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So erlebte ich das Apple-Event in Cupertino

Das war sie nun also, die Mutter aller iPhone-Events. Am Dienstagabend zeigte Tim Cook zwei neue iPhones und die Apple-Watch - und ich war mittendrin. Ein Erfahrungsbericht.

Von Christoph Fröhlich, Cupertino

Wer das neue iPhone sehen will, muss früh aufstehen. Der Wecker klingelt um kurz nach fünf, Frühstück gibt es um sechs, kurz vor sieben Uhr dann Abfahrt von San Francisco Richtung Cupertino. Gemeinsam mit ein paar deutschen Kollegen steige ich in den Bus, der uns zum Flint Center for the Performing Arts in Cupertino bringt. Ein historischer Ort, hier zeigte Steve Jobs vor 30 Jahren den ersten Macintosh. Und wir alle fragen uns: Wird es heute etwas genauso Beeindruckendes zu sehen geben?

  Busfahrt nach Cupertino

Busfahrt nach Cupertino

Nach einer halben Stunde Fahrt taucht am Straßenrand das erste Schild mit Cupertino auf. Schnell zücken die Journalisten ihr Handy, es gilt Beweisfotos zu sichern und sie direkt zu twittern. Kein Problem in den USA, denn hier hat fast jeder Bus Wlan.

  Alle Journalisten fragten sich: Was steckt in diesem weißen Kubus?

Alle Journalisten fragten sich: Was steckt in diesem weißen Kubus?

"Toll, dass ihr hier seid"

Als wir gegen acht Uhr am Veranstaltungsgelände ankommen, ist die Stimmung locker. Wir werden von Apple-Mitarbeitern in weinroten T-Shirts empfangen, die uns ein herzliches "Guten Morgen, toll, dass Ihr hier seid" entgegen brüllen. Sicher, das ist ihr Job - aber man merkt, dass sie an diesem Tag noch aufgeregter sind als sonst. Selbst langjährige Apple-Mitarbeiter laufen aufgeregt mit einem kindlichen Grinsen im Gesicht herum und können kaum erwarten, dass es losgeht.

Mir geht es genauso. Zum einen, weil ich endlich wissen will, was nun in diesem riesigen weißen Quader steckt, den Apple auf dem Campus-Gelände unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen aufgebaut hat. Zum anderen, weil es allmählich kalt wird: Gab es am Vortag noch strahlenden Sonnenschein, ist der Himmel an diesem Morgen zugezogen.

  Dichtgedrängt: Jeder will den besten Platz am Einlass

Dichtgedrängt: Jeder will den besten Platz am Einlass

Auf der Suche nach dem besten Platz

Doch erst einmal heißt es: warten. Ich gehe zum Frühstücksbuffet und sehe einen spinatgrünen Smoothie. Auf die Frage, was genau das für ein Getränk ist, höre ich nur wie "awesome" der Smoothie ist und dass die Kaffeebecher kompostierbar seien. Selbst hier bleibt man von den Superlativen nicht verschont.

Nach 90 Minuten geht das Warten weiter, diesmal allerdings in Form von Schlange stehen. Wir sind ganz vorne dabei und warten auf den Einlass, hinter uns drängeln sich Hunderte Leute. Allmählich zeigt sich die Sonne, das Wlan gerät an seine Grenzen.

9.40 Uhr öffnet sich die Tür, die Journalistenmeute flitzt durch die schmalen Gänge, jeder will einen der begehrten Plätze in der vorderen Reihe ergattern. Ich habe Pech, eine Apple-Mitarbeiterin weist mich in die gefühlt 20. Reihe ein - aber wenigstens gibt es Mehrfachsteckdosen.

  Die Journalisten haben Platz genommen, kurz vor dem Event werden noch Fotos für Twitter und Co. gemacht

Die Journalisten haben Platz genommen, kurz vor dem Event werden noch Fotos für Twitter und Co. gemacht

Cook fackelt nicht lange

Innerhalb weniger Minuten ist der Raum proppenvoll, aus den Lautsprechern dudelt Radiomusik. Die Journalisten schnattern durcheinander, das alles erinnert eher an eine Party als an eine Pressekonferenz. Mit den teils bierernsten Veranstaltungen der IFA hat das hier jedenfalls nichts zu tun.

Punkt zehn Uhr geht es los. Nach einem kurzen Einstimmungsvideo betritt Apple-Chef Tim Cook die Bühne. Er wird gefeiert wie ein Popstar. Und der fackelt nicht lange: Statt wie sonst endlos viele Zahlen vorzutragen, kommt er gleich auf den Punkt: Heute gibt es zwei neue iPhones zu sehen. Das war zuvor bereits durchgesickert. In den kommenden Minuten geht es um große Displays, schnellere Prozessoren, das neue Betriebssystem iOS 8. Alles nicht weltbewegend, aber eine solide Weiterentwicklung der bisherigen Produkte.

Ich kann mich nur halb auf die Show konzentrieren, da ich immer wieder mit dem Wlan zu kämpfen habe. Drei Geräte habe ich mitgeschleppt, keines davon kann eine Verbindung aufbauen - ärgerlich. Auch die Kollegen haben mit Verbindungsabbrüchen zu kