich weiß, dass die Erfahrung im Internet gegen andere Spieler zu kämpfen, sehr beliebt ist. Mit der Erweiterung haben wir natürlich den Anreiz gesteigert, seinen Spiel-Status zu erhöhen auf Level 70. Bisher kam man ja nur bis Level 60.

Flüchten sich die Spieler mit der "WoW"-Identität aus ihrer Realität?

Das ist der Punkt bei jedem Unterhaltungsmedium, ob Filme oder Spiele; die Möglichkeit in eine Fantasiewelt oder in Sciencefiction zu fliehen. Das ist nichts anderes als ein fiktives Buch zu lesen.

Das ist also ihr Konzept?

Genau.

Sie haben mit diesem Konzept eine Monopolstellung in der Spieleindustrie aufgebaut. Wie ist die Konkurrenz auf sie zu sprechen?

Alle sind sehr begeistert. Der Markt ist in den letzten Jahren stark gewachsen, das haben viele Entwickler nicht erwartet.

Wann können ihre Fans auch im Kino in das "Warcraft"-Universum eintauchen?

Wir haben nach langer Suche Legendary-Pictures als Partner gefunden. Das ist die Produktionsfirma der neuen Superman- und Batman-Filme. Nein, ich kann aber nicht sagen, wann er raus kommt.

Zur Person Frank Pearce, 38, ist Senior-Vizepräsident von Blizzard Entertainment. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Californien startete die "Warcraft"-Saga 1994. Nachdem Pearce seinen Studium in Computer- und Ingenieurwissenschaften an der UCLA abschloss, gründete er zusammen mit Allan Adham und Mike Morhaim die Firma Blizzard.

Interview: Zacharias Zacharakis
 
 
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