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Das teuerste Gemetzel aller Zeiten

Der 500 Millionen Dollar teure Ego-Shooter "Destiny" ist der Höhepunkt der Videospiel-Saison. Die Baller-Wundertüte eignet sich sowohl für Hardcore-Spieler als auch für Möchtegern-Shooter.

Von Heinrich Lenhardt und Benedikt Plass-Fleßenkämper

  "Destiny" gilt als Ego-Shooter-Highlight des Jahres und Blockbuster der nächsten Generation. Entwicklungskosten: unglaubliche 500 Millionen Dollar.

"Destiny" gilt als Ego-Shooter-Highlight des Jahres und Blockbuster der nächsten Generation. Entwicklungskosten: unglaubliche 500 Millionen Dollar.

Roh und blutig wird er gerne konsumiert, an den Zutaten hat sich über die Jahre nur wenig geändert: Der Ego-Shooter gehört seit jeher zu den ganz Unverwüstlichen unter den Spielekategorien. Der Daddel-Feingeist mag die Nase über jährliche Wiederholungstäter wie die Soldatenserie "Call of Duty" rümpfen - die Verkaufszahlen sprechen für sich. Überraschungen sind dünn gesät in einem Genre, in dem sich viele Standards bei Steuerung und Funktionen etabliert haben.

Wenn dann ein 500 Millionen Dollar teures Großprojekt wie "Destiny" entsteht, dem Activision-Geschäftsführer Eric Hirshberg das Potenzial zur Milliarden Dollar schweren Serie zugesprochen hat, liegt die Innovations-Erwartungshaltung auf überschaubarem Niveau. Das Spiel bedient sich dann auch bei bewährten Bausteinen des Genres - und bietet dank seiner raffinierten Online-Verflechtung eine gewisse unterhaltsame Frische.

Niemand stirbt allein

"Destiny" stammt von einem Spiele-Entwicklungsstudio, welches sein Baller-Handwerk erwiesenermaßen versteht. Inzwischen hat sich Bungie vom einstigen Eigentümer Microsoft und damit auch der "Halo"-Serie verabschiedet. Nun wollen die Amerikaner beweisen, dass sie noch lange nicht ihr Pulver verschossen haben. In "Destiny" verwischen sie elegant die Grenzen zwischen Einzel- und Mehrspieler-Modi. Die Helden müssen dabei wie bei einem MMOG (Massively Multiplayer Online Game) im steten Online-Kontakt zum Server stehen. Dadurch tummeln sich stets auch andere Spieler in der Welt, selbst wenn man eigentlich nur alleine vor sich hin daddelt und an einer Mission im Story-Modus arbeitet.

Eher mit - als gegeneinander

Ein solches Konzept weckt zunächst einmal Argwohn. Schließlich steckt das Internet voller junger Menschen mit glänzenden Reflexen, die mit reichlich Freizeit gesegnet sind, in der sie gerne weniger versierte Spieler (wie unsereins) wegballern. Das kann man auch in "Destiny" tun, aber nur in einem sorgfältig eingezäunten Bereich namens "Der Schmelztiegel". Da gehen sich die Mitglieder von zwei Teams auf verschiedenen Schlachtfeldern gegenseitig an den Kragen. Solche zwischenmenschlichen Feindseligkeiten sind die Ausnahme von der Regel – und diese Regel lautet: "Jetzt spielt mal schön zusammen."

Denn außerhalb des schmerzhaften Schmelztiegels ist das "Destiny"-Miteinander konsequent kooperativ. Die menschlichen Spieler können sich nicht gegenseitig wehtun und erkennen schnell die Freuden des Miteinanders. Es verleiht "Destiny" eine stete Dynamik mit einer Prise Unwägbarkeit, denn das Programm reagiert auf Grüppchenbildungen und bevölkert die Umgebung dann mit stärkeren Computergegnern, die wiederum für bessere Belohnungen sorgen.

Schießt sich wie geschmiert

Die Steuerung ist solide und ausgereift, so wie man das von dem Produkt eines Entwicklungsteams erwartet, das rund ein Jahrzehnt "Halo"-Erfahrung im Lebenslauf stehen hat. Mit den Controller-Schultertasten wird gezielt und geschossen, andere Knöpfchen dienen zum Werfen von Granaten, dem Ausführen kühner Raketenrucksack-Sprünge oder dem Wechsel zwischen drei Waffenkategorien. Das Tempo ist gut und sportlich, ohne in übertriebene Hektik auszuarten.

