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Kameras für Adrenalinjunkies

Zu Lande, im Wasser und aus der Luft: Kompakte Action-Cams für Extremsportler sind angesagt wie noch nie. Doch welche Modelle sind empfehlenswert? Eine Fachzeitschrift hat zehn Geräte getestet.

Von Christoph Fröhlich

  Ob beim Surfen, Skateboarden oder auf dem BMX-Rad: Immer mehr Sportler halten ihre Erlebnisse mit kompakten Action-Cams fest.

Ob beim Surfen, Skateboarden oder auf dem BMX-Rad: Immer mehr Sportler halten ihre Erlebnisse mit kompakten Action-Cams fest.

Als der Extremsportler Felix Baumgartner vor knapp neun Monaten in 39 Kilometern Höhe aus der Druckkapsel eines Heliumballons stieg und sich Richtung Erde stürzte, hielten Millionen Menschen den Atem an. Fast fünf Minuten dauerte der Sprung aus der Stratosphäre, am Fernsehbildschirm war der Österreicher nicht mehr als ein verschwommener Punkt, der Richtung Erde taumelte, weil er von einer Kamera auf dem Boden gefilmt wurde. Deutlich spektakulärer sind dagegen die Aufnahmen einer Action-Cam, die direkt an Baumgartners Raumanzug befestigt wurde und den Sprung aus seiner Sicht filmte. Das Video wurde wenige Tage nach dem Sprung auf Youtube geladen. Es sind beeindruckende Aufnahmen vom Sprung bis zur Landung in der Wüste von New Mexico.

Auch in Deutschland greifen Extremsportler - und dabei muss es nicht gleich ein Sprung aus der Stratosphäre sein - immer häufiger zu den kleinen und unscheinbaren Action-Cams. Dafür gibt es viele Gründe: Die streichholzschachtelgroßen Geräte sind nicht nur kompakter als herkömmliche Camcorder, sondern auch deutlich widerstandsfähiger. Staub und Wasser kann ihnen eben so wenig anhaben wie Stürze. Die kleinen Kameras lassen sich zudem mit wenigen Handgriffen am Segel oder direkt auf dem Helm befestigen.

Doch welche Modelle sind empfehlenswert? Die Fachzeitschrift "c't" hat zehn HD-Modelle samt Zubehör zwischen 130 bis 450 Euro genauer unter die Lupe genommen. Für den Test wurden die Geräte auf Herz und Nieren geprüft: Sie wurden an ein Kiteboard und auf das Dach eines ferngesteuerten Autos geschnallt und im Aquarium versenkt, wo die Kameras neben vielen Unterwassertieren mit jeder Menge Salzwasser konfrontiert waren. Selbst eine ruppige Fahrt auf einem Motorrad und eine Seilbahnfahrt blieb den Geräten nicht erspart.

Teurer Testsieger

Sieger wurde die GoPro Hero 3 Black Edition: Die Outdoor-Kamera ist ohne Schutzgehäuse nur etwas größer als eine Streichholzschachtel, doch die Bildqualität ist beeindruckend. Zwar sind die Farben etwas flau, doch in puncto Schärfe, Details, Ausleuchtung und flüssiger Bewegungswiedergabe zählt die Kamera zu den besten im Test. Ebenfalls lobend erwähnt wird das verzerrungsarme Weitwinkelobjektiv. Im Tauchbetrieb konnte das Gerät vom Marktführer ebenso überzeugen, selbst bei wenig Licht sind noch Details erkennbar. Smartphone-Besitzer können mit einer passenden App (Android und iOS) die Kamera aus der Ferne bedienen und konfigurieren. So ist es möglich, vom Handy aus die Aufnahme zu starten und sich diese mit etwa drei Sekunden Verzögerung direkt aufs Display streamen zu lassen. Zudem gibt es Zubehör für beinahe alle Extremsportarten. Das Universaltalent hat aber seinen Preis: Der Testsieger schlägt mit 450 Euro zu Buche.

