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Computerspieler als Terroristen

Wie weit darf ein Spiel gehen? In "Call of Duty - Modern Warfare 2" dürfen US-Spieler in die Rolle von Terroristen schlüpfen und Unschuldige umbringen. Selbst passionierte Gamer sind schockiert. In Deutschland wurde das Szenario des Spiels entschärft. Dennoch hagelt es Kritik.

Dürfen Spieler am Computer in die Rolle von Terroristen schlüpfen? Dürfen sie wehrlose Zivilisten hinrichten? Und dabei vielleicht sogar Spaß haben? Diese Fragen sorgen derzeit für hitzige Diskussionen in der Spieleszene. Denn mit solch einem blutigen Szenario beginnt der Ego-Shooter "Call of Duty: Modern Warfare 2". Das Spiel ist seit Dienstag (10.11.) auf dem Markt. Schon vorab ist klar: Der Tabubruch dürfte dem französischen Computerspielverlag Activision Blizzard Schlagzeilen bringen und den Absatz ankurbeln.

Fans freuen sich seit Monaten auf die Fortsetzung von "Modern Warfare" (deutsch: moderne Kriegführung), die das für Ego-Shooter bekannte Studio Infinity Ward entwickelt hat. Sie gehört zu den aufwendigsten Spiel-Produktionen des Jahres - mit einer Grafik fast wie im Film, exotischen Schauplätzen und krachendem Sound samt Titelsong von Rap-Star Eminem. Das "meist erwartete Spiel des Jahrzehnts" nannte es eine britische Computerzeitschrift.

Es schwirrt das Blei, es fließt das Blut

Die Handlung ist schnell erzählt: Eine Spezialeinheit der USA muss eine Bande russischer Terroristen stoppen. Der Spieler kämpft aus Sicht mehrerer Agenten zu Wasser, zu Lande und in der Luft gegen die Verbrecher ­ es schwirrt das Blei, es fließt das Blut.

Auslöser der Debatte unter den durchaus hartgesottenen Spielern ist nicht die drastische Gewalt an sich, sondern die Eingangssequenz, die seit einigen Tagen als Video im Internet kursiert. Darin ist zu sehen, wie Terroristen in einem Flughafen wehrlose Zivilisten erschießen. Unter den Attentätern: der Spieler. Als Geheimagent hat er die Bande infiltriert und ist daher Zeuge des Anschlags.

Warum der Tabubruch? Activision Blizzard stellt das Massaker als Stilmittel dar: "Im Kontext der Story illustriert diese Szene die Bösartigkeit und Kaltblütigkeit eines russischen Terroristen und seiner Handlanger", erklärt der französische Konzern auf dpa-Anfrage.

Zudem werde vor der Szene darauf hingewiesen, dass Inhalte folgen, die "für manche Menschen abstoßend" seien, betont der Anbieter. Wenn Bildschirm-Krieger daraufhin lieber die Waffen stecken lassen wollen, können sie die Passage überspringen.

Wie jetzt bekannt wurde, gibt es in der hier verkauften Version offenbar eine weitere Einschränkung. Während Spieler aus Ländern wie den USA in der Sequenz auf Zivilisten schießen können, ist das in der deutschen Variante nicht möglich: Wer Wehrlose tötet, verliert. Zu sehen ist jedoch, wie die Terroristen wüten und Dutzende Leichen im Flughafengebäude hinterlassen.

Nicht "jugendgefährdend"

Möglicherweise liegt es an dieser Einschränkung, dass die Freiwillige Selbstkontrolle Unterhaltungssoftware (USK) "Modern Warfare 2" für Erwachsene freigegeben hat, ohne Szenen zu zensieren. Das Gremium, das in Deutschland für die Altersfreigabe von Spielen zuständig ist, schätzt das Spiel damit nicht als "jugendgefährdend" ein. Die Gründe für diese Einstufung will die USK allerdings erst nach Verkaufsstart nennen.

Die Reaktionen der Fans fallen gemischt aus. Während einige die Sequenz zum "Pixel-Massaker" herunterreden, sind andere schockiert. "Es war erschütternd, furchteinflößend, abscheulich und hat mich nur beim Hinsehen äußerst unbehaglich fühlen lassen", schreibt zum Beispiel Tom Hoggins von der britischen Zeitung "Daily Telegraph", nach eigenen Angaben ein passionierter Spieler. Die Szene erinnere ihn an die Bilder von Terroranschlag in der indischen Stadt Mumbai vor rund einem Jahr.

Einige befürchten ein Aufflammen der "Killerspiel"-Debatte. "Ich will gar nicht wissen was abgeht, wenn die ersten Leute, die Gaming kritisch gegenüberstehen, diese Szenen sehen", schreibt etwa ein Nutzer im Forum des Spieleportals Gamezone.de. "Ist doch Wasser auf deren Mühlen."

Dem kommerziellen Erfolg von "Modern Warfare 2" dürfte die Kontroverse nicht schaden. Ein Analyst der US-Investmentbank Janco Partners erwartet, das Activision Blizzard allein in diesem Jahr mehr als 11 Millionen Exemplare des Spiel verkaufen und damit mehr als 800 Millionen US-Dollar Umsatz erzielen wird. Ob Negativ oder positiv ­ Hauptsache Schlagzeilen.

DPA/DPA

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