Da und doch nicht da

2. Dezember 2005, 06:20 Uhr

Heute erscheint Microsofts neue Spielkonsole. Die Xbox 360 läutet die nächste Generation des Videospiels ein. Doch nicht für jedermann. Von Udo Lewalter

Ansturm in Stuttgart: Nur wenige Kaufwillige bekamen ein Gerät©

Der Verkauf von Microsofts neuer Spielekonsole Xbox 360 hat in den USA in der vergangenen Woche mit einem großen Ansturm begonnen. Hunderte Spiele-Enthusiasten harrten am Dienstag stundenlang noch vor Eröffnung der Elektronik-Märkte aus, um ein Exemplar des High-Tech-Spielzeugs zu ergattern. In einem der Läden ließ sich auch Microsoft-Chef Bill Gates blicken. Doch längst nicht jeder Interessierte erhielt eine der neuen Konsolen. Schnell waren die Regale leer. Die Gebote bei Internet-Auktionen für die Spielemaschine der nächsten Generation lagen schon wenige Stunden nach Verkaufsstart bei gut dem Doppelten des offiziellen Verkaufspreises von 299 Dollar bzw. 399 Dollar (für die Luxus-Version). Verrückt!

Auch bei uns wird’s eng

Der Verkaufsstart der neuen Spielkonsole Xbox von Microsoft hat auch hierzulande zu einem Ansturm auf die Geschäfte geführt. In Stuttgart seien mehr als 100 Kunden um Mitternacht in einen Media Markt gekommen, um sich bei der Sonder-Verkaufsaktion als erste eine der Konsolen zu sichern, sagte ein Microsoft-Sprecher. Auch in anderen Elektromärkten war das High-Tech-Spielzeug innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Im Hamburger Saturn Markt bespielsweise gab es bereits dreißig Minuten nach Geschäftsöffnung kein einziges Premium-Paket (Grundgerät + Netzwerkkabel + Festplatte + kabelloses Joypad + Fernbedienung) mehr. Die künstigere Core-Version (Grundgerät + Joypad) war nur wenige Minuten später vergriffen.

Microsoft Deutschland rechnete bereits im Vorfeld mit dem Ausverkauf am ersten Tag. Begründet wird der Lieferengpass mit der weltweit nahezu zeitgleichen Veröffentlichung der Konsole und der damit verbundenen großen Menge benötigter Geräte. Die Produktionsstätten können solch hohe Stückzahlen nicht liefern; der Gerätemangel ist also vorprogrammiert. Daher starteten Konsolenhersteller in der Vergangenheit den Verkauf neuer Geräte zumeist auch nur in einer der zwei für die Industrie bedeutsamsten Regionen - in Japan oder in Nordamerika. Die Auslieferung der Geräte in Europa oder Australien folgte dann zumeist ein halbes Jahr später.

Doch Microsoft ging bewusst das Risiko des schnellen Ausverkaufs ein. Man sei damit dem Wunsch des Handels und der Kunden nachgekommen, begründet Jens Hoffmann, Verkaufsleiter bei Microsoft Deutschland, die Entscheidung. Doch Nachschub soll laut Hoffmann schnell folgen: "Alleine in den ersten vier bis sechs Wochen werden in mehreren Wellen Produkte an den Handel geliefert".

Gelassenheit bei den Spieleherstellern

Betroffen von den Lieferengpässen sind auch die Hersteller von Videospielen. Sind die Erfolge ihrer Titel doch unmittelbar verbunden mit der Anzahl verkaufter Konsolen. Marktführer Electronic Arts geht gleich mit fünf Titeln ins Rennen um die Gunst der Xbox360-Käufer. Man zeigt sich gelassen: "Die Akzeptanz für die Xbox 360 ist groß, und so wird es sicherlich wie bei jeder Einführung von neuen Konsolen der letzten Jahre zu Beginn zu Lieferengpässen kommen", sagt Jörg Trouvain, Geschäftsführer bei Electronic Arts. "Wir haben unsere Stückzahlen entsprechend den Erfahrungen der Vergangenheit realistisch geplant".