Ebenfalls empfehlenswert ist laut "c't" die JIB 4 AEE von Jobo. Das Gerät hat ein ansteckbares Display, einen Zusatzakku, der die Laufzeit auf bis zu 4,5 Stunden erhöht und ein Unterwassergehäuse, das bis zu 60 Meter Wassertiefe dicht hält. Dank GoPro-Kompatibilität kann die Kamera mit fast jedem Zubehör verwendet werden. Die Bildqualität ist laut dem Test gut, selbst heftige Bewegungen verarbeitet die Kamera ohne Probleme. Allerdings ist das Bild in den Ecken etwas dunkler (Vignettierung), bei guter Schärfe gibt es zudem einen leichten Gelbstich. Bei Taucheinsätzen werden Objekte, die mehr als anderthalb Meter vom Objektiv entfernt sind, etwas unscharf aufgenommen. Der Preis: 249 Euro.

Auch günstige Kameras machen gute Bilder

Preisbewusste Hobbysportler sind mit der Polaroid XS100 HD 1080p gut beraten. Mit 130 Euro ist die Full-HD-Kamera am unteren Ende des Preissegments angesiedelt. Auch bei schnellen Bewegungen liefert die Polaroid im Test vergleichsweise scharfe Videos, bei guten Lichtbedingungen sind die Farben satt und natürlich. Der Ton ist bei Wind allerdings miserabel, Erschütterungen schlagen sich drastisch auf die Aufnahmen durch, so die Tester. Die Kamera ist bis zu zehn Meter Tiefe wasserdicht, die Unterwasser-Bildqualität ist eher mittelmäßig. Eine Wlan-Fernsteuerung sucht man bei diesem Modell vergeblich.

Auch die Contour +2 HD konnte im "c't"-Test mit ihrem Design und Bedienkonzept punkten: Mit einem Schiebeschalter können Aufnahmen gestartet werden, zwei helle LEDs zeigen den Aufnahme- und SD-Karten-Status sowie aktiviertes GPS und Bluetooth. Praktisch: Eine mitgelieferte Software namens "Storyteller" zeigt bei der Wiedergabe neben dem Videobild auf einer Google-Maps-Karte die zurückgelegte Route, die Distanz und das Geschwindigkeits- und Höhenprofil. So lassen sich etwa die Rundenzeiten bei Rennstrecken kontrollieren.

Tipps für den Kamerakauf

Beim Vergleich der Kameras zeigen sich laut "c't" große Unterschiede. Viele billige Modelle haben eine schlechte Bildqualität, weil die Linsen nicht exakt eingebaut sind. Nicht nur die Verarbeitung sollte vor dem Kauf genauer angeschaut werden, sondern auch die technischen Daten. Fast alle Action-Cams zeichnen im Dateiformat MPEG-4 AVC (H.264) auf. Unterschiede gibt es aber bei der Auflösung (VGA, HD, Full HD) und bei der Bildwiederholrate. Die ist wichtig, wenn es um schnelle Bewegungen geht: Günstige Modelle schaffen oft nur 25 Bilder pro Sekunde (FPS), schnelle Bewegungen wirken dann jedoch ruckelig. Besser sind 50 oder gar 60 FPS. Top-Modelle schaffen 120 oder gar 240 Vollbilder pro Sekunde, womit ansehnliche Zeitlupeneffekte möglich sind. Um Kameras, die nur Interlace-Videos aufzeichnen, sollten Käufer einen Bogen machen, weil die Bilder bei horizontalen Bewegungen sichtbar ausfransen.

Wer Wert auf guten Ton legt, muss auf einen separaten Mikrofoneingang achten: Der direkt aufgezeichnete Ton vieler Action-Cams klingt häufig miserabel. Viele Modelle sind spritzwassergeschützt konstruiert, und wo kein Wasser rein kommt, hat es auch Schall schwer. Noch schlechter wird der Ton bei Unterwassergehäusen. Allerdings sind externe Mikrofone in vielen Extremsportsituationen unpraktisch.

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