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21. Januar 2010, 10:31 Uhr

Warten auf das Wundertablett

Am 27. Januar stellt Apple mal wieder ein neues Gerät vor. Alle Welt erwartet den "iSlate", ein Mix aus iPhone und Macbook. Wahre Wunder soll das Gerät vollbringen - doch gesehen hat es noch keiner. Von Gerd Blank

Apple, iPhone, iSlate, Mac, OSX, Steve Jobs

Mit dieser Einladung werden Journalisten auf die Apple-Veranstaltung am 27. Januar 2010 eingestimmt© Apple

Jetzt ist es raus: Apple wird am 27. Januar neue Produkte präsentieren. Damit bestätigt sich zumindest der Termin, den die Gerüchteküche seit Wochen kolportiert hat. "Come see our latest creation" ("Kommen Sie und sehen Sie unsere neueste Kreation") steht auf der Einladung, die an einige Journalisten verschickt wurde. Mitten auf der Einladung prangt das Apple-Logo, der angebissene Apfel. Rundherum sieht man viele bunte Farbkleckse. Das war's an Infos, um welche Kreation es sich handelt, verrät der Konzern nicht.

Apple beherrscht das Spiel mit den Erwartungen perfekt. Infos zu neuen Produkten werden so lange geheim gehalten, bis Steve Jobs ein neues iDings aus der Tasche zieht. Für den 27. Januar wird nichts weniger erwartet als das achte Weltwunder. Gadget-Websites haben sogar hohe Belohnungen für Fotos von dem Gerät ausgeschrieben. In der Autoindustrie nennt man solche geheimen Produkte Erlkönige. Von keinem anderen Computerhersteller wird so etwas erwartet. Eine schwere Last, denn jedes neue Produkt muss gleichzeitig technische Innovation und revolutionär sein. Es muss auf andere Industrien ausstrahlen. Zweimal hat Steve Jobs bereits solche Geräte vorgestellt. Mit dem iPod konnte Apple nicht nur die Marktführerschaft bei portablen Musikabspielern sondern auch im Vertrieb von digitalen Songs übernehmen. Und mit dem iPhone entwickelte Apple eine Blaupause für das perfekte Smartphone.

Es sind weniger die Konsumenten, die in den Startlöchern stehen und es nicht abwarten können, dass Apple eine neue Hardware in den Handel bringt. Es sind die Verlage und die Medien. Dank iPod wurden MP3-Dateien vom Nischenprodukt zum Geschäftsmodell, mit dem iPhone wurde eine Renaissance kleiner Programme eingeläutet, der so genannten Apps. Nun soll eine neue Hardware den gebeutelten Medienhäusern die Möglichkeit bieten, Inhalte auch auf elektronischen Geräten lesbar zu machen. Es gibt zwar schon E-Books, und auch auf Computern lassen sich Texte lesen - aber noch immer wird das gedruckte Wort dem aus Pixeln vorgezogen.

Veranstaltungsort ist kein Zufall

Was genau Apple am 27. Januar im Yerba Buena Center for the Arts vorstellt, ist noch nicht bekannt. Aber die Wahl des Veranstaltungsorts ist sicher kein Zufall, denn dort gibt es Kunstausstellungen, Filmabende und Aufführungen. Auch die Farbkleckse auf der Einladungskarte zeugen davon, dass Kunst ein großes Thema sein wird. Ganz klar: Apple wird ein Gerät vorstellen, mit dem Videos und Bilder sowie Magazine und Bücher auch unterwegs angeschaut werden können. Ein wahrscheinlich rund zehn Zoll großes Display, natürlich berührungsempfindlich, wird die Inhalte sicher blendend aussehen lassen. Auch ein möglicher Name geistert bereits durchs Netz: "iSlate" (Slate=Schiefertafel). Ob es sich bei dem Gerät nur um eine größere Version des iPhones, des iPod Touch oder um ein kleineres Macbook handelt, ist eigentlich egal. Es kommt nicht mehr auf das Betriebssystem an. Wichtig sind Inhalte und wie diese auf das Gerät kommen. Da liegt es nahe, dass Apple die etablierte Infrastruktur mit Appstore und iTunes nutzen wird.

