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Hat hier jemand iAngst?

Die Consumer Electronics Show hat gezeigt, welcher High-Tech-Spielkram uns erwartet. Zwei Themen überstrahlten alles: 3D und Tablet-PC. Das eine war größer, das andere kleiner als erwartet.

Von Ralf Sander, Las Vegas

Die Gadget-Parade auf der Consumer Eletronics Show (CES) ist weiter gezogen, der Staub der Wüste von Las Vegas legt sich. In Erinnerung bleibt eine High-Tech-Leistungsschau , in der sich die Branche endlich wieder selbstbewusst und optimistisch präsentiert hat, jubelt Gary Shapiro. Die mehr als 2500 Aussteller hätten mehr als 20.000 neue Entwicklungen gezeigt, sagt der Chef des US-Branchenverbands CEA, der die CES ausrichtet. Zahlen, die nach zwei krisengeschüttelten Jahren wieder nach oben zeigen.

Detailverbesserungen, Me-too-Produkte und vereinzelt auch dummdreiste Plagiate füllen naturgemäß einen Teil der Stände. Wer etwas sucht, findet auch Innovationen: wie den kleinen Projektor von Light BlueOptics, der jede Oberfläche in einen Touchscreen verwandeln kann. Weitere Beispiele: Toshiba stopft in seine Fernsehgeräte der neuen "Cell TV"-Serie ungefähr die zehnfache Rechenpower eines handelsüblichen PC und will den Fernseher zur 3D-fähigen Alleskönner-Maschine mit Hochgeschwindigkeitsinternet machen. Weniger spektakulär, aber wichtig sind die vielfältigen Angebote rund ums Energiesparen, um verbesserte Akkus und kabellose Stromübertragung. Und bei manchem kommt es nur auf das Aussehen an: Das Bedürfnis der Menschen, ihre Musikplayer und Kopfhörer zu verschönern, lockt MP3-Kosmetiker an, die verrückte Swarowski-Schutzhüllen, iPod-Panzer und Ohrstöpsel-Ornamente anbieten. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen, doch alles bleibt im Schatten der beiden Riesenthemen dieser CES: 3D fürs Wohnzimmer und das angebliche Comeback der Tablet-PCs. Beides wurde im Vorfeld ordentlich hochgekocht, doch die Messewahrheit hielt zwei Überraschungen bereit: Das eine Thema wurde unter-, das andere überschätzt.

Wirklich eine neue Dimension

3D-Kino in den eigenen vier Wänden – was auf der Ifa in Berlin noch wie ein ambitionierter Frühstart einiger weniger Firmen wirkte, erschlägt nur wenige Monate später auf der CES alles. Alle großen Hersteller zeigen 3D-fähige Fernseher mit dazu passenden Brillen. Zahlreiche neue TV-Geräte können außerdem in Echtzeit zweidimensionale Filme in 3D umrechnen. Samsung, Sony, Toshiba und Panasonic kündigen 3D-fähige Blu-ray-Player an. Und LG zeigt einen Fernseher, der den gerade erst verabschiedeten Standard für 3D-Kameras unterstützt. Digicams, mit denen Otto Normalverbraucher dreidimensional fotografieren kann, gibt es natürlich auch. Die Macht, mit der 3D auf der CES auf den Besucher einstürmt, zeigt, wie ernst es der Industrie mit ihrem Vorhaben ist, das dreidimensionale Sehvergnügen in unsere Wohnzimmer zu zwingen. Ob wir Lust haben, uns mit 3D-Brillen aufs Sofa zu setzen? Das ist für die Unternehmen längst keine Frage mehr. Der Grund ist einfach: "In Deutschland werden pro Jahr rund acht Millionen Fernseher verkauft", sagte Panasonic-Manager Ralf Hansen. "Um das Niveau zu halten, müssen neue Technologien für den Verbraucher und neue Erfahrungen her." Darin ist sich die Industrie einig , deshalb ziehen alle an einem Strang.

