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10. September 2009, 09:54 Uhr

Die Messias-Show

Apple-Gründer Steve Jobs ist wieder da: 30 Pfund leichter und frenetisch gefeiert von seinen Jüngern. Die Apple-Produkte, die er präsentierte, gerieten dadurch fast zur Nebensache. Von Karsten Lemm, San Francisco

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Bei seinem ersten Auftritt nach seiner schweren Krankheit wurde Steve Jobs mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen begrüßt© Monica M. Davey/DPA

Neun Monate mussten sie ohne ihn auskommen. Neun lange Monate des Bangens, des Unbehagens, der unbeantworteten Fragen: Wie geht es ihm? Wann kommt er zurück? Und mal angenommen, er käme nicht zurück, wie ginge es dann ohne ihn weiter? Seit gestern, seit diesem Mittwoch mit dem denkwürdigen Datum 9.9.09, gibt es endlich Antworten, hat die Unsicherheit in der Apple-Welt ein Ende. Denn er ist wieder da. Steve Jobs, der Chef und Mitgründer des kalifornischen Computerherstellers, ist zurückgekehrt, gesund genug, um vor die Öffentlichkeit zu treten und eine frische Kollektion von iPods für das Weihnachtsgeschäft vorzustellen.

"Ich stehe wieder senkrecht", verkündete der 54-Jährige zum Auftakt der Veranstaltung am Mittwochmorgen. "Ich bin zurück bei Apple, und ich genieße jeden einzelnen Tag." Er lächelte glücklich, aber man sah ihm an, dass schwere Monate hinter ihm liegen: Hager stand er da auf der Bühne in einem Künstlerzentrum in San Franciscos Innenstadt, ähnlich dünn und zerbrechlich wirkend wie bei seinem letzten Auftritt dieser Art vor genau einem Jahr am selben Ort. Schon damals wurde spekuliert, Jobs sei wieder schwer krank, so wie schon einmal im Sommer 2004, als ihm ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse entfernt werden musste. Dementis folgten, doch als der Apple-Chef im Januar eine Auszeit nahm, um sich auf seine Gesundheit zu konzentrieren, war klar, dass die Lage ernster war, als es die Firma und der Mann an ihrer Spitze zugeben mochten.

Nur eine Lebertransplantation im Frühjahr rettete Jobs das Leben, wie er jetzt selbst einräumte: "Ich habe nun die Leber eines Menschen, der mit Mitte 20 bei einem Auto-Unfall gestorben ist und so großzügig war, seine Organe zu spenden", berichtete Jobs bei seinem Comeback-Auftritt. "Und ohne diesen Großmut wäre ich heute nicht hier." Sichtlich bewegt forderte der Familienvater sein Publikum auf, darüber nachzudenken, ebenfalls Organspender zu werden. Die Apple-Gemeinde, der Jobs für die "von Herzen kommende Unterstützung" dankte, bejubelte derweil in Internetforen die Rückkehr ihres spirituellen Anführers: "Wooooooh!" brach es bei AppleInsider.com aus dem ansonsten sprachlosen Nutzer "ascii" heraus. "Welcome back, Steve!", freute sich "Bergermeister" und jauchzte: "Er präsentiert selbst!!!"

Updates statt Innovationen

Was Jobs präsentierte, war allerdings auf den ersten Blick wenig sensationell: kein Mac mit Touch-Screen, wie ursprünglich gemunkelt, auch keine Beatles-Alben im iTunes-Laden (der immerhin ein neues Design bekommen hat). Stattdessen ein billigerer iPod Shuffle, jetzt ab 55 Euro. Das ist fast schon Routine, wie jedes Jahr im Herbst, wenn die iPod-Kollektion aufgefrischt wird. Der iPod Nano bekommt Radio-Empfang und eine Videokamera. Live-Sendungen im Radio können angehalten und später fortgesetzt werden; Videos lassen sich direkt auf dem Display bewundern, das nun etwas größer ist, oder durch Synchronisieren mit einem Rechner ins Internet stellen, etwa bei YouTube, Facebook oder Apples eigenem "MobileMe"-Service. Die Bildqualität entspricht mit 640 mal 480 Bildpunkten etwa dem Standard-Fernsehformat. Das Modell mit 8 Gigabyte Speicher, zu haben für 140 Euro, bietet laut Apple Platz für bis zu sieben Stunden Video oder 2000 Musiktitel oder 7000 Fotos. Beim 16-Gigabyte-Nano, der nur 30 Euro mehr kostet, sind es doppelt so viele Daten.

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