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Geld sammeln für den Weltuntergang

Um das ultimative Videospiel zu entwickeln, sammelte Gaming-Legende Brian Fargo mehr als drei Millionen Euro von 60.000 Spendern. Dominik Brück hat "Wasteland 2" mit dem Entwickler angespielt.

  Friedlicher Dialog oder wilde Ballerei? In "Wasteland 2" hat der Spieler das in der Hand.

Friedlicher Dialog oder wilde Ballerei? In "Wasteland 2" hat der Spieler das in der Hand.

Fans klassischer PC-Rollenspiele horchen beim Namen Brian Fargo auf. Der Computerspielentwickler konnte Anfang der Neunziger mit Titeln wie "The Bard's Tale" und "Wasteland" große Erfolge feiern. Jetzt ist Fargo zurück und präsentiert mit "Wasteland 2" die Fortsetzung seines Erfolgstitels auf die der Entwickler sichtlich stolz ist: "Ich wollte nicht das Minimum liefern, sondern etwas Großes. Dieses Spiel ist genau das geworden", verspricht Fargo im Gespräch mit dem stern.

Obwohl viele neue Spieletitel verstärkt Gelegenheitsspieler ansprechen wollen, hat Fargo mit "Wasteland 2" ein äußerst komplexes Rollenspiel geschaffen und ist davon überzeugt, dass dies bei den Spielern ankommen wird. Um die Entwicklung des Spiels zu finanzieren, ging er einen ungewöhnlichen Weg: Drei Millionen Euro nahm er durch Crowdfunding ein. "60.000 Menschen haben uns unterstützt. Es ist sicher der Höhepunkt meiner Karriere, dass so viele Fans Vertrauen in uns haben", erklärt Fargo.

Damit folgt der US-Entwickler einem Branchentrend: Der Amerikaner Chris Roberts, Gaming-Pionier und Begründer der legendären "Wing Commander"-Reihe, sammelte im Netz die Rekordsumme von 49 Millionen Euro. Und "Monkey Island"-Macher Tim Schafer finanzierte sein letztes Spiel mit knapp 3,3 Millionen Euro von 87.000 Spendern.

Doch was taugt "Wasteland 2"? Gemeinsam mit dem Entwickler hat der stern das neue Werk von Brian Fargo angespielt.

Der Weg ist das Ziel

Das Spiel beginnt mit einem kurzen Einführungsvideo und wirft den Spieler dann direkt in die Haupthandlung: Es geht darum, den Tod eines anderen "Desert Rangers" aufzuklären, jene Gesetzeshüter, die in der Wüste Arizonas in einer postapokalyptischen Welt für Recht und Ordnung sorgen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss man seine Gruppe von Rangern durch die von den Folgen eines Atomkrieges zerstörte Landschaft lenken. Diese ist bis auf die Ausnahme einiger von Strahlung verseuchten Gebiete von Anfang an frei begehbar.

Fargo geht es bei "Wasteland 2" darum, dem Spieler fast keine Beschränkungen aufzuzwingen. "Die Offenheit der Welt hat unsere Autoren wahnsinnig gemacht. Sie haben sich eine wunderschöne Geschichte ausgedacht, die sich von einem Charakter aus entwickeln soll, und dann sind wir gekommen und haben gesagt: Ja, aber der Spieler könnte den Typen auch einfach erschießen", erzählt Fargo.

Selbst das Ende ist nicht vorgegeben: Es ist zum Beispiel auch möglich, einfach jeden Charakter im Spiel zu töten und auf diese Weise zu "gewinnen". Auf diesem Weg wird man aber manche Abschnitte des Spiels nicht zu sehen bekommen. Den gesamten Content des Spiels zu sehen ist laut Fargo aber sowieso unmöglich. Zu groß sei die Welt von "Wasteland 2". Das führt dazu, dass rund 70 Stunden Spielzeit benötigt werden, um die Haupthandlung durchzuspielen. Rund die Hälfte der Zeit verbringt man in der Wüste Arizonas, den Rest im postatomaren Los Angeles. "Hier ist dann alles völlig anders. Es ist quasi die Fortsetzung des Spiels schon im Spiel selbst", schwärmt Fargo.

  Spieleentwickler Brian Fargo ist stolz auf sein neues Werk.

Spieleentwickler Brian Fargo ist stolz auf sein neues Werk.

Der Spieler entscheidet

Den Weg dorthin bestimmen nicht nur die Entscheidungen des Spielers. Wie eine Situation verläuft hängt auch von der Auswahl der Charaktere und deren Fähigkeiten ab. Für die Gestaltung und Ausrüstung der Figuren ist also Mikromanagement angesagt. Denn: Die Kombination von Charakteren und Fähigkeiten kann das Spiel leichter oder schwieriger machen. So kann ein in Redekunst geübter Ranger eine brenzlige Situation in fünf Minuten lösen. Fehlt die nötige Erfahrung kommt es unter Umständen zu einer zweistündigen Ballerei quer über die Karte. "Es gibt Publisher, die wollen so etwas wie Filme produzieren, aber ich will keine Filme machen, sondern Spiele", erklärt Fargo das besondere Augenmerk auf die Freiheiten des Spielers. Kein Spieler würde dieselbe Situation gleich erleben, verspricht der Entwickler.

Das hätten auch die Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne während der Entwicklung eingefordert. "Die Community hat immer wieder dafür gesorgt, dass diese Freiheit erhalten bleibt", sagt Fargo. So gibt es im Spiel einen Handlungsstrang, in dem zwei Siedlungen angegriffen werden und der Spieler entscheiden muss, welcher er zur Hilfe eilt. "Unsere Nutzer haben uns dann gefragt: Und was passiert, wenn ich nichts tue?", erzählt Fargo. Als Reaktion habe der Entwickler dann auch diese Möglichkeit in das Spiel eingebaut. "Wer nichts tut, muss aber auch damit leben, für den Rest des Spiels von anderen Charakteren als Idiot beschimpft zu werden", sagt Fargo.

Schöne (neue) Welt

Die Spielerfahrung wird durch die lebendige Welt bereichert: Überall trifft der Spieler auf interessante Charaktere, die Schauplätze bieten immer noch etwas Neues zu entdecken und durch die offenen Handlungsstränge weiß man nie, was in den nächsten Minuten passieren wird. Hintergrundatmosphäre wird zusätzlich durch das Funkgerät geschaffen, das wichtige Funksprüche, aber auch Sendungen verschiedener Gruppen in der Umgebung einspielt. Fans des ersten Teils werden zudem viele Figuren und Anspielungen aus "Wasteland" entdecken - kennen muss man den Vorgänger jedoch für das Verständnis der Handlung nicht. "Natürlich hat es ein bisschen mehr Charme den ersten Teil zu kennen", sagt Fargo.

Freunde von komplexen Rollenspielen dürfen sich Ende August zum Release von "Wasteland 2" also auf einen Leckerbissen freuen, der nicht nur durch die detailliert gestalteten Charaktere, sondern auch durch die lebendige Welt und die große Handlungsfreiheit überzeugt. Zudem ist das postapokalyptische Szenario ein spannender Hintergrund, der besonders Fans der "Fallout"-Reihe ansprechen dürfte.

Nach der Veröffentlichung will Fargo noch ein Mod-Kit herausbringen, das den Spielern auch die Gestaltung eigener Inhalte erlaubt. Auch zusätzlicher Content soll später noch veröffentlicht werden. Bis es soweit ist dürften Spieler aber mehr als genug Abenteuer als "Desert Ranger" vor sich haben.

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