Im vierten und letzten Teil unserer Serie für bessere Urlaubsbilder gibt es noch einmal Retuschier-Tipps vom Profi-Fotografen: Wie Sie Schiefes gerade biegen sowie Farben und Schärfe korrigieren. Von Michael Freeman

Farbstiche lassen sich einfach korrigieren© Michael Freeman
Man hält bei nahezu allen Fotos die Kamera mehr oder weniger in der Waagerechten, so dass sich kaum perspektivische Verzerrungen ergeben. Wenn man die Kamera aufwärts oder abwärts richtet, entspricht das Bild nahezu immer den Erwartungen. Bei höheren Gebäuden entsteht aber eine Verzerrung, sobald man die Kamera nach oben richtet: Die Vertikalen verjüngen sich nach oben hin und das Gebäude sieht aus, als neige es sich nach hinten. Das ist eine Frage der Perspektive und keine optische Täuschung. Nicht nur das Objektiv sieht diese Verjüngung, sondern auch das menschliche Auge. Im wirklichen Leben nehmen wir das als normal hin und ignorieren es, während es uns auf einem Foto ins Auge sticht. Am einfachsten ist es, wenn Sie die Kamera nicht neigen, sondern gerade halten. Das ist aber leichter gesagt als getan, wenn andere Gebäude die Wahl des Standorts einschränken.
In der konventionellen Fotografie wird hierbei ein spezielles Objektiv benutzt, das so genannte Shift-Objektiv oder PC-Objektiv (PC = perspective control). Es ermöglicht eine gerade Kamerahaltung, denn Sie können den vorderen Teil des Objektivs mechanisch nach oben oder unten verschieben. Weil bei diesem Verschieben der obere Teil des Motivs im Bild nach unten gezogen wird, decken die Elemente des Objektivs einen größeren Bildbereich ab als der Film (oder das CCD). Dieser Effekt lässt sich auch digital erzeugen, indem Sie das Foto entsprechend entzerren. Ändern Sie die Größe des Motivs allmählich von oben nach unten, strecken Sie den oberen Bereich und komprimieren Sie den unteren. Auf dem Bildschirm sehen Sie einen rechteckigen Hilfsrahmen, dessen Ecken Sie im Randbereich verschieben können. Wenn Sie eine Ecke bewegen, verschiebt sich die gegenüberliegende automatisch so mit, dass die Änderungen immer symmetrisch ausfallen. Der rechteckige Rahmen sieht dabei wie ein Trapez aus, dessen äußere Winkel die Gegenstücke zu denen des Motivs bilden. Blenden Sie für ein präzises Arbeiten das Lineal am Rand des Originalmotivs ein. Fahren Sie mit dem Messwerkzeug parallel von einer Ecke zum äußeren Rand des Gebäudes. Notieren Sie sich den Schnittpunkt dieser Messlinie mit dem Lineal und verschieben Sie dann über den Befehl "Bearbeiten: Transformieren: Perspektivisch verzerren" eine Ecke bis zu diesem Punkt.
Durch die Größenänderung des Bilds kann die Schärfe leiden und sie muss eventuell nachbearbeitet werden. Dazu legen Sie sich eine transparente Ebene mit einem linearen Verlauf an, stellen den Mittelpunkt auf 50 Prozent und bearbeiten die Schärfe. So korrigieren Sie die Bildschärfe analog zur Streckung des Motivs fließend von oben nach unten (oder umgekehrt). Bei einer Verkleinerung des Maßstabs ist weniger Interpolation als bei einer Vergrößerung erforderlich. Komprimieren Sie lieber den unteren Bereich des Bilds, statt den oberen zu strecken, die Bildqualität könnte dadurch gewinnen. Haben Sie die Perspektive des kompletten Bilds korrigiert, müssen Sie es wieder rechteckig zuschneiden. Es geht zwangsläufig ein Teil verloren, wenn das Gebäude das Bildformat in der Breite ausfüllt. Alternativ können Sie den Hintergrund erweitern oder sogar ersetzen. Markieren Sie in solchen Fällen die Kontur des Motivs und korrigieren Sie nur diese Auswahl, denn dadurch bleibt mehr Hintergrund zum Kopieren erhalten. Das kann natürlich nur dann funktionieren, wenn der Hintergrund nicht perspektivisch verzerrt ist.
Das Beispiel zeigt, wie Sie in wenigen Schritten stürzende Linie begradigen: Schiefes gerade biegen.
Gefunden in ... Dieser Text entstammt dem Buch "Digital fotografieren. Die richtige Kamera, Aufnahmetechnik, Ideengeber" von Michael Freeman. Freemans neues Buch heißt "Die fotografische Idee. Bildkomposition und Aussage", Verlag Markt + Technik, 29,95 Euro.
Michael Freeman ist international renommierter Fotograf und arbeitet regelmäßig für Time-Life Book, Reader's Digest und die BBC. Er hat mehr als 20 Fotobücher verfasst.
stern.de-Serie für bessere Urlaubsfotos In Folge eins unserer Serie über das nachträgliche Verbessern Ihrer Urlaubsfotos haben wir Ihnen Programme verschiedener Preisklassen für die Bildbearbeitung vorgestellt: "Helfer für bessere Urlaubsfotos
Folge zwei beschäftigte sich mit ganz einfachen Tricks der Bildbearbeitung: "Wellness für Urlaubsbilder"
Folge drei brachte die ersten Profitricks von Michael Freeman: Verschwindet aus meinen Urlaubsfotos.