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Saug, Robbi, saug!

Ein Roboter, der staubsaugt: traumhaft oder eher gespenstisch? Unsere Autorin hat sich ein Exemplar gekauft. Ihr Praxisbericht zeigt: Roboter sind auch nur Menschen.

Von Nina Ernst

Manche Menschen saugen angeblich gerne Staub. Doch wahrscheinlich können sich die meisten Berufstätigen in ihrer Freizeit Schöneres vorstellen, als ein laut dröhnendes Ding hinter sich herzuziehen und damit den Fußboden zu bearbeiten. Vor allem diejenigen, deren Boden dank Kindern oder Haustieren fast täglich von Haaren und Krümeln befreit werden muss. Und andere für sich wienern lassen? Zu teuer, zu emotionsgeladen. Doch da soll es noch jemanden geben, der diese Arbeit zuverlässig erledigt. Ohne zu murren und sogar ohne, dass es ihn stört. Ein Saugroboter wühlt nicht in fremder Leute Schubladen und will als Gehalt nur ein bisschen Strom.

In den USA gehören die mechanischen Haushaltshelfer längst zum Alltag, nun blüht das Geschäft mit den Saugrobotern auch in Deutschland. Während hier 2010 noch 23.000 Saugroboter gekauft wurden, waren es im darauffolgenden Jahr mit 48.300 mehr als doppelt so viele. Das liegt nicht nur an sinkenden Preisen und verbesserter Technik. Sondern auch am Boom von Laminat- und Parkettböden, für die die Roboter noch besser geeignet sind als für Omas alte Auslegeware

Eine Spielerei, die allein dazu taugt, technikbegeisterte Putzmuffel an die Hausarbeit heranzuführen? Oder eine praktische Sache, die den Alltag erleichtert? Der Roomba 760 soll es zeigen. Er ist die technisch und preislich verschlankte Version des Luxusmodells vom Marktführer. Tot und emotionslos liegt er in seinem Karton. Raus aus der Verpackung, ran an die Ladestation und die Uhrzeit auf dem Gerät eingestellt; fertig sind die Vorbereitungen.

Putzhilfe aus der Kiste

Bei mir bleiben die von anderen Besitzern angekündigten Gefühlsduseleien zunächst aus. Schließlich geben viele ihrem Putzhelfer einen Namen. Von "Frau Prüfer" nach der Ex-Putzfrau über "Jorge" bis hin zum geläufigen "Robbi". "Guten Tag, unser Robbi hat ein Problem", heißt es nahezu täglich in der Hotline für technische Probleme mit den Roomba-Modellen. Dass dort keine Produkt-, sondern menschliche Vornamen fallen, daran haben sich die Mitarbeiter gewöhnt. Ebenso, dass die Anrufer Angst davor haben, ihr defektes Gerät einzuschicken, darauf bestehen, den Sauger reparieren statt austauschen zu lassen. Sie wollen genau ihren "Robbi" wieder haben. Für sie ist er ein Familienmitglied, nicht nur eine Kiste voller Elekronik.

Auch ich versuche ein persönliches Verhältnis zu dem rund 500 Euro teuren Gerät aufzubauen und nenne mein Testgerät "Robert". Während er sich am Stromnetz von seiner Reise erholt, ist Zeit für das Instruktionsvideo auf der beiliegenden CD. Dass die Ladestation gut erreichbar sein muss, leuchtet ein. Dass ich für Robert extra aufräumen soll, damit er sich nicht verschluckt, wirkt übertrieben. Aber gut: heruntergefallene Büroklammern aufgehoben, Kartons zur Seite geschoben und Katzenspielzeuge aus dem Weg geräumt. Es kann losgehen.

Von der Ladestation in die Herzen

Nach Drücken der "Clean"-Taste dreht der Roomba seine Runden. Er wirbelt herum, fährt an der Wand entlang, ändert die Richtung und saust quer durch den Raum über die Dielen. Wie fast alle Saugroboter-Neulinge folge ich ihm, sehe ihm bei der Arbeit zu. Wie er ganz hinten unter der für normale Staubsauger unerreichbaren Sofakante verschwindet, auf der anderen Seite unter der übergeschlagenen Decke wieder auftaucht. Eigentlich unsinnig ihm zuzusehen, da der Roboter einem Zeit verschaffen soll. Trotzdem übt das rege Treiben Faszination aus.

