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Warum raubkopierte Spiele bald der Vergangenheit angehören könnten

Raubkopien gehörten jahrelang zum Spielemarkt. Bald könnte damit Schluss sein. Schuld sind ungeknackte Kopierschutzmaßnahmen - und das zunehmende Alter der Zocker.

Raubkopien Games Videospiel

Sich mit geklauten Games die Nächte um die Ohren zu schlagen, ist für viele Schüler und Studenten keine Seltenheit. Bald könnte mit den raubkopierten Games Schluss sein.

Von der kopierten Diskette des Freundes bis zum neuesten Xbox-Game auf der gebrannten DVD: Seit es Videospiele gibt, gab es auch Raubkopien von ihnen. Mit großen Kampagnen, fieser Schutzsoftware und Online-Zwang wollten die Hersteller dem Phänomen den Garaus machen. Und die Chancen sind so gut wie nie. Klar, noch gibt es jede Menge Raubkopien, das merkt jeder, der mal in den einschlägigen Internetseiten stöbert. Trotzdem spricht vieles für die These, dass die Rolle der schwarz kopierten Software immer weiter schrumpfen dürfte - und dann vielleicht nahezu ganz verschwinden. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Zum einen ist da die Tatsache, dass es für die beiden großen aktuellen Spielekonsolen, Xbox One und Playstation 4, keine Möglichkeit gibt, illegal geladene Games zu spielen. Bei den Vorgängern ging das so einfach, dass es auch technisch unbedarfte Spieler ohne größere Probleme umsetzen konnten. Wer ernsthaft wollte, konnte sämtliche Games einfach herunterladen und sofort loslegen. Ein echtes Massenphänomen waren die Raubkopien für die Konsolen hierzulande trotzdem nicht. Dass es bei den aktuellen Konsolen bislang gar nicht geht, dürfte den Spiele-Verkaufszahlen trotzdem helfen.

Klauen wird schwieriger

Auf dem PC sieht die Situation seit langer Zeit ganz anders aus. Die meisten Spiele landen noch vor Verkaufsstart in den Tauschbörsen. Und sie finden fleißig Abnehmer. Das hat sicher auch damit zu tun, dass PC-Zocker häufig technisch versierter sind als der durchschnittliche Konsolenbesitzer - und schlicht wissen, dass man sich Games einfach herunterladen kann. Doch auch auf dem PC spielen die illegalen Kopien eine immer kleinere Rolle.

Dafür sorgen unter anderem die immer besser funktionierenden Kopierschutzmaßnahmen. Das bei Herstellern beliebte Schutzprogramm Denuvo sorgt bislang zuverlässig dafür, mit ihm geschützte Games zu starten, ohne sie gekauft zu haben. Der Salzburger Hersteller gleichen Namens bewahrt etwa die aktuellen Spielehits Fifa 16, Rise of the Tomb Raider oder Just Cause 3 davor, in Tauschbörsen angeboten zu werden. Das funktioniert so gut, dass eine der berüchtigtsten Gruppen von Raubkopierern wegen der Software vor einigen Wochen das Handtuch warf. Man sehe keine Chance, Denuvo zu knacken, sagte die Anführerin der chinesischen Gruppe 3DM im hauseigenen Forum. Raubkopien sind ihrer Einschätzung nach in zwei Jahren Geschichte. Kurz darauf behauptete 3DM zwar, Denuvo nun doch geknackt zu haben. Taten folgten dem aber keine.

Die Firma selbst gibt sich indes bescheiden. Denuvo würde keineswegs als unknackbar vermarktet, sagte der Firmengründer Reinhard Blaukovitsch der österreichischen Tageszeitung Standard. Die Software selbst schütze die Programme nicht. Stattdessen erschwert sie durch komplizierte Prozesse, an den eigentlichen Kopierschutz heranzukommen - und ihn dann knacken zu können. "Wir rechnen immer damit, dass Hacker unsere Anti-Tamper-Software auszuhebeln versuchen. Wir stellen auch keinen Anspruch, dass das niemals passieren wird", sagte er der Zeitung. Vielmehr ginge es darum, den Verkaufsstart vor zu schnellen Kopien zu schützen. Denn dann richten die illegalen Kopien durch die verlorenen Verkäufe am meisten Schaden an.

Spiele werden billig wie nie

Doch nicht nur die immer schwierigeren Cracks scheinen den PC-Raubkopierern den Spaß zu verderben. Dass Spiele auch legal immer günstiger zu bekommen sind, dürfte ebenfalls nicht unwichtig sein. Beim Start war die Spiele-Plattform Steam regelrecht verhasst, sie galt als reine Kopierschutzmaßnahme. Heute ist Steam bei PC-Spielern heiß geliebt. Das liegt an den beinahe legendären Rabatt-Aktionen, bei denen die Preise in früher nie gekanntem Maße purzeln. Games, die einst jenseits der 60 Euro kosteten, sind einige Monate später schon für unter zehn Euro zu haben. Und kosten manchmal nicht mal mehr einen Euro. Sony und Microsoft haben nachgezogen. Ganz so billig wie bei Steam sind die Sales für Xbox One und Playstation 4 zwar nicht, trotzdem sinken die Preise für Konsolen-Spiele so schnell wie nie. Kein Wunder also, dass viele Spielefans längst mehr Games gehortet haben, als sie jemals spielen können werden.

Auch Dienste, die schon bei Verkaufsstart günstige Seriennummern verhökern, boomen seit einigen Jahren. Die Schlüssel sind meist völlig legal, sie stammen aus Ländern, in denen Games nur ein Bruchteil der hiesigen Preise kosten. Seit man Spiele rein digital erwerben kann, ist der Versand rund um die Welt kein Problem mehr, der Code kommt einfach per Mail. So kann man ein Spiel am ersten Tag spielen - und trotzdem nur den halben Preis zahlen.

Andere Games haben längst bewiesen, dass sich auch mit kostenlosen Angeboten jede Menge Geld verdienen lässt. Das Online-Spiel Dota 2 gehört zu den meistgezockten PC-Games überhaupt. Jeder kann es kostenlos herunterladen und Tausende Stunden spielen. Trotzdem spült es dem Entwickler Valve jede Menge Geld in die Kassen. Die Spieler können nämlich den Look ihrer Helden mit gekauften Gegenständen verändern, vom Spaten bis zur neuen Rüstung. Und die kosten teilweise richtig Geld. Das klingt albern, ist aber extrem beliebt. So zahlt nur, wer das gerne möchte.

Die Zocker werden erwachsen

Dass die Zocker im Schnitt immer älter werden, spielt mit Sicherheit ebenfalls eine Rolle. Wer früher mit Super Nintendo und der ersten Playstation aufwuchs und in seinen Zwanzigern in der Uni-Zeit den ganzen Rechner voll gecrackter Spiele hatte, ist heute längst im Job. Und häufig weiterhin Gamer. Nur werden die Spiele jetzt einfach gekauft. Der Neupreis von Spielen tut berufstätigen Zockern deutlich weniger weh als armen Studenten. Und die Freizeit ist für die nervige Suche nach funktionierenden Cracks viel zu wertvoll.

So ganz werden die Raubkopien aber wohl nicht verschwinden. Dazu sind die Spielepreise in ärmeren Ländern immer noch viel zu hoch. Es gibt einfach zu viele Anreize für die Kopierschutz-Knacker, es weiter zu versuchen. Auch Schüler und Studenten schwimmen in der Regel weiterhin nicht im Geld. Etwas kostenlos zu bekommen, wird auch in Zukunft noch reizvoll sein. Solange es technisch geht.

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