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2. September 2011, 15:35 Uhr

Das sind die neuen iPad-Verfolger

Das iPad hat immer noch keinen Konkurrenten, der sich gut verkauft. Auf der Ifa ist eine neue Tablet-Generation am Start. Mit dabei Hersteller, die sich bisher aus dem Kampf herausgehalten haben. Von Ralf Sander, Berlin

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Spätstarter: Sony zeigt auf der Ifa seine ersten beiden Tablets, das S. (l.) und sein klappbarer kleine Bruder P© Odd Andersen/AFP

Vom iPad sieht sie längst nur noch die Rücklichter am Horizont glimmen. Dennoch versucht die Konkurrenz weiter, Apples Vorsprung in der Tablet-Welt aufzuholen. Nach einigen Fehlstarts im vergangenen Jahr sind seit wenigen Monaten die ersten Flachmänner mit Android-Betriebssystem auf dem Markt, deren Leistung mit der des aktuellen iPad 2 gleichzieht. Das interessiert die Käufer allerdings eher weniger. Alle Android-Tablets gemeinsam haben dem iPad innerhalb eines Jahres einen Marktanteil von rund 20 Prozent abgenommen, hat das Marktforschungsunternehmen ABIresearch herausgefunden. Doch keinem Gerät ist es gelungen, sich vom Rudel abzusetzen. Alle Androiden laufen auf ähnlichem Niveau dem iPad 2 hinterher. Auf der Ifa steht nun eine neue Generation von Verfolgern in den Startlöchern, darunter auch die Produkte einiger großer High-Tech-Konzerne, die sich bisher aus dem Tablet-Rennen herausgehalten und die Frühstarter genau beobachtet haben.

Sony macht etwas Eigenes

Einer von diesen geduldigen Beobachtern ist der japanische Elektronikriese Sony, dessen erste Android-Tablets jetzt ins Rennen einsteigen und zu den interessantesten Produkten der Ifa gehören. Sowohl das Sony Tablet S als auch das Tablet P unterscheiden sich zum Teil deutlich vom Tablet-Einerlei – und nicht nur wegen ihrer kurzen Namen.

Das Modell S erinnert von oben an ein ganz normales Tablet mit 9,4-Zoll-Display, das ist etwas kleiner als das der Bildschirm des iPad 2. Von der Seite betrachtet zeigt sich allerdings, dass eine Kante des Flachmanns deutlich dicker ist als die andere, ja regelrecht geschwollen ist. Durch dieses asymmetrische Design wird der Schwerpunkt in Richtung Arm verschoben. Das Gerät soll deshalb besser in der Hand liegen, die Wölbung soll sich vertraut anfühlen wie der Falz einer umgeschlagenen Zeitschrift. Auf dem Tisch liegend bekommt das Tablet S durch das dicke Ende automatisch eine leicht geneigte Position, die das Tippen erleichtern soll.

Das viel kleinere Tablet P ist auf den ersten Blick gar nicht als Flachmann zu erkennen, es sieht eher aus wie ein großes Brillenetui. Klappt man es auseinander, offenbart es zwei Touchscreens von jeweils 5,5 Zoll Durchmesser. Zum Lesen von Dokumenten und Websites arbeiten die beiden Displays wie ein Bildschirm, der allerdings von einem Balken – dem Scharnier – geteilt wird. Muss Text eingetippt werden, verwandelt sich der untere Bildschirm in ein Softkeyboard. Und will man ein elektronisches Buch lesen, dreht man das Tablet P um 90 Grad und hält es wie ein Buch. Jeder Bildschirm zeigt genau eine Buchseite. Aufgrund des Gewichts von rund 370 Gramm und der durch das Zusammenklappen erreichten geringen Größe, sieht Sony das Tablet P besonders unterwegs im Einsatz.