Flacher als erwartet

Einigkeit fehlt allerdings bei dem anderen Thema der CES: dem Tablet-PC. Der Kleincomputer mit Touchscreen und ohne Tastatur, gedacht zum Surfen und Lesen auf der Couch oder unterwegs, soll nach seinem Flop vor neun Jahren durchstarten - aber so richtig. Der aufgebaute Hype ist gewaltig. Um die hohen Erwartungen zu erfüllen, müssten in den Messehallen mindestens so viele Tablet-PCs präsentiert werden wie Tabletts in einer McDonald's-Filiale. Doch nichts da. Die Ernüchterung setzt bereits bei der CES-Eröffnungsrede von Steve Ballmer ein. Nur schlappe drei Minuten spricht der Microsoft-Chef über Flachmänner mit Windows 7, die Hewlett-Packard, Archos und Pegatron auf den Markt bringen würden. So dürr diese Worte, so wenig fruchtbar auch die Ankündigungen der anderen Hersteller. Dell und Motorola bauen eigene Geräte, wobei Motorola auf die Google-Software Android als Betriebssystem setzen will. Über Asus war im Vorfeld zu hören, dass der taiwanesische Hersteller angeblich einen eigenen Tablet-PC vorstellen werde. Doch Asus belässt es bei bereits bekannten einer Version seines Netbooks EeePC, das einen drehbaren Touchscreen hat. "Das kommt bei uns im Moment einem Tablet-PC am nächsten", heißt es am Messestand lapidar. Womit wir genau bei dem eigentlichen Phänomen wären. Es gibt jede Menge Geräte, die einem Tablet-PC ähneln, aber nicht als solcher entwickelt wurden: Der Cinepal von Aluratek ist eigentlich ein tragbarer Videoplayer mit berührungsempfindlichem Display. Sonys Dash ähnelt einem klobigem Radiowecker mit Internetanschluss, kann aber auch zum Surfen verwendet werden. Der Entourage Edge ist ein doppelseitiges Gerät, das links mit einem E-Book-Lesebildschirm und rechts mit einem normalen Notebook-Monitor ausgestattet ist. Grafikchip-Spezialist Nvidia hat einen Tablet-Prototyp gebaut, der die Leistungsfähigkeit seines neuen Tegra2-Chips demonstriert. Um ein konkretes Produkt soll sich ein anderer Hersteller kümmern. Wie das aussehen wird, ist noch offen.

Tablet-Wahn

Dieses Spiel aus Prototypen, Ankündigungen und Technikdemos ist nicht ungewöhnlich. Allerdings: Was diesmal auffällt, ist eine Art widerwillige Besessenheit, mit der die Branche ein Schlagwort nutzt das sie hasst: Tablet, das mit Angstgegner Apple in Verbindung gebracht wird, der sich wie üblich auf der CES gar nicht erst blicken lässt. Gleichzeitig kann sie nicht die Finger davon lassen und pappt es wie einen Aufkleber auf alles , was einigermaßen passt . Am offensichtlichsten ist diese Sorge, einen Trend zu verpassen, bei der Keynote von Steve Ballmer zu erkennen. Die kommende Geräteklasse der Tablet-PC mit Windows 7 solle "Slate" (Schiefertafel) genannt werden, verkündete der Microsoft-Chef. Eine peinliche Kampfansage gegenüber Apple. Der Schöpfer von iPhone und iPod wird wahrscheinlich Ende des Monats eine eigenen Variante vorstellen. Als Namen werden "iTablet" und "iSlate" kolportiert . Seit vielen Monaten gibt es diese Gerüchte bereits, und sie haben offenbar die Konkurrenz soweit weichgekocht, dass sie auf den Tablet-Zug aufgesprungen ist. Was auch immer Apple in einigen Wochen veröffentlicht - die iAngst hat die Branche längst erfasst.

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