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Dieser Student verdient sein Geld mit "Fifa 15"

Erhan Kayman ist 25 Jahre alt, Jura-Student - und einer der besten Fifa-Spieler Deutschlands. Doch kann man von Videospielen leben? Wie viele Stunden täglich sitzt er vor der Konsole? Im Gespräch mit dem stern erzählt er aus seinem Leben als Profi-Gamer.

Millionen Teenager lümmeln täglich vor der Konsole und ballern auf Monster, reiten mit Elfen durch Fantasy-Welten oder befehligen virtuelle Armeen. Mit dem Hobby auch noch Geld zu verdienen - das ist der Traum vieler Kids. Doch nur für die wenigsten wird er wahr. Einer, der das geschafft hat, ist Erhan Kayman. Er ist 25 Jahre alt, wohnt in Münster und ist professioneller Gamer. Sein Steckenpferd ist die Fußballsimulation "Fifa 15".

Beinahe täglich bolzt er mit Cristiano Ronaldo, Toni Kroos und Co. auf dem virtuellen Rasen. Und das recht erfolgreich: Er gehört zu den besten deutschen "Fifa"-Spielern und kann damit sogar sein Jura-Studium finanzieren. Er wird vom PC-Hersteller Acer gesponsert und nimmt weltweit an Videospiel-Turnieren teil. Der stern hat ihn auf einem Gaming-Event getroffen und gefragt: Wie wird man eigentlich Profi-Zocker?

Zocken bis 1 Uhr

"Man braucht auf jeden Fall Talent. Es ist wie beim realen Fußball. Ohne Talent hast du keine Chance, auch wenn man zehn Stunden am Tag übt", sagt Kayman, der sich im Internet "Dr. Erhano" nennt. "Außerdem braucht man mentale Stärke, innere Ruhe und jede Menge Kreativität." Mal eben an den Computer setzen, ein bisschen daddeln und anschließend das große Preisgeld abräumen - so einfach ist es leider nicht. Mit Spielen im eigentlichen Sinne hat E-Sport nur noch bedingt zu tun.

Damit Kayman in Form bleibt, greift er fünfmal die Woche zum Controller. Wenn er abends aus der Uni kommt, startet er meist ein Fifa-Online-Turnier - und spielt solange, bis er rausfliegt. "Das kann schonmal sechs, sieben Stunden dauern", sagt Kayman. Manchmal sitzt er bis nachts 1 Uhr vor dem PC. Am nächsten Morgen muss er dann wieder in die Uni. Deshalb war sein Vater anfangs gegen seinen ungewöhnlichen Beruf. "Er hatte Angst, dass ich nur noch spiele und nichts mehr für die Uni mache. Aber die Noten stimmen, und jetzt findet er es okay."

"Dank Fifa muss ich nicht arbeiten gehen"

Derzeit studiert Kayman Jura im zehnten Semester und bereitet sich auf sein erstes Staatsexamen vor. Laut Regelstudienplan hätte er damit bereits vor vier Monaten durch sein sollen. Doch für seine Gaming-Karriere zögert er sein Studium ein halbes Jahr hinaus. Dennoch steht das Studium für ihn ganz klar im Vordergrund: "Fifa 15 ist nicht mehr als ein Nebenverdienst. Leben kann man davon nicht, weil man abhängig ist von den Turnierleistungen. Man kann nicht darauf vertrauen, dass man jedes Mal gut abschneidet. Als Student muss ich dank Fifa aber nicht arbeiten gehen. "

Kayman nimmt im Jahr an bis zu 150 Turnieren teil. Bei den abendlichen Online-Wettkämpfen geht es um bis zu 200 Euro, größere Summen locken bei Offline-Turnieren. Dort steigt mit den Zuschauern auch das Preisgeld. Vor drei Wochen duellierte sich der 25-Jährige etwa auf einem "Fifa"-Turnier in London, es ging um 10.000 Dollar. Allerdings flog Kayman im Viertelfinale raus.

E-Sport boomt in Deutschland

10.000 Dollar Preisgeld - da dürften viele Hobby-Gamer leuchtende Augen bekommen. In der Gaming-Branche ist das aber noch mickrig: Auf einigen Turnieren locken Summen von mehreren Millionen Dollar. Spieler populärer Games wie "Counterstrike" oder dem Teamspiel "Dota 2" verdienen astronomische Summen: Der 22-jährige "Call of Duty"-Profi Matt Haag (in der Szene bekannt als NaDeSHoT) hat einen lukrativen Werbevertrag mit dem Brausehersteller Red Bull und knackte im vergangenen Jahr bereits die Millionen-Dollar-Marke. Von solchen Summen können deutsche E-Sportler bislang nur träumen.

Doch auch hierzulande wächst die Akzeptanz: Ende Juni fand in der Commerzbank-Arena in Frankfurt das ESL One Turnier im Videospiel Dota 2 statt. Das zweitägige Event lockte 15.000 Zuschauer in Halle, mehr als eine Million Zuschauer klinkten sich zudem in den Livestream ein. Das ist mehr als bei mancher Bundesliga-Partie. Die Kluft zwischen realen und virtuellen Sport wird immer kleiner. Als erster Bundesliga-Klub verpflichtete der VfL Wolfsburg kürzlich zwei Fifa-Zocker, die den Verein künftig in der virtuellen Bundesliga vertreten sollen.

Großes Vorbild: FC Bayern

Um auf großen Turnieren Erfolg zu haben, geht es nicht nur um Können, sondern auch um gründliche Vorbereitung. Bei wichtigen Wettkämpfen schaut sich Kayman beispielsweise vor dem Match die Spielweisen der Gegner an. Er analysiert, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. "Man kann das mit realem Fußball vergleichen. Es gibt Menschen, die spielen konterlastig, die stellen sich hinten rein und kontern dich aus. Dann gibt es welche, die spielen auf Pressing oder auf Ballbesitz."

Er selbst hat ein klares Vorbild: "Ich versuche so zu spielen, wie der FC Bayern im realen Fußball - auch wenn ich Bayern nicht mag. Viel Ballbesitz, viel Pressing, den Gegner früh unter Druck setzen." Er selbst ist übrigens Dortmund-Fan, online spielt er - wie fast jeder Fifa-Gamer - mit Real Madrid. Das ist in Fifa 15 die Mannschaft mit der höchsten Spielstärke, sie nicht zu nehmen, wäre ein Nachteil.

Warten auf den großen Erfolg

Den ganz großen Erfolg konnte Kayman in seiner "Fifa"-Karriere bislang nicht feiern, meist war im Halbfinale Schluss. Dennoch hat er als Profi-Gamer viel erlebt: Er konnte bereits im Bernabeu-Stadion in Madrid, im altehrwürdigen Old Trafford in Manchester und in Abu Dhabi um die Wette zocken. 2014 nahm er an der "Pro Evolution Soccer"-Europameisterschaft in Lissabon teil.

In drei Jahren will Kayman sein Jura-Studium beendet haben. Zum Start von "Fifa 19" dürfte er seinen Controller dann endgültig an den Nagel hängen, zumindest als Profi. Bis dahin will er noch den einen oder anderen großen Titel gewinnen. Und mit etwas Glück wird auch ein anderer Wunsch wahr: "Ich würde gerne Mal gegen Messi spielen. Aber ich hab gehört, der soll ein schlechter Verlierer sein."

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