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8. September 2009, 10:48 Uhr

Hochauflösend und verwirrend

Deutschland ist ein Entwicklungsland, was das hochauflösende Fernsehen angeht. ARD, ZDF und einige Privatsender werden erst in den kommenden Monaten in HD ausstrahlen. Gerade die Pläne der Privaten könnten für Unmut und für Verwirrung beim Kunden sorgen.

HDTV, Fernsehen, HD+

HDTV ist seit Jahren das beherrschende Thema auf der Ifa© Alina Novopashina/DPA

Die TV-Branche sieht sich mit den neusten Entwicklungen rund um das hochauflösende Fernsehen HDTV auf gutem Weg. Zum Ende des Jahres werden in Deutschland insgesamt 19 Millionen HD-fähige Fernsehgeräte in den Haushalten stehen, sagte der Vorsitzende der Deutschen TV-Plattform, Gerhard Schaas, auf der Funkausstellung Ifa in Berlin. Die Zahl der eingebauten und externen HDTV-Empfänger liege bei 4,7 Millionen. Allerdings dürften die geplanten technischen Verschlüsselungsverfahren unter den Verbrauchern auf wenig Gegenliebe stoßen.

Lange hat die Unterhaltungselektronik-Branche darauf gewartet, dass den Konsumenten Inhalte in hoher Auflösung auf breiter Front zur Verfügung stehen. Von dem nun anstehenden Start regulärer HD- Übertragungen erhofft sich die Industrie einen kräftigen Schub. Das HD-Angebot der Fernsehsender habe sich innerhalb von 12 Monaten bereits verdoppelt, berichtete Schaas, der auch Manager des Fernsehgeräte-Herstellers Loewe ist. Im Februar 2010 wollen die öffentlich-rechtlichen Sender mit HD-Programmen in den Regelbetrieb gehen, RTL und Vox wollen bereits im Herbst mit ihren HD-Kanälen über Satellit starten. Allerdings werden die Sendungen der privaten Sender mithilfe der neuen Schnittstelle CI Plus ausschließlich verschlüsselt ausgestrahlt.

Einschränkungen in Sicht

Aller Voraussicht nach werden Fernsehzuschauer, die künftig über Astra-Satellit die neuen Programme empfangen, auf viele Gewohnheiten verzichten müssen. So werden die Sendungen möglicherweise nicht mehr unbegrenzt aufzunehmen sein. Es gebe konkrete Pläne, dass aufgezeichnete Sendungen nur noch innerhalb von 72 Stunden angesehen werden können, hieß es aus Branchenkreisen. Auch das Überspringen von Werbeblöcken beim zeitversetzten Fernsehen würden die Satellitenbetreiber und Sender künftig gern unterbinden. Auch ist von Plänen die Rede, dass der HD-Empfang der Privatsender nur im ersten Jahr kostenlos sei, danach aber eine Gebühr fällig werden könnte.

Selbst die Ausstrahlung von Fernsehsignalen über Antenne im Format DVB-T will RTL künftig zum Teil verschlüsseln. Die Mediengruppe will auch im Raum Stuttgart sowie in Leipzig Teile ihres Programms über das Kodierverfahren MPEG4 und die Zugangstechnologie Conax verschlüsseln. Geplant sind in diesem Zuge neben den herkömmlichen Sendern im MPEG2-Format erstmals sechs weitere Programme, darunter auch kostenpflichtiges Premium-Angebote wie der Krimikanal RTL Crime, erläuterte Helmut Stein von der Deutschen TV-Plattform.

Verwirrung des Kunden

Mit ihren Verschlüsselungsplänen läuft die Branche nach Einschätzung des stellvertretenden ARD-Vorsitzenden Fritz Raff allerdings Gefahr, die Zuschauer zu verunsichern. Dies könnte die Durchsetzung von HDTV weiter verzögern. Die öffentlich-rechtlichen Sender würden Fernsehbilder in HD auch in Zukunft ohne Zusatzkosten und unverschlüsselt ausstrahlen, betonte Raff. "Sie können selbstverständlich auch aufgezeichnet werden", sagte Raff.

Kritik, die Verschlüsselungspläne würden auf eine Reglementierung der Zuschauer hinauslaufen, wies Schaas allerdings als unbegründet ab. Die neue technische Schnittstelle CI Plus werde ganz im Gegenteil mehr Möglichkeiten als in der Vergangenheit schaffen. Hintergrund sei der nötige Schutz der Werbefinanzierung für die Fernsehanstalten. Auch Frank Bolten, Geschäftsführer von Sharp in Deutschland und Österreich, sieht in den neuen technischen Standards große Möglichkeiten für einen Qualitätssprung für die Fernseh-Inhalte. Branchenbeobachter erwarten allerdings, dass sich in naher Zukunft erst einmal die Kartellwächter in Deutschland mit den Plänen befassen werden.

DPA/san
 
 
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