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GoPro in der Krise: Das Ende eines Rauschs

Kleine Actionkameras für Sportler und deren spektakuläre Videos haben GoPro reich und berühmt gemacht. Doch nach dem Raketenaufstieg droht nun der Absturz: Die Aktie ist im Keller, viele Mitarbeiter müssen gehen.

GoPro-Chef Nick Woodman

GoPro-Chef Nick Woodman war sich oft für keinen Spaß zu schade - doch bei den aktuellen Unternehmenszahlen dürfte er wenig zu lachen haben

"Be a Hero", sei ein Held, das ist das Motto des Actioncam-Herstellers GoPro. Immer ans Limit gehen und kein Risiko scheuen: Unternehmens-Chef Nick Woodman, selbst Hobby-Surfer, lebte diese Maxime jeden Tag. Innerhalb weniger Jahre gelang es ihm, aus einem Start-up ein weltweit agierendes Unternehmen zu machen. Wohl jeder Mensch kennt die Mini-Kameras im wasserdichten Plastikmantel, die an Helmen, Segeln oder Drohnen kleben. Der Name GoPro wurde zum Synonym für Actioncams, dem wohl angesagtesten Gadget für Sportler im Zeitalter des Selfies. Im Juni 2014 ging das Unternehmen an die Börse, mit Mitte 30 war Woodman Milliardär. Ein raketenhafter Aufstieg.

GoPro kämpft gegen günstige Konkurrenten

Doch so schnell, wie GoPro groß wurde, ist der Hype auch wieder abgeflacht. Die Verkaufszahlen stagnieren, der Umsatz entwickelt sich schlechter als erwartet. An der Börse kennt die Aktie seit Monaten nur eine Richtung: Es geht steil nach unten. Zuletzt waren die Zahlen so schlecht, dass nun 100 von insgesamt 1500 Mitarbeitern ihren Schreibtisch räumen müssen. Vor wenigen Tagen verließ der führende Manager Zander Lurie das Unternehmen in Richtung eines Onlineumfrage-Unternehmens. Für die Talfahrt gibt es mehrere Gründe.

GoPro war der Pionier im Geschäft mit Actioncams, die erste Kamera wurde 2005 verkauft. Seitdem hat sich der Markt stark verändert: Billiganbieter aus Asien (etwa Xiaomi aus China) bieten mittlerweile Einsteigermodelle für umgerechnet 70 Dollar an - knapp die Hälfte der billigsten GoPro. Auch andere Firmen wie HTC oder TomTom mischen mit. Für Gelegenheitsfilmer sind die günstigen Modelle oft deutlich attraktiver als das Original.

Hero 4 Session war kein Hit

Zudem wurde GoPro ein Stück weit Opfer seines eigenen Erfolgs: Mit der Hero 4 Silver und Hero 4 Black landete man im Herbst 2014 zwei Hits, an die das Unternehmen nicht mehr anknüpfen konnte. Die neue Hero 4 Session setzte sich bei Adrenalinjunkies nie durch, viele griffen zu den Vorgängermodellen, die technisch immer noch auf der Höhe der Zeit sind. Die angepeilten 400 Dollar für das aktuelle Modell mussten erst auf 300, im Weihnachtsgeschäft schließlich auf 200 Dollar korrigiert werden. Ein herber Einschnitt, der den Umsatz weiter drückt.

Viele Analysten sind der Meinung, dass GoPro das Marktpotenzial weitgehend ausgeschöpft hat. Sprich: Wer eine Actioncam haben wollte, besitzt bereits eine. Und die Erneuerungszyklen sind weit geringer als etwa bei Smartphones. Eine Actioncam wird nur alle paar Jahre durch ein neueres Modell ersetzt, wenn sie nicht gerade beim Surfen im Meer verschwindet.

GoPro setzt jetzt auf Drohnen

Ob GoPro das Ruder noch einmal herumreißen kann, wird sich in diesem Jahr zeigen. Mit Spannung wird die Einführung des Premium-Modells "Hero 5" erwartet, die dem Markt neue Impulse verleihen soll. Mit 360-Grad-Videos will man ein weiteres Standbein im boomenden Geschäft mit der Virtual Reality aufbauen.

Ein weiterer Hoffnungsträger hört auf den Namen Karma. Dabei handelt es sich um eine Drohne, die noch in diesem Jahr abheben soll. Doch in diesem Segment ist GoPro kein Pionier, sondern nur noch Mitläufer. Andere Unternehmen wie Parrot oder DJI haben sich in der Branche längst einen Namen gemacht. Doch die filmenden Multicopter sind noch nicht im Massenmarkt angekommen. Vielleicht wird Nick Woodman noch einmal zum Helden.

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