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Die Gaming-Welt wird flach

Mit der Bewegungssteuerung der Wii überraschte Nintendo einst seine Kritiker und Fans. Jetzt gibt der Spielehersteller mit dem Nachfolger "Wii U" erneut den Ton im Konsolenbereich an: mit einer Mischung aus Tablet und Gameboy.

Von Carsten Görig, Los Angeles

  Der Star der Spielemesse E3: Nintendos neue Konsole Wii U

Der Star der Spielemesse E3: Nintendos neue Konsole Wii U

Unsere Industrie hat es bis jetzt nicht geschafft, eine Konsole auf den Markt zu bringen, die für alle Spieler ein befriedigendes Erlebnis bringt. Wir sind entschlossen, das zu ändern.“ Nintendo-Chef Satoru Iwata spricht mit sanfter Zuversicht, als er anlässlich der Spielemesse E3 eine neue Spielkonsole vorstellt. Sie soll 2012 auf den Markt kommen und Wii U heißen. Das Wichtigste an der Konsole sind nicht ihre technischen Eigenschaften, von denen nur wenige bekannt sind. Das Wichtigste ist ihr Controller, das Gerät, mit dem man die Spiele steuert und Autos über Straßen lenkt oder Super Mario hüpfen lässt.

Es ist das, womit sich Nintendo schon bei der Wii von der Konkurrenz unterschieden hat, als die Firma bewegungsempfindliche Controller einführte, die wie Fernbedienungen aussehen und trotz technischer Unterlegenheit lange deutlich mehr Spielkonsolen als die Konkurrenz verkauft hat. Ein ähnliches Kunststück soll diesmal auch gelingen - mit dem neuen Controller.

Ein echter Alleskönner

Er ist nicht nur Steuerung, sondern auch Erweiterung der Konsole und sieht auf den ersten Blick aus wie eine Kreuzung aus iPad und Gameboy. Ein 6 Zoll großer Tochscreen ist das zentrale Element, um das herum Steuerkreuze und Knöpfe platziert sind. Eine Kamera sitzt über dem Bildschirm, ein Mikrofon ist integriert, ebenso Bewegungssensoren. Was erst einmal klobig klingt, liegt erstaunlich gut in der Hand und vor allem: Es bietet ungeahnte Möglichkeiten, mit einem Spiel zu interagieren. Allein das, was in kurzen Demos gezeigt wird, regt die Phantasie an. Vier Spieler steuern auf dem Fernseher ihre Figuren und versuchen, einen fünften zu finden. Der wiederum spielt auf dem Touchscreen des Controllers und muss entkommen. Sein Vorteil: Er sieht das Spielfeld auf dem Touchscreen von oben. In einem anderen Prototypen wird der Controller wie ein Schild hochgehalten, um Angriffe abzuwehren. Der Controller verwandelt sich in einen Abschlagplatz für einen Golfball, der mit einem herkömmlichen Wii-Controller geschlagen wird, er wird zur Anzeige einer Waage mit dem Wii-Fit-Brett oder wird zum Zeichentablett.

Er wird zum Bildschirm, wenn jemand anders auf dem Fernseher Filme sehen möchte, er wird zum Internetbrowser und zum Spielfeld für Brettspiele. Es ist ein Gerät, das die Vorzüge von herkömmlicher Steuerung und Touchscreen kombiniert. Es ist ein Gerät, das erneut die Vorstellung von dem verändern kann, was Spiele sein können und sie tatsächlich über den eigentlichen Bildschirm hinaus erweitert.

  Eine Mischung aus iPad und Gameboy: der neue Controller der Wii U

Eine Mischung aus iPad und Gameboy: der neue Controller der Wii U

Konkurrenz für Sony und Microsoft

Mit der Wii U bedient Nintendo beide Zielgruppen: Zum Einen die Gelegenheits-Spieler, die mit der Wii zum Spielen gekommen sind. Zum anderen die Hardcore-Spieler, deren wichtigstes Hobby Videospiele sind und nach immer aufwendigeren Spielen lechzen. Zurzeit bedient Nintendo lediglich die Gelegenheits-Spieler, während sich Sony und Microsoft die Hardcore-Spieler teilen. Wii U dagegen wird eine umwerfende HD-Grafik haben, wenn man den ersten Demofilmen trauen darf. Hier fliegen extrem detaillierte Vögel durch eine japanische Landschaft, in der sich Kirschblüten entfalten und schließlich ein Karpfen durchs Wasser schwimmt.

Für Nintendo heißt das, dass nun auch die Spiele auf einer eigenen Konsole erscheinen können, die bisher der Konkurrenz vorbehalten waren. Aufwändig inszenierte Rennspiele wie „Dirt“, Onlineshooter wie „Battlefield 3“. Das macht die Konsole auch für Spielehersteller interessant, die bisher einen großen Bogen um sie gemacht haben. Auf einmal interessieren sich Entwickler wie „Bioshock“-Erfinder Ken Levine für eine Nintendo-Konsole.

Der Traum von neuen Kundenkreisen

Hinter vorgehaltener Hand aber wird Kritik laut: Kaum so stark wie die Xbox 360 sei die Wii U und stelle damit Programmierer vor schwere Aufgaben, um gute Ergebnisse zu erzielen, denn die Konsole muss nicht wie die Konkurrenz nur ein Bild erzeugen, sondern zwei oder gar drei - je nachdem wie viele Wii U-Controller angeschlossen sind. Diese beziehen ihre Bilder nämlich aus der stationären Konsole. Ein gewaltiger Rechenaufwand, der die Leistungsfähigkeit der Konsole stark mindert. Doch selbst diese Kritiker gestehen ein, dass der Controller ein faszinierendes Stück Technik ist.

Wii U regt die Phantasie von Entwicklern an und lässt Spielehersteller von neuen Kundenkreisen träumen. Wie das aussehen wird, wenn die Konsole tatsächlich auf den Markt kommt, wird sich zeigen. Im nächsten Jahr kann Nintendo beweisen, dass es tatsächlich den Spagat schafft zwischen Gelegenheits- und Hardcorespieler. Die Zeichen stehen gut.

Lesen Sie auch bei unserem Partner macwelt.de: "Nintendo macht DS zum E-Book-Lesegerät"

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