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Microsoft hat es versemmelt

Xbox One oder Playstation 4? Ende des Jahres werden die beiden neuen Konsolen im Handel stehen. Doch wer wird das Rennen machen? Auf der Spielemesse E3 wählte das Publikum einen eindeutigen Sieger.

Von Christoph Fröhlich

  Sony-Chef Jack Tretton sorgt bei der Präsentation der Playstation 4 während der E3 für Jubelstürme

Sony-Chef Jack Tretton sorgt bei der Präsentation der Playstation 4 während der E3 für Jubelstürme

Es ist der Showdown, auf den Gamer jahrelang gewartet haben: Sony gegen Microsoft. Die Playstation 4 gegen die Xbox One. Gut gegen Böse. Wer der gute und wer der böse Part ist, war lange Zeit unklar. Nun, nachdem beide Platzhirsche auf der E3, der größten Spielemesse der Welt, ihre Eröffnungsveranstaltung absolvierten, haben die Gamer ihr Urteil gefällt: Sony dürfte Ende des Jahres, wenn beide Konsolen zum wichtigen Weihnachtsgeschäft im Handel stehen werden, das Rennen machen. Doch nicht unbedingt wegen der eigenen Stärke - sondern wegen der Patzer des Konkurrenten.

Microsoft verpatzt es wieder

Es läuft nicht rund für Microsoft in den letzten Monaten: Windows 8 konnte trotz einer allgegenwärtigen Werbekampagne nie richtig zünden, die Surface-Tablets bleiben wie Blei in den Regalen liegen und Windows Phone 8 fristet weiter ein Nischendasein. Hier hätte die neue Xbox One das Ruder herumreißen können. Hätte. Denn obwohl die Ausgangslage kaum besser sein konnte - viele Gamer waren von Sonys Playstation-4-Präsentation im Februar enttäuscht, weil die Konsole überhaupt nicht zu sehen war -, verscherzte es sich Microsoft mit seiner Kundschaft.

Ende Mai zeigte Microsoft gemeinsam mit nahmhaften Spielepublishern wie Activision oder EA erstmals seine neue Konsole. Doch schnell wurde Kritik laut: Die gezeigten Games waren meist nur dröge Fortsetzungen altbekannter Videospielreihen. Exklusivtitel, die Xbox-Fans zum Kauf der Konsole bewegen sollen, suchte man vergebens. Stattdessen betonte Microsoft den Multimedia-Aspekt der Xbox und stellte seine Sprach- und Bewegungssteuerung Kinect vor, die permanent mit dem Internet verbunden ist. Es ist eine technische Spielerei, mit der Microsoft als hipper Trendsetter punkten wollte. Doch der Konzern erreichte das Gegenteil: Schnell wurde Microsoft als Big Brother abgestempelt, der mit seinem Gadget direkt aufs heimische Sofa spähen kann. Der permanent mithört und umfassende Profile seiner Nutzer anlegt. Ein absoluter Image-Gau.

Auch in den kommenden drei Wochen erntete Microsoft negative Schlagzeilen: Gebrauchtspiele sind nur eingeschränkt auf der Xbox One möglich, zudem muss die Konsole alle 24 Stunden ans Internet angeschlossen werden, um Videospiele wiedergeben zu können. Am Montag bekam Microsoft auf der E3 die Gelegenheit, die Bedenken der Fans beiseite zu wischen und das angeknackste Image wieder gerade zu rücken.

Viele Fragen brannten den Fans auf der Seele: Warum muss jede Xbox One zwingend jeden Tag mit dem Internet verbunden sein? Wieso können Spiele nicht gebraucht verkauft oder an Freunde ausgeliehen werden? Wieso muss der Kamera-Riegel Kinect permanent mit der Konsole verbunden sein? Die Antwort auf all diese Fragen war: Schweigen. Nicht besser wurde es, als am Ende der Preis für die Konsole genannt wurde: stolze 499 Euro.

Der lächelnde Sieger

Enttäuschung machte sich breit, und Sony nutzte die Gunst der Stunde. Da stand Sony-Boss Jack Tretton vor riesigen LED-Fernsehern, verlor ein paar nette Worte über die gefloppte Spielkonsole PS Vita, zeigte ein paar Games und Videos, nur um im letzten Drittel der Veranstaltung den Konkurrenten aus Redmond nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen.

Natürlich könne die Playstation 4 gebrauchte Spiele abspielen, beteuerte Tretton mit einem Lächeln. Jubel brandet im Publikum auf. Selbstverständlich müsse man mit der PS4 nicht permanent online sein, um Videospiele zu zocken. Noch größerer Applaus. Als der Sony-Manager dann den Preis von 399 Euro nannte, 100 Euro weniger als die Xbox One, ging ein Donnerhall durch den Saal. Dass die PS4 trotz besserer Ausstattung deutlich billiger sein wird, hatten selbst Branchenkenner nicht erwartet.

Noch sind vier Monate Zeit, bis die Xbox One im Handel steht. Die Vorbestellungen für beide Konsolen liefern sich derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Doch der verkorkste Eindruck ist für Microsoft nur schwer wiedergutzumachen. Schaffen sie nicht die Kehrtwende, dürfte Sony den Kampf für sich entscheiden, bevor er überhaupt richtig angefangen hat. Jack Tretton dürfte dann nicht nur lächeln, sondern lachen.

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