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"Far Cry Primal" im Test: Keule statt Kalaschnikow

Ein Videospiel, das in der Steinzeit spielt - macht das Spaß? Und wie: Mit der Jagd auf Mammuts und Säbelzahntiger gelingt Ubisoft ein erfrischendes Abenteuer, das leider nicht frei von Schwächen ist.

Far Cry Primal

Mammutjagd in "Far Cry Primal"

Monster, Nazis, Aliens - dagegen hat man in Shootern schon oft genug gekämpft. Umso erfrischender ist es, dass der Videospielhersteller Ubisoft Montreal uns nun neue Wesen vor die virtuelle Flinte treibt - oder vielmehr vor den Bogen! Denn der neueste Shooter "Far Cry Primal" spielt 10.000 Jahre vor Christus' Geburt, quasi mitten in der Steinzeit, und man muss sich gegen Mammuts und Säbelzahntiger zur Wehr setzen. Doch macht das Spaß? Wir haben das Spiel ausprobiert.

Brennende Fackeln gegen wilde Tiere

Für das mutige Steinzeit-Setting, mit dem sich "Far Cry Primal" erfrischend vom sonstigen Shooter-Einerlei abhebt, bekommt Ubisoft an dieser Stelle schon einmal Applaus. Nach den ersten Trailern waren wir zunächst skeptisch, ob die Rechnung aufgeht, doch die prähistorische Welt passt nahezu perfekt in die naturverbundene "Far Cry"-Welt.

Der Spieler schlüpft in "Primal" in die Rolle des Steinzeitmenschen Takkar. Zu Beginn begibt man sich mit anderen Stammesmitgliedern auf Mammutjagd, doch nachdem die Beute erlegt ist, bemerkt man schnell: Der Mensch steht in diesem Jahrtausend definitiv nicht an der Spitze der Nahrungskette. In den prähistorischen Wäldern treibt ein Säbelzahntiger sein Unwesen, der alle Weggefährten tötet. Nur mit Mühe überlebt man den Zwischenfall. Nun muss sich der Spieler allein in der Wildnis durchschlagen, die von den Steinzeitmenschen Oros genannt wird.

Die Welt wirkt sehr glaubhaft: Überall streifen Tiere durch die dichte Flora, ab und zu macht ein Wolf Jagd auf einen Hirsch. An jeder Ecke wachsen Kräuter und Pflanzen, die man zu neuen Objekten zusammenbauen kann. Aus Schilfseilen und langen Stöcken fertigt man etwa einen Bogen, die mit Tierfett eingeschmierte Keule wird zur Fackel, mit der man sich nachts gegen wilde Tiere wehrt. Auch die Soundkulisse begeistert: Musik wird sparsam eingesetzt, alle Figuren sprechen in einer von Wissenschaftlern rekonstruierten, frühen indoeuropäischen Sprache - atmosphärisch ist das ganz großes Kino!

Eule und Wolf als Begleiter

Spielerisch bleibt Ubisoft den Vorgängern weitgehend treu. Wer mit der "Far Cry"-Reihe vertraut ist, findet sich schnell zurecht, die Knarren wurden lediglich durch Speere und Keulen ersetzt. Ständig gibt es irgendwo einen kleinen Auftrag, den man erledigen soll - mal muss man ein paar Mitglieder des eigenen Clans befreien, dann einen Bären erlegen. Die ganze Spielwelt fühlt sich an wie ein riesiger Steinzeitsandkasten. Für jede Aktion bekommt man Erfahrungspunkte, die man in neue Fähigkeiten investieren kann. Auch das kennt man bereits aus anderen Ubisoft-Spielen wie etwa "Assassin's Creed".

Eine entscheidende Neuerung gibt es: Man kann jetzt Tiere zähmen - etwa Eulen oder Wölfe - und diese für Erkundungsmissionen oder Kämpfe einsetzen. Auf größeren Exemplaren kann man sogar reiten. Das ist unterhaltsam, aber nicht realistisch: Um ein Tier zu zähmen, muss man nur etwas magisch mit der Hand rumfuchteln, anschließend gehorcht einem das Biest aufs Wort. Ebenfalls bequem, aber unlogisch: Auf Knopfdruck kann man sich zwischen einzelnen Siedlungen hin- und herteleportieren und die sogenannte "Jägersicht" aktivieren, bei der sich die Spielwelt schwarz-weiß färbt und man Spuren von Gegnern und Tieren sieht. Doch sei es drum, das Ganze ist immerhin ein Spiel und keine Dokumentation über die Steinzeit.

Schlägerei in "Far Cry Primal"

Schlägerei in "Far Cry Primal"

Nicht so gut gefallen hat uns das Nahkampfsystem, da man Attacken weder kontern noch blocken kann. Ein Kampf mit Wurfspeer oder Pfeil und Bogen geht einfach viel leichter von der Hand. Und wer kein Freund vom Sammeln von Gegenständen ist, sollte einen großen Bogen um "Far Cry Primal" machen: Die Bezeichnung "Jäger und Sammler" hat Ubisoft sehr wörtlich genommen. Ständig muss man Kräuter, Schiefersteine oder Äste in den Lederbeutel stopfen. Das macht anfangs noch Spaß, ist aber bereits nach kurzer Zeit nur noch ermüdend. Und die Story? Die ist kaum der Rede wert, die Figuren sind so grob geschnitzt wie mein Wurfspeer.

Fazit: Die Welt ist das Highlight

"Far Cry Primal" ist nicht der beste Teil der Reihe, aber der atmosphärisch dichteste. Neue Features wie die Tierzähmung bringen frischen Wind, ansonsten ist das Spiel ein Mix aus den anderen Open-World-Spielen aus dem Hause Ubisoft. Die Story haut einen nicht vom Hocker und es gibt auch einige störende Ungereimtheiten. Unterm Strich macht das Gesamtpaket dennoch viel Spaß, der lebendigen Landschaft sei Dank. An ihr kann man sich kaum sattsehen. Wer aber auch spielerisches Neuland entdecken will, dürfte enttäuscht sein.

"Far Cry Primal" erscheint am 23. Februar für Playstation 4 und Xbox One (etwa 70 Euro) und am 1. März für den PC.

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