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4. September 2010, 14:23 Uhr

Glotze 2.0 will ins Wohnzimmer

Apple macht es einfacher

Das Zusammenspiel von Software und Hardware aus dem eigenen Haus gibt Apple einen Vorsprung vor seinen Wettbewerbern, glaubt Tim Bajarin: "Apple achtet auf einfache Bedienung und kann zusätzlich die eigenen Läden dazu nutzen, Apple TV möglichen Kunden zu erklären", sagt der Analyst. Allerdings gibt es noch deutliche Lücken im Sortiment. Viele US-Sender zögern, bei Apples neuem Verleih-Angebot mitzumachen - vorerst hat die iTunes-Videothek nur Shows von ABC und Fox sowie BBC America im Programm. Und die Konkurrenz steht nicht still: Amazon konterte Apples Kurswechsel umgehend mit Schnäppchenpreisen; plötzlich kosten TV-Sendungen, die iTunes zum Ausleihen anbietet, auch bei Amazon lediglich 99 US-Cent - allerdings zum Herunterladen und Behalten (und aus Copyright-Gründen nur in Amerika). Obendrein arbeitet der Onlinehändler nach Informationen des Wall Street Journal ebenfalls an einer Videothek mit Streaming-Angeboten.

Auch Sony steht bereit, mit einem eigenen Internetdienst im Wohnzimmer mitzumischen: Auf der Ifa enthüllte der Unterhaltungselektronik-Gigant seinen "Qriocity"-Service für die PlayStation und Sony-Fernseher mit Internet-Zugang. Der Name, der sich wie das englische Wort "curiosity" (Neugierde) ausspricht, ist eine Anspielung darauf, dass Kunden mit dem Dienst vom Sofa aus bequem Neues entdecken können - Lieder ebenso wie Filme. Als Abo-Service soll Qriocity gegen eine monatliche Gebühr Musik ohne Grenzen bieten und Videos "on demand", also einzeln auf Abruf. Sony verspricht "Hunderte von Kinohits", wenn der Dienst im Herbst in England, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien an den Start geht, hält sich allerdings bei Preisangaben noch bedeckt.

Am Ende entscheidet Hollywood

Generell haben solche Dienste gute Chancen, Kunden zu finden, glaubt Mike McGuire, Branchen-Experte beim Marktforscher Gartner Group. "Verbraucher verlangen immer stärker nach Unterhaltungsangeboten, die auf ihre Wünsche und Vorlieben genau ausgerichtet sind", erklärt der Analyst. Welcher Hersteller allerdings den Sprung vom PC zum TV am besten schaffe, sei fürs Erste völlig offen. "Alles, was wir sehen, sind ganz frühe Schritte", sagt McGuire - und jeder Anbieter kann stolpern, wenn Hollywood sich querlegt, denn jede Digital-Videothek ist nur so gut wie ihre Auswahl an Filmen und Fernseh-Sendungen.

Die Produzenten haben gute Gründe, sich zurückzuhalten: Zum einen wollen sie nicht ähnlich abhängig werden von einem einzelnen Partner, wie es der Musikindustrie mit Apple ergangen ist - in den USA stammen 70 Prozent aller Lieder, die im Internet eingekauft werden, aus dem iTunes-Laden. Zum anderen steht ein enormes Geschäft auf dem Spiel, zumindest im größten Fernsehmarkt der Welt: Zwischen New York und Los Angeles fließen jährlich etwa 30 Milliarden Dollar (derzeit gut 23 Milliarden Euro) aus den Kassen der Kabelnetzbetreiber in Richtung Hollywood - das ist der Anteil, den die Rechte-Inhaber als ihren Anteil an den monatlichen Servicekosten ausgehandelt haben.

Denn während die meisten Deutschen ohne Abokosten in die TV-Röhre schauen, weil sich ihr Fernsehprogramm aus Werbung und Gema-Gebühren finanziert, zahlen Amerikaner oft 100 Dollar und mehr im Monat für ihren Kabel- oder Satellitenanschluss. Diverse Kanäle werden dabei zu unterschiedlichen Paketen gebündelt und gestaffelt verkauft. Dieses Geschäft will sich keiner der Beteiligten verderben. "Die Studios sind bereit, ein wenig zu experimentieren", erklärt Gartner-Analyst Mike McGuire, "aber sie werden darauf achten, dass ihre Zuschauer-Zahl bei iTunes und anderen nicht größer wird als im Kabelnetz, denn dort verdienen sie den Löwenanteil ihres Geldes."

Die grobe Richtung allerdings scheint klar: So oder so - das Fernsehen bekommt eine digitale Zukunft. Drei Kanäle und nachts das Testbild, das war einmal.

Mitarbeit: Gerd Blank, Berlin

Von Karsten Lemm, San Francisco
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