Apples Schaltzentrale für alle Medieninhalte ist und bleibt iTunes. Ob Filme, Musik, TV-Serien, Programme und Podcasts: All das lässt sich schon jetzt per Mausklick oder per iPhone herunterladen. Da ist es nur logisch, dass der iTunes Store auch zum Kiosk aufgebohrt wird. Gut informierte Kreise - dieselben Kreise, die auch das neue Apple-Gadget vorhergesagt haben - wollen von einer Kooperation der "New York Times" mit Apple wissen. Eine spezielle Version der Zeitung als E-Paper soll zum Start des "iSlate" zur Verfügung stehen. Doch nicht nur die "New York Times" hat ein Auge auf das Apple-Display geworfen. Alle großen Verlage bereiten sich darauf vor, Tageszeitungen und Magazine für die neue Geräteklasse zu optimieren. Denn die Verkäufe an den Kiosken und Abonnentenzahlen gehen zurück, also müssen neue Konzepte entwickelt werden, um Inhalte an Leser zu verkaufen. Und Apple hat in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen, dass es etwas vom Vertrieb digitaler Inhalte versteht.

Gefährliche Bindung

Allerdings sind die enge Bindung an und die große Hoffnung auf das Apple-Prinzip nicht ohne Gefahr. Verlage müssen sich darauf einstellen, dass Apple Einfluss auf die Inhalte nehmen wird. So sperrte das Unternehmen eine spezielle Anwendung von stern.de für das iPhone, weil dort nackte Tatsachen gezeigt wurden. Um eine mögliche Sperre zu verhindern, lässt "Bild" bei seiner iPhone-App vorsorglich per Bildbearbeitung alle blanken Brüste retuschieren. Zudem verdient Apple beim Verkauf von Anwendungen kräftig mit, rund 20 Prozent des Verkaufspreises landen beim Unternehmen.

Am 27. Januar ist das Rätselraten vorbei. Steve Jobs, der noch vor über einem Jahr sagte, er wisse nicht, wie man einen günstigen Kleincomputer in guter Qualität bauen könne, wird unter dem Jubel der Anwesenden ein wegweisendes Gerät vorstellen. Nur ob sich wirklich alle ein "iSlate" kaufen werden, steht in den Sternen. Auch über einen neuen Porsche wird viel geschrieben, gefahren wird er von den wenigsten.

Von Gerd Blank
 
 
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KOMMENTARE (5 von 5)
 
swordper (22.01.2010, 22:44 Uhr)
Teuer aber genial
Wie kann man sich über was aufregen was man nicht nutzt? Wenns was billiges für Windoof gibt dann holts euch doch und zieht nicht über Nutzer her die das nötige Kleingeld investieren und sich was von Apple holen. Ich hatte seit 10 Jahren mit Windows zu tun und dann habe ich mir erst nen Ipod , dann ein Iphone und nun noch ein Macbook geholt. Habe mich seit dem nicht mehr am Computer rumgeärgert das irgendwas nicht so ging wie es sollte oder das ich noch Dies oder Das brauchte. Wenn man davon keine Ahnung hat und lieber nach Technischen Daten schaut die nicht viel bringen mit dem falschen OS dann sollte man beim Thema Apple einfach mal ruhig sein. Ich habe die Apple-User früher auch ausgelacht und sie gefragt ob sie zuviel Geld haben. Jetzt weiß ich warum. Die Welt würde auch ohne Windows laufen aber was man nicht kennt zieht man durch den Dreck. Aber das wird sicher weiter getan werden und so erfreut man sich doch gern an dem Neid der Ahnungslosen. Viel Spaß beim lächerlichmachen ..... weiter so^^
alecsk (22.01.2010, 09:54 Uhr)
Immer noch nicht verstanden
Es sind immer die gleichen Kommentare die zum Thema Apple zu finden sind. Ich möchte an dieser stelle noch einmal deutlich machen das die Käufer von Apple Produkten wie iPod, iPhone oder einmal iSlate nicht ständig als Idioten dargestellt werden sollten. Denn es ist längst nicht mehr die klischeehafte Käuferschicht welche Apple Produkte kauft.

