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Der Walkman ist zurück - leider zum Wucherpreis

Mit dem Walkman erschuf Sony einen Meilenstein der Geschichte. Nun wollen die Japaner den Ruhm der Bandsalat-Ära mit einer Neuauflage des Walkmans wieder aufleben lassen. Doch die hat ihren Preis.

Von Christoph Fröhlich

  Der neue Walkman funkt die Musik bequem an Bluetooth-Kopfhörer

Der neue Walkman funkt die Musik bequem an Bluetooth-Kopfhörer

Mit dem ersten Walkman aus dem Jahr 1979 revolutionierte Sony nicht nur das Musikhören an sich, sondern veränderte zugleich eine ganze Generation. Lauschte man bis dahin meist zuhause seelenruhig seinen Platten, kam die Musik nun vom Band und man konnte so auch unterwegs seine Lieblings-Songs in Endlosschleife anhören. Eine Schönheit war der eckige, blaue Plastikklotz mit den grauen Tasten nicht. Er hatte die Form eines Backsteins und zog mit knapp 400 Gramm ordentlich am Hosenbund. Zum Vergleich: Das iPhone 6 wiegt gerade einmal 129 Gramm. Dennoch wurde der Walkman für viele Menschen zum täglichen Treibstoff des Alltags. Kopfhörer auf und die triste Außenwelt ausblenden, das war die Devise. Der Walkman wurde zum Mega-Erfolg - und mit ihm die Kassette, die in puncto Verkaufszahlen 1983 erstmals die Langspielplatte hinter sich ließ.

Nun will Sony offenbar vom Ruhm der früheren Tage profitieren, weshalb nun anlässlich der Hightech-Messe CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas die neueste Generation des Walkmans aus dem Ärmel gezogen wurde. Sie kommt ohne Kassetten oder sonstige physische Medien aus und richtet sich vor allem an solvente Musik-Fans. Denn beim Preis muss man zweimal hinschauen: Sony verlangt für den NW-ZX2, so der Name des 2015er-Walkmans, satte 1120 Dollar, das sind rund 940 Euro.

Sound besser als von der CD

Optisch erinnert der neue Walkman an ein Mini-Smartphone. Das Touch-Display misst 4 Zoll und hat eine eher mickrige Auflösung von 854 x 480 Pixeln. Highend ist das jedenfalls nicht, selbst das vier Jahre alte iPhone 4 ist schärfer. Auch das Betriebssystem Android 4.2 gehört mittlerweile zum alten Eisen. Der Walkman selbst misst 64,7 x 130,4 x 16,2 mm und wiegt 235 Gramm. Damit ist er auch kein Leichtgewicht, aber knapp 100 Gramm leichter als der Ur-Walkman. Der Rahmen des NW-ZX2 besteht aus gefrästem Aluminium, das Innenleben ist laut Sony aus handverlesenen Komponenten zusammengesetzt, die einen perfekten Klang ermöglichen. Und der wiederum soll das große Preisschild rechtfertigen.

Die Musikwiedergabe auf dem Walkman ist besser als von einer Audio-CD, behauptet Sony. Die Qualität soll die von Master-Aufnahmen im Studio erreichen, "ganz so wie es die Künstler beabsichtigt haben", heißt es in der Pressemitteilung. Verantwortlich dafür ist Sonys "S-Master HX"-Prozessor, er ist zugleich einer der größten Preistreiber des Geräts. Der digitale Verstärker kann normale MP3s hochskalieren und die Wiedergabequalität deutlich verbessern. Er unterstützt zudem das Premium-Format High Definition Audio, allerdings benötigt man dafür zwingend auch die passenden Lautsprecher oder Kopfhörer.

Eine Konkurrenz für den Pono Player?

Die Sorge, dass nicht alle Lieblings-Alben auf den Player passen, ist unbegründet: Der interne Speicherplatz beträgt 128 Gigabyte, dieser kann via microSD-Karte um weitere 128 Gigabyte erweitert werden. Mit einer Akkuladung soll der Player rund 60 Stunden durchhalten. Via NFC, Wlan oder Bluetooth kann der Player mit Lautsprechern oder Kopfhörern verbunden werden. Viele Musikliebhaber dürften über den Schritt zur drahtlosen Übertragung verwundert sein, denn Bluetooth ist nicht gerade bekannt dafür, höchsten Audiostandards zu genügen. Doch Sony vertraut auf einen speziell entwickelten LDAC-Codec, der deutlich mehr Daten über Bluetooth transportieren soll, was sich wiederum positiv auf die Qualität auswirkt.

Ein genaues Releasedatum hat Sony bislang nicht bekanntgegeben. Solange ist unklar, ob der Walkman den stolzen Preis wert ist - oder ob Audio-Liebhaber mit dem 400 Dollar teuren Pono-Player von Neil Young nicht ähnlich glücklich werden.

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