Die Alltagsfilter der digitalen Bildbearbeitung bieten subtile Kontrollmöglichkeiten über die Bildschärfe. Bei der konventionellen Fotografie war Bildschärfe nie ein Thema - man konnte einfach nicht genug davon haben. Fotografen haben es zwar nie so ausgedrückt, weil nur zwei Faktoren die Schärfe kontrollierten: das Objektiv und der Film. Wer Geld genug hatte, konnte sich das Objektiv mit der besten Auflösung kaufen, während beim Film ein Kompromiss mit der Lichtempfindlichkeit erforderlich war: Die beste Auflösung kostete Reaktionszeit. Aber es ging den Fotografen immer um maximale Bildschärfe. Davon lebt die Mittelformat- und Großbildfotografie immer noch.
Heute können Sie jedes Bild digital scharfzeichnen - manchmal auch zu viel. Die Schärfe einer Kante richtet sich danach, wie abrupt Hell nach Dunkel oder eine Farbe in eine andere übergeht. Ein simpler Scharfzeichnungsfilter übertreibt ganz einfach den Helligkeitsunterschied zwischen nebeneinander liegenden Pixeln. Viele Programme bieten "Stark Scharfzeichnen" an, aber es erhöht diese Differenz nur. Es handelt sich um unnötig grobe Methoden, die Sie nicht benutzen sollten. Ein Profi bedient sich stattdessen des Filters "Unscharf maskieren".
Der Name klingt vielleicht widersprüchlich, aber er kommt von einer altbewährten Technik, mit der in der Druckindustrie Details scharfgezeichnet werden, ohne dass weichere Bereiche verändert werden. Bei der altmodischen - und unendlich viel Zeit kostenden - Methode legte man eine leicht unscharfe Lithografiekopie zwischen die Filme. Das digitale Pendant sucht im Bild nach Kanten - Liniengrenzen aus Pixeln, die in Kontrast zu den Pixeln auf der anderen Seite stehen - und zeichnet nur dort scharf. Bereiche zwischen den Kanten, die als relativ weich definiert wurden, bleiben unverändert. Der USM-Filter (Unscharf maskieren) gibt dem Anwender alle Kontrollmöglichkeiten über diese Funktion. Im Dialogfeld bestimmen Sie sowohl die Stärke als auch die Distanz zu der Kante, über die der Filter wirkt (Radius), und wie stark der Unterschied zwischen den einzelnen Kantenpixeln sein muss (Schwellenwert).
Es gibt viele Anwendungen für das Scharfzeichnen, weil jedes Ausgabegerät unterschiedliche Schärfegrade verlangt. Ihre Bildschirmdarstellung und Ihre Ausdrucke können Sie allein beurteilen, anders wie wenn Ihr Bild von einem Druckdienst oder Belichter weiterverarbeitet werden soll. Vielleicht möchte man dort das Scharfzeichnen selbst kontrollieren und deshalb lieber ein ungeschärftes Bild haben. Alle umfangreicheren Größenänderungen lösen automatisch eine Interpolation aus und erfordern ein anschließendes Scharfzeichnen. Deshalb sollten Sie diesen Filter immer als letzten Schritt anwenden. Die Wirkung wird glatter ausfallen, wenn Sie USM in mehreren kleinen Schritten und nicht in einem großen verwenden.
Ein Beispiel in wenigen Schritten: Scharfzeichnen - aber richtig.
Die Bewertung ist beim Weichzeichnen nicht so aufwändig wie beim Scharfzeichnen. Auch hier gibt es drei Standardvarianten: Weichzeichnen und Stark Weichzeichnen - beide verringern den Kontrast zwischen nebeneinander liegenden Pixeln - und den Gaußschen Weichzeichner, der besser zu kontrollieren ist. Auf den Gaußschen Weichzeichner sollten Sie prinzipiell zurückgreifen. Er zeichnet die Mitteltöne stärker weich als die Lichter und Tiefen und erlaubt es, den Radius einzustellen. Spezial-Weichzeichnungsfilter wie Bewegungsunschärfe, Radialer Weichzeichner und Verwackeln sind eigentlich Effektfilter. Der Selektive Weichzeichner hilft, Übergänge zu glätten, Beschädigungen zu retuschieren und Tiefenschärfe zu reduzieren, indem er Vorder- oder Hintergrund weichzeichnet.
Bildgröße beachten
Die Scharfzeichnung richtet sich nach Auflösung und Größe des Bilds. Bei einem 10-MB-Bild sind die Pixel im Vergleich kleiner als bei einem 1-MB-Bild. Sie brauchen also einen größeren Radius und meist auch eine höhere Stärke.