Die Internationale Funkausstellung (Ifa) öffnet zum 50. Mal ihre Tore. Gezeigt werden 3D-Fernseher, flache Tablet-Computer, elektronische Bücher und Neues für den Haushalt. Lohnt sich ein Besuch auf der Messe? Von Gerd Blank, Berlin

Bei den Fernsehern steht alles im Zeichen der dritten Dimension© Gero Breloer/AP
Als der damalige Vize- und spätere Bundeskanzler Willy Brandt 1967 die Internationale Funkausstellung (Ifa) besuchte und - live im TV übertragen - einen großen Knopf drückte, wurde es der Nation plötzlich bunt. Das Farbfernsehen war geboren. Es begann auf der Ifa, auch wenn es damals aus Ermangelung an entsprechenden Geräten noch kaum jemand sehen konnte. Dass es sich bei der spektakulären Umschaltung um einen Fake handelte und nicht Brandt, sondern ein Techniker - auch noch eine halbe Sekunde zu früh - die Farbe anschaltete, spielt keine Rolle mehr. Die Inszenierung hatte großen Symbolwert. Nirgendwo sonst auf der Welt präsentieren Unternehmen mehr Neuheiten als auf dieser Messe, nirgendwo gibt es mehr technische Premieren zu bestaunen - auch wenn nicht alle Premieren so spektakulär inszeniert sind wie der Beginn des Farbfernsehens. Die Geschichte der Ifa - die erste Funkausstellung gab es 1924 - ist auch ein Abbild der Entwicklung der Unterhaltungselektronik rund um den Globus. Erste Radioempfänger, Transistoren, die CD, der Videorekorder - sie alle waren auch einmal Ifa-Neuheiten. Auch 2010 lockt die Ifa (vom 3. bis 9. September) wieder nach Berlin, inzwischen zum 50. Mal. Und zum dritten Mal ist Haushaltstechnik, die gute alte weiße Ware, am Start.
Einer der wichtigsten Impulsgeber der diesjährigen Messe hat keinen eigenen Stand in Berlin. Apple hat mit dem iPad eine eigentlich totgeglaubte Gerätekategorie, den Tablet-PC, eindrucksvoll wiederbelebt. Innerhalb weniger Wochen hat sich der per Touchscreen gesteuerte Computer mehrere Millionen Mal verkauft. Aus dem Stand wurde Apple bei diesen Geräten Marktführer. Kein Wunder, dass jeder IT-Hersteller, der etwas auf sich hält, ebenfalls mit einem eigenen tastaturlosen System im Gepäck zur Ifa fährt. Auch wenn der Vorsprung von Apple bereits sehr groß ist - noch hat sich diese Geräteklasse nicht durchgesetzt. Eine Chance für Unternehmen wie Samsung, Dell, HP oder Medion, mit eigenen Tablets für Aufmerksamkeit zu sorgen. Die Apple-Konkurrenz versucht mit Features zu punkten, die beim iPad fehlen. Ob Kunden aber zugreifen, nur weil eine Kamera, mehr Speicher und ein paar USB-Anschlüsse an Bord sind, bleibt abzuwarten.
Auch das Lesen am Bildschirm ist ein wichtiges Trendthema auf der Ifa. Kaum ein Hardware-Unternehmen ist ohne elektronisches Buch nach Berlin gereist. Während sich E-Books, nicht zuletzt durch den Kindle von Amazon, in den USA großer Beliebtheit erfreuen, verkaufen sich Geräte und Bücher in Deutschland noch schleppend. Die Ifa soll das ändern. Doch inzwischen wollen nicht nur Sony & Co. Lesegeräte verkaufen, auch Buchhändler wie Thalia mischen mit und zeigen auf der Messe Geräte und Onlineläden für E-Books.
Die Messe Berlin wird dem Apple-Hype mit einer eigenen Ausstellungsfläche gerecht, der iZone. Hier haben Hersteller von Unterhaltungselektronik die Möglichkeit, Besuchern maßgeschneiderte Produkte für iPod, iPad und Co. zu präsentieren. Die Bandbreite reicht dort von Lautsprechern über Schutzhüllen bis zu Kopfhörern und kompletten Home-Entertainment-Systemen.
Flachbildfernseher sind der Umsatzbringer für die IT-Industrie, was man auch an den unzähligen Geräten ablesen kann, die auf der Ifa präsentiert werden. Immer neue Bezeichnungen für neue Features sollen Kunden davon überzeugen, gerade dieses und nicht das Produkt der Konkurrenz zu kaufen. Da steigt kein Kunde mehr durch. Glück für die Industrie, dass mit 3D ein System auf dem Vormarsch ist, unter dem sich jedermann etwas vorstellen kann. So kann jeder neue Fernseher Inhalte in der dritten Dimension darstellen, wenn es denn Inhalte gäbe. Doch egal, ob 3D überhaupt von den Konsumenten genutzt wird: Da fast jedes neue TV-Gerät dieses Format anzeigen kann, lässt sich werbewirksam verkünden, dass Käufer sich für 3D-Geräte entschieden haben. Eine Wahl hatten sie allerdings beim Kauf nicht.
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