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31. August 2010, 10:54 Uhr

Warum das Technikwunder ein Ladenhüter ist

Was heute 3-D- oder Web-TV ist, war einmal Oled. Vor drei Jahren galten die knackscharfen Displays als ausgemachter Branchentrend - viel mehr wurde nicht daraus. Von Nora Schlüter

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Die Geräte sind dünner und das Bild ist besser, dennoch setzen sich Fernseher mit Oled-Displays nicht durch© Kim Kyung-Hoon/Reuters

Im Jahr 2007 brachte Sony den ersten Fernseher auf den Markt, dessen Display aus organischen Leuchtdioden (Oled) bestand. Der XEL-1 war eine kleine technische Revolution, dessen drei Millimeter tiefes Display "so brillante Bilder liefert, dass Plasma und LCD dagegen wie Höhlenmalerei aussehen", wie ein hingerissener Kritiker in der "New York Times" schrieb. Sicher, der Preis für das Bildschirmwunder war mit rund 1200 Euro für eine winzige Bildschirmdiagonale von elf Zoll ziemlich happig. Dafür durfte man sich die Zukunft des Fernsehens ins Wohnzimmer stellen.

Bis heute ist die Technik nicht richtig in der Gegenwart angekommen. Der Vorgang belegt, wie kurzlebig Trends in der TV-Branche sein können - und wie schnell der Zwang zu Innovationen dazu führen kann, sich zu verzetteln. Die große Bildschirmrevolution ist trotz unbestreitbarer Vorteile des Oled-Displays bislang ausgeblieben. Sony hat den XEL-1 weitghend eingemottet. Auch Samsung , Marktführer bei Oled-Displays für mobile Geräte, schickt den Oled-Fernseher zurück in die Warteschleife: Der werde gebaut, wenn Preis und Technologie massentauglich seien. Oled-Bildschirme sind heute bestenfalls in Handy- oder Kameradisplays zu finden.

Oleds leuchten selbst, brauchen also im Gegensatz zu LCD-Bildschirmen keine Hintergrundbeleuchtung. Sie sind hauchdünn, reaktionsschnell, höchst energieeffizient und liefern ein extrem kontrastreiches Bild, das aus allen Blickwinkeln scharf wirkt. Viele der Oled-Vorteile - geringer Energieverbrauch, dünner Bildschirm, großer Blickwinkel - lassen sich allerdings mehr oder weniger auch auf klassischen LCD-Bildschirmen realisieren, denen anorganische Leuchtdioden (LEDs) als Hintergrundbeleuchtung dienen. Außerdem - und das dürfte entscheidender sein - haben die TV-Hersteller gerade erst Milliarden in den Bau von Fabriken für Flachbildschirme gesteckt. Um eine neue Technologie in großer Stückzahl und damit zu konkurrenzfähigen Preisen herzustellen, wären wieder saftige Investitionen fällig.

Zu allem Überfluss kämpft die Branche mit technischen Schwierigkeiten. Für jeden Bildpunkt braucht man grüne, rote und blaue Dioden. Während die grünen und roten Oleds langlebig sind, lässt die Leuchtkraft der blauen schneller nach, die Farbe tritt immer mehr in den Hintergrund. Auch die Herstellung großer Displays ist eine Herausforderung. "Bei einem Fernseher müssen 100 Prozent der Pixel funktionieren", sagt Peter Koch, Technikchef von LG in Deutschland. "Je größer und je feiner die Strukturen werden, desto schwieriger wird das."

Chemiekonzerne wie Merck forschen deshalb an Materialien, die sich leichter und gleichmäßiger aufbringen lassen. "Die führenden Hersteller haben nach eigener Aussage die Prozesse für die kleinen Displays im Griff", sagt Mercks Oled-Entwicklungschef Udo Heider. Schon in anderthalb Jahren könnten Oleds auf dem Bildschirmmarkt Fuß fassen. "Von einigen großen Herstellern sind entsprechende Pläne angekündigt, und die Fortschritte im technischen Bereich sprechen dafür." Marktforschungsunternehmen sehen das anders: iSuppli rechnet damit, dass die Technologie in den nächsten drei Jahren keine nennenswerte Rolle spielen wird.

Lesen Sie auch bei unserem Partner pcwelt.de: "iPad 2G noch 2010 im Handel?"

Gefunden in ... ... der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland

Von Nora Schlüter
 
 
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