In der Sony-Welt verankert

Beide Tablets sind tief in Sonys Ökosystem aus digitalen Inhalten eingebettet. Das neue Musik- und Filmangebot Sony Entertainment Network ist integriert. Für Tablets angepasste Spiele der Playstation 1 stehen zur Verfügung. Die auf dem Bildschirm eingebetteten Abbilder des Playstation-Controllers lassen sich je nach Handgröße stufenlos vergrößern oder verkleinern. Beide Tablets können dank eines Infrarotsenders den Job auf dem Couchtisch herumliegender Fernbedienungen übernehmen. Und was den Journalisten bei der Präsentation besonders gut gefallen hat: Mit einer entspannten Wischbewegung ist es möglich, Bilder, Musikstücke und Videos auf den Fernseher zu "werfen". Dafür werden Wlan im Raum und ein TV-Gerät benötigt, das den DLNA-Standard beherrscht. Der Hersteller ist dabei egal. Die Daten werden direkt vom Tablet auf den großen Bildschirm gestreamt. Das ist im Prinzip nicht völlig neu, kam aber selten so lässig daher. Das Ganze funktioniert außerdem nicht nur mit TV-Geräten, sondern auch mit anderen DLNA-fähigen Geräten, zum Beispiel Lautsprechern.

Sonys Tablet S kommt noch im September für 479 Euro auf den Markt. Der klappbare kleine Bruder Tablet P erscheint zwei Monate später und soll 599 Euro kosten.

Pflicht und Kür bei Lenovo

Nicht alle Tablets können es sich leisten, die Blicke auf sich zu ziehen. Manche müssen einfach hart arbeiten. Lenovo zeigt seine ersten beiden Android-Tablets, die sich nahtlos in die beiden bewährten Notebook-Linien der Chinesen einfügen. Das ThinkPad Tablet für den Einsatz in Unternehmen ist sehr robust und kann nicht nur per Hand, sondern auch mit einem Stift bedient werden. Die IT-Abteilung der Firma freut sich, dass sich fast jedes einzelne Hardwarefeature – wie die Kamera oder USB-Anschlüsse – deaktivieren lässt. Ein wichtiges Plus an Sicherheit. Für Privatkunden gibt es das sanftere IdeaPad Tablet K1, das mit 30 vorinstallierten Apps und einem Zugang zu einem Onlinespeicher in der Cloud ausgeliefert wird. Beide Geräte gehören in die Zehn-Zoll-Kategorie.

Auch die Hersteller traditionell günstigerer Hardware mischen jetzt im Tablet-Markt mit. Huawei aus China bringt einen Sieben-Zöller namens MediaPad heraus. Von Medion, als Technikzulieferer für Aldi bekannt und groß geworden, kommt unter der Bezeichnung LifePad bald ein Modell mit Zehn-Zoll-Display.

Was macht Samsung?

Samsung hat mit dem Galaxy Tab 10.1 eines der besten Android-Tablets erschaffen – das in Deutschland zurzeit nicht ausgeliefert werden darf, weil sich die Südkoreaner mit Apple einen erbitterten juristischen Krieg um Patente und Ideenklau liefern. Das hindert Samsung allerdings nicht daran, die Galaxy-Familie munter zu vergrößern. Das neue Galaxy Tab 7.7 ist der kleine Bruder des 10.1-Modells und strahlt seinen Nutzer mit einem sehr brillanten Bildschirm an, dem ersten mit der neuen Displaytechnik Super Amoled Plus.

Zwischen kleine Tablets und Smartphones quetscht Samsung außerdem noch ein Gerät mit einem 5,3-Zoll-Bildschirm: Der Touchscreen des Galaxy Note kann – abgesehen von den Fingern - auch mit einem mitgelieferten Spezialstift bedient werden. Viel kleiner und leichter als das – je nach Sichtweise – Riesensmartphone oder Mini-Tablet sind die beiden ersten Geräte der neu eingeführten Galaxy-Player-Reihe, die ausschließlich per Wlan Daten übertragen können und keine Mobilfunktechnik besitzen. Hat da jemand "iPod Touch" gesagt? Welche dieser Neuheiten in Deutschland auf den Markt kommen werden, ist noch nicht klar. Das hängt auch davon ab, wie die Auseinandersetzungen mit Apple weitergehen.

Von Ralf Sander, Berlin
 
 
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