Nach einem bestimmten Muster geht der Roboter nicht vor. Er fährt mal hier lang, mal da lang, ändert die Richtung, wenn er aneckt. Nicht ein Raum nach dem anderen, sondern kreuz und quer nach dem Zufallsprinzip. Das wirkt chaotisch, aber so auch fast menschlich. Laut Hersteller soll der Roomba bis zu 60 Entscheidungen pro Sekunde treffen. Ob er an der Fußleiste entlangfährt, an einem stark verschmutzten Ort länger verweilt, abbiegt. Als Robert plötzlich den Raum verlässt, rufe ich: "Ey, du bist hier ja noch gar nicht fertig!" Ungeachtet setzt er im Flur sein geschäftiges Treiben fort. Immer auf seinen Fersen die Katze, die ihn kritisch beobachtet und ihn zum Jagen auffordert.

Frustriert über meine mangelnde Autorität und die Erkenntnis, dass wohl doch noch der klassische Staubsauger ran muss, ziehe ich von dannen. Hersteller iRobot sagt, dass der Roboter das Handsaugen nicht ersetzt, aber durch regelmäßigen Einsatz seltener nötig macht. Schade. Als nach einer halben Stunde ein sich näherndes Brummen an den Einsatz des Roboters erinnert, kontrolliere ich erneut das so schnell von Robert verlassene Wohnzimmer: Es ist sauber. Er ist wohl nochmal zurückgekehrt. Da schließe ich den kleinen Kerl ins Herz. Auch wenn ich ihm wohl nie ein Kleid schneidern werde, wie einige Fans es im Web zeigen. Nach knapp zwei Stunden sind 80 Quadratmeter durchfahren, manche Stellen häufiger, andere seltener. Das gleicht sich bei täglichem Gebrauch aus. Also kann der Handstaubsauger doch vorübergehend auf seinem Platz bleiben.

Der Einfluss der Maschinen

Erstaunlich, dass der kleine Roboter sogar die Schwelle zum Bad erklimmt, seine Bürste es mit dem hohen Wollteppich aufnimmt. Nur bei den extrem langen Fransen des Flokati macht er schlapp. Abschlusskontrolle: "Na, hast du auch alles schön sauber gemacht"? Natürlich keine Reaktion. Aber sie regen sich immer stärker, die angekündigten Emotionen.

Robbi fährt per programmierbarer Uhrzeit auf Wunsch selbständig zum Putzdienst. Morgens hektisch das Haus verlassen, wartet eines Tages bei verfrühter Rückkehr eine Überraschung. Ein Kabel liegt quer im Raum, der Putzeimer steht neben der Haustür, im Wohnzimmer liegt ein Handtuch aus dem Bad. Robert dreht surrend unter dem Bett seine Runden und jagt einem Katzenbällchen hinterher. Als ich mit dem Roboter schimpfen will, fällt mir ein, dass ich ganz vergessen habe, für ihn aufzuräumen. Die Instruktionen auf der CD waren nicht übertrieben. Liegen gelassene Gegenstände mag der Robo nicht und schiebt sie beiseite. So erzieht die Maschine den Menschen zur Ordnung.

Weniger Science-Fiction als erhofft

Nachdem Robert einige Tage lang seine Runden zieht, wird sein Wirken immer alltäglicher. Fährt er nach getaner Arbeit an die Ladestation, kontrolliere ich nicht mehr, bemerke ihn sogar kaum noch. Das vor dem Test erwartete Knistern von Science-Fiction, das in der Luft liegen sollte, bleibt leider aus. Dafür kommt die Freude darüber, Zeit bei der Hausarbeit gespart zu haben. Es erinnert an andere Geräte wie Handy und Spülmaschine. Früher kam man auch gut ohne aus, aber wenn man sie einmal hat, möchte man sie nicht mehr missen. Schade nur, dass der Roomba nicht auf Sprachbefehle reagiert. So oft, wie die meisten Besitzer mit ihm reden.

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