Zwischendurch darf man auch mal ein bewaffnetes Fahrzeug steuern, doch vorwiegend kämpft der Held zu Fuß. Und das gegen Alien-Krieger und Roboter aller Art, welche sich in den Ruinen von Erde, Mond, Mars und Venus herumtreiben. Warum und wieso, das versucht die mit Science-Fiction-Versatzstücken beladene Story zu erklären, die in mittelmäßig aufregenden Zwischensequenzen erzählt wird. Eindrucksvoller als diese dramaturgischen Bemühungen ist die technische Qualität von Landschaftsgrafik und Spielfiguren, die man vorzugsweise auf den grafisch besser beschlagenen neuen Konsolen Playstation 4 und Xbox One genießt.

Reichhaltiges Baller-Buffet

Die Zusammenarbeit im Team steht im Mittelpunkt von zwei weiteren Spielvarianten. Da ist man verbindlich aufeinander angewiesen, um sich in speziell für Minimannschaften designten Einsätzen bis zum letzten Obergegner durchzukämpfen. "Strike" nennt sich dieser Modus für drei Teilnehmer, ein "Raid" ist dann quasi die Experten-Version für sechs Kämpfer. Letzteres soll eine Herausforderung für ganz harte Helden bieten; so richtig schwer und langwierig. Raids sind ebenso ambitionierten wie eingespielten Online-Freunden vorbehalten. Die "Strike"-Trios spielen sich entspannter, da werden durch eine Matchmaking-Funktion auch anschlusswillige Singles zusammengebracht.

Mit Motivationskarotten aus dem Rollenspiellager hält Bungie die Spieler bei der Stange: Der Charakter sammelt für seine Heldentaten Erfahrungspunkte und erklimmt damit höhere Stufen. Bis Level 20 steigt man auf und vergrößert dabei die Auswahl an Spezialfähigkeiten, die wiederum von der Charakterklasse abhängen. Da stehen Titan, Warlock und Jäger zur Wahl, die sich aber alle recht ähnlich spielen. Gut gefüllt ist bald das Inventar, in dem sich zufällige Beutefundsachen und Quest-Belohnungen ansammeln. Neue aufrüstbare Knarren für die drei Waffen-Slots steigern ebenso die Kampfkraft wie Charakterwerte verbessernde Arbeitskleidung. Neue Waffen muss man natürlich "nur mal schnell" gleich ausprobieren. Dass fette Beute auch Shooter-Spieler motivieren kann, weiß man ja spätestens seit der "Borderlands"-Reihe.

Langzeitmotivation kann extra kosten

Gewisse Zweifel bestehen noch an der Langfristigkeit des Baller- und Sammel-Glücks. Schon bei Erreichen von Charakter-Level 20 werden die Aufstiegschancen gebremst. Nach Abschluss der Story soll sich der Spieler durch die Optimierung der Ausrüstung durch wiederholtes Absolvieren bekannter Missionen und Schauplätze amüsieren. Im Rollenspiel-Bereich ist das nicht unüblich, kann allerdings auch in den wenig geliebten "Grind" ausarten: Das monotone Wiederholen abwechslungsarmer Spieltätigkeiten, um durch hohen Zeitaufwand einen kleinen Fortschritt zu erzielen.

Um die Milliarden-Hoffnung bezüglich des Umsatzpotentials von "Destiny" zu erfüllen, ist eine gewisse Geschäftstüchtigkeit gefragt. Nach dem Spielkauf sind freundlicherweise keine Monatsgebühren fällig. Vielmehr möchte der Anbieter die Kundschaft mit Bezahl-Zusatzinhalten zum wiederholten Zücken des Portemonnaies motivieren. Während der letzten Gamescom kündigte Bungie an, dass sich bereits zwei Download-Erweiterungen in Arbeit befinden: "The Dark Below" dürfte noch vor Ende des Jahres erscheinen. Unten im Dunkeln soll es neue Story-Kapitel, "Strike"-Missionen und Ausrüstungsgegenstände geben.

Fazit: Kompetente und vielseitige Luxus-Schießbude

Beim Anspielen während der Beta-Phase hat "Destiny" bereits bemerkenswert viel Spaß gemacht. Viele Zutaten sind aus anderen Shootern und Rollenspielen bekannt, aber gekonnt abgemischt und grafisch eindrucksvoll inszeniert. Das Zusammenspiel mit Heldenkollegen ist angenehm zwanglos und unkompliziert. Insbesondere die Fülle an Spielvarianten beeindruckt: "Destiny" wirkt wie eine Baller-Wundertüte, die es sowohl Hardcore-Spielern als auch Gelegenheits-Shootern recht machen will. Wie lange die Letzteren durch Story und überschaubare Charakterstufen-Anzahl bei Laune gehalten werden, muss sich noch anhand der Verkaufsversion zeigen.

Destiny

Hersteller/Vertrieb: Bungie / Activision
Genre: Ego-Shooter
Plattform: Playstation 3, Playstation 4, Xbox 360, Xbox One
Preis: rund 70 Euro (PS4/Xbox One), 65 Euro (PS3/Xbox 360)
Altersfreigabe: Ab 16 Jahren
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

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