Das französische Entwicklerhaus Ubisoft denkt ähnlich: "Natürlich wünschen wir uns einen Konsolenstart in großen Mengen", sagt Niels Bogdan, Leiter der deutschen Presseabteilung. Doch eine Auswirkung auf die Verkaufszahlen ihres Starttitels "Peter Jackson’s King Kong" fürchtet man nicht. "Die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass trotz der Herausforderungen die mit einer Markteinführung einhergehen, es oftmals die Starttitel waren, die die besten Verkaufsergebnisse erzielen konnten."

Die Pläne des Riesen

Die Ziele, die Microsoft mit der neuen Xbox 360 verfolgt, sind ambitioniert: Lag man mit dem Vorgänger im Markt noch deutlich zurück, so will Microsoft zukünftig die Vormachtstellung des Hauptwettbewerbers Sony aufbrechen. Der japanische Konzern beherrscht schon seit Mitte der 90er Jahre das Segment der stationären Videospielunterhaltung. So wandert die PlayStation 2 aktuell etwa doppelt so häufig über die Ladentische wie Microsofts Xbox.

Zwei Online-Modelle

Für eine entscheidende Änderung dieser Situation soll in Zukunft vor allem das Online-Konzept sorgen. Laut Microsoft wolle man damit weltweit mehr als eine Milliarde Nutzer erreichen. Nutzer, nicht Käufer, denn die Xbox 360 soll dank des so genannten "Xbox Gamer Guide" - einer intuitive Bedienungsoberfläche - für alle Personen in einem Haushalt interessant sein.

Von der Benutzeroberfläche aus startet man in das (Offline-) Spielvergnügen oder spielt CDs und DVDs ab. Auch in einen eingeschränkten Online-Bereich geht’s über diese Oberfläche. Man kann Freunden eine kurze Botschaft hinterlassen, und zusätzliche Spielinhalte wie Rennstrecken oder Fahrzeuge sind ebenfalls über den Guide per Download erhältlich. All diese Online-Funktionen sind kostenfrei. Wer sich im Wettstreit mit Freunden messen möchte, der muss zahlen. Die so genannte Xbox-Live-Gold-Mitgliedschaft kostet für ein Jahr 59,99 EUR. Ein entsprechender Vertrag kann auch für einen Zeitraum von einem oder drei Monaten abgeschlossen werden. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 6,99 EUR bzw. 19,99 EUR. Zwei Konsolenvarianten zum Start Die Xbox 360 wird in zwei unterschiedlichen Versionen angeboten. Das Grundsystem (Core System) wird mit kabelgebundenem Controller und ohne Festplatte ausgeliefert. Diese Variante wird 299 EUR kosten. Für 100 EUR mehr gibt’s die Luxusfassung, der sowohl eine 20-GB-Festplatte, ein drahtloser Infrarot-Controller, eine Fernbedienung, ein Ethernet-Kabel sowie ein Headset beiliegt.

Die Zukunft

Microsoft bringt als erster der drei großen Wettbewerber seine Konsole der neuen Generation heraus. Der Marktführer Sony sowie Nintendo folgen mit ihren neuen Geräten Playstation 3 und Revolution erst im kommenden Jahr – zunächst jedoch vermutlich nur in Japan. Hierzulande könnte es noch mehr als ein Jahr dauern, bis alle neuen Konsolen in den Regalen der Läden stehen. Ein klarer Vorteil für Microsoft, durch den der Riese viel Boden im Kampf um Marktanteile gut machen könnte.

TitelGenreHersteller
Amped 3SnowboardsimulationTake 2
FIFA 06: Road to FIFA World CupFußballsimulationElectronic Arts
GUNActionActivision
Kameo: Elements of PowerAdventureMicrosoft Game Studios
Perfect Dark ZeroActionMicrosoft Game Studios
Peter Jackson's King KongActionUbisoft
Madden NFL 06Football-SimulationElectronic Arts
NBA Live 06BasketballsimulationElectronic Arts
Need for Speed: Most WantedRennspielElectronic Arts
Project Gotham Racing 3RennspielMicrosoft Game Studios
Quake 4ActionActivision
Tiger Woods PGA TOUR 06GolfsimulationElectronic Arts
Tony Hawk's American WastelandFun-SportActivision
Technische Spezifikationen
Hauptprozessor Drei IBM-Systemkerne mit jeweils 3.2 GHz
Grafikprozessor ATI Grafikchip, 500 MHz, 10 MB DRAM
Hauptspeicher 512 MB RAM
Laufwerke 12-fach DVD-ROM; 20 GB Festplatte (optional)
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