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13. Mai 2009, 14:37 Uhr

Neue Kameras lösen Diebstahlalarm aus

Filmen ist nicht genug: Neuartige Überwachungskameras sollen registrieren, ob eine Person gerade etwas stiehlt oder nicht. Forscher träumen sogar davon, dass die Systeme automatisch Terroristen erkennen können - bevor diese etwas tun. Bürgerrechtler sind entsetzt.

Überwachung, Kameras, Datenschutz, Datenschützer

In Überwachungszentralen ist der Mensch häufig überfordert. Kameras sollen selbstständig Gefahren erkennen© AP

Die Überwachungskameras in Big Y, einer Kette von Lebensmittelläden im US-Staat Massachusetts, zeichnen nicht nur einfach auf, was Kunden und Mitarbeiter so machen. Sie suchen selbst nach Hinweisen auf kleine "Freundschaftsdienste": Zum Beispiel wenn ein Kassierer gleich zwei Produkte auf einmal am Scanner vorbei zieht, damit nur eines registriert wird.

Weil es nicht genug menschliche Augen gibt, um so etwas zu verhindern, setzt Big Y auf Technik - mit Konsequenzen, die weit über den unehrlichen Kassierer hinaus gehen. Die mathematischen Algorithmen in den neuen Kameras suchen eigenständig nach Auffälligkeiten. Da muss kein Wachmann stundenlang auf mehrere Monitore starren oder endlose Aufzeichnungen kontrollieren. Wenn das System denkt, dass es etwas entdeckt hat, alarmiert es automatisch das Management und bietet die Bilder an.

Die Möglichkeiten, die Forscher in diesen neuen Techniken sehen, wirken noch wie Science Fiction. So sollen derartige Systeme erkennen können, wenn ein Koffer oder ähnliches auf dem Bahnhof stehen gelassen wird, oder sie könnten eine Flugzeugbesatzung alarmieren, wenn sich die Gefahr eines Terroranschlags abzeichnet. In Chicago laufen schon Kameras mit einer "Anomalie-Erkennung", die direkt mit der Notfallzentrale der Stadt verbunden sind.

Aber wie intelligent ist die neue Technik wirklich? "Einige der Behauptungen sind einfach lächerlich", sagt Oliver Vellacott, Chef der britischen Firma IndigoVision, die Video-Analyse-Technik anbietet. "Zum Beispiel, dass man das verdächtige Verhalten einer Person erkennen kann, die einen anderen auf der Straße niederstechen will."

Situationen in Flugzeugen erkennen

Bei Big Y, wo die Kameras nach ungewöhnlichen Bewegungen suchen, war der zuständige Manager Mark Gaudette schon nach drei Monaten überzeugt. Er beschloss, das System in allen 58 Läden einzusetzen. "Wir haben erkannt, dass wir ein Problem mit der Ausbildung haben", sagt Gaudette. In vielen Fällen hätten die Kassierer einfach nicht erkannt, dass sie die Scanner verfehlt hatten. "Die meisten Leute sind einfach zu abgelenkt", sagt Gaudette. Was das neue System kostet, wollte er nicht sagen, die Einsparungen sollen sich aber auf bis zu drei Millionen Dollar im Jahr belaufen.

Nun ist das Einsatzgebiet der Kameras in Lebensmittelläden begrenzt. Viel schwieriger wird es, wenn zum Beispiel ein einzelner Terrorist inmitten einer großen Gruppe von Flugpassagieren erkannt werden soll. Unmöglich sei das aber nicht, sagen einige Forscher. James Ferryman von der Universität von Reading in Großbritannien leitet eine Forschungsgruppe, die genau das untersucht. Finanziert werden die Arbeiten zum Teil auch von der Europäischen Union. In einer Airbus-Attrappe testen sie ein Kamerasystem, das gefährliche Situationen in Flugzeugen erkennen soll.

Computer analysieren komplexe Situationen

Einige Kameras konzentrieren sich dabei auf das Gesicht und den Oberkörper der Passagiere und versuchen, Hinweise auf ein bevorstehendes ungewöhnliches Verhalten zu erkennen, erklärt Ferryman. Das können zum Beispiel Schweißausbrüche sein. Ein Zentralrechner analysiert diese und andere Daten, um zu errechnen, wie groß die mögliche Gefahr ist. Dabei müssen aber auch viele andere Faktoren miteinbezogen werden: Ist es ein Kurzstrecken- oder Transatlantikflug, sind fast nur Geschäftsreisende oder vor allem Familien an Bord? Was in einer Situation eine Gefahr sein kann, ist es in der anderen nicht, sagt Ferryman. "Und man will ja kein System, das ständig falschen Alarm auslöst." Trotz der großen Komplexität ist Ferryman zuversichtlich, dass es automatische Detektoren zur Gefahrenerkennung geben wird.

Bürgerrechtler sehen dies aber sehr kritisch. Die Gruppe der Amerikanischen Bürgerrechtsunion (ACLU) in Illinois fordert mit Blick auf das System in Chicago vor allem ein größeres Mitspracherecht der Öffentlichkeit beim Einsatz und der Kontrolle der Überwachungskameras. Erst dann werde man sehen, ob ein solches System wünschenswert oder effektiv sei und ob es die Privatsphäre nicht verletze, erklärt Ed Yohnka, Sprecher der ACLU in Illinois.

Andrew Vanacore/AP
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Administrator (13.05.2009, 16:22 Uhr)
Liebe User,
wir mussten an dieser Stelle das erste Posting löschen. Viele der folgenden Beiträge haben sich darauf bezogen und sind ebenfalls entfernt worden, um den Kontext zu erhalten.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
sophisticated (13.05.2009, 16:12 Uhr)
Lest doch einfach
Georg Orwell: 1984. - Und ihr wißt, wohin das Ganze führen wird! - Ihr glaubt mir nicht? - Lest es endlich!
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