Ihr vergesst das sich die meisten Personen schlichtweg nicht für technische Details interessieren. Sie bekommen ein einfaches, innovatives und schickes Gerät das auch noch problemlos funktioniert ohne fundierte Kenntnisse zu besitzen.

Ich zitiere einen Mitschreiber:
Vielel Unternehmen haben Freaks als Programmierer die Hard- und Software für Freaks schreiben. Apple hat auch Freaks - die verstehen es aber Hard- und Software für die Masse zu produzieren.
Tyndal (21.01.2010, 14:02 Uhr)
Pressefreiheit
Apple sperrt also eine Anwendung vom Stern - und trotzdem macht der Stern kostenlose Werbung für Apple? Während Google in China und YouTube/Twitter im Iran für unzensierte Medien kämpfen, toleriert der Stern eine Zensur der Inhalte in Deutschland. Nur wehe die Regierung maßt sich mal wieder an Computer und Unterlagen von Journalisten zu durchsuchen, da wird ein riesiges Theater veranstaltet. Warum lässt man Apple so eine Einflussnahme durchgehen und zieht keine Konsequenzen?
facility (21.01.2010, 11:57 Uhr)
Apple-Falle
Da is der Stern mal wieder in die Apple-Merchandise-Falle getreten.
Außer guter Haptik bzw. einem genialen Touch-Feeling wird das Ding nichts außergewöhnlich neues bringen.
90 Prozent (die Zahl soll natürlich nur die Tendenz veranschaulichen) der Käufer sind Menschen, die von dem, was letztendlich in den iPhones / iPods / (iSlates) an Technik steckt, keine Ahnung haben. Kein Wunder, dass man beim Klick auf "Technische Daten" auf der Apple-Seite keine Informationen zb über die Prozessorgeschwindigkeit bekommt.
So freut sich bestimmt jeder iPod Benutzer, wenn er weiss, dass er WLAN nutzen kann. Wenn er dann erfährt, dass der selbe Chip auch noch Bluetooth und FM-Radio unterstützt, fragt er sich (hoffentlich), wieso er diese Funktionalität nicht nutzen darf. Klar, er soll ja nicht Radio hören, sondern die Songs brav bei iTunes kaufen.
Zensur und Bindung an bestimmte Dienste wurden ja schon erwähnt.
Am Ende hilft Apple natürlich eine Gemeinde, die blind folgt und über jeden Zweifel erhaben ist. Für die Ausführung der psychischen Hintergründe werden bestimmt noch weitere Artikel wohlwollend vom Stern bereitgestellt.
Motzerator (21.01.2010, 11:01 Uhr)
Die Spannung steigt: Wo ist diesmal der Haken?
Immer wenn Apple ein neues Produkt auf den Markt bringt, ist dieses innovativ und hat dann immer irgend einen Haken, der es leider unbrauchbar macht, sei es die Providerbindung an T-Mobile beim iPhone, der Zwang zur Benutzung von iTunes beim iPod oder die Beschränkung auf Apple PC beim Mac OS.

Nun kommt also die spannende Frage, wo der Haken beim iSlate sein wird und ich will mich gleich an den Spekulartionen beteiligen.

Das Ding wird also aussehen wie ein überdimensionales iPhone oder wie ein Mini Notebook ohne Tastatur. Da von einer Software Kompatibilität zum iPhone ausgegangen wird, handelt es sich wohl um eine ähnliche Hardware Plattform und die wird zu einem Preis, wo man anderswo ein komplettes Notebook für bekommt vertrieben.

Da freue ich mich schon darauf, was die zweite große Innovationskraft im PC Markt ASUS als Antwort darauf zu bieten hat.

Es gibt bereits Referenzdesigns für solche Tablets mit einer nicht Intel Hardware die für etwa 200 Euro über den Ladentisch gehen sollten. Wer weis, vieleicht geht die Tablet Runde diesmal nicht an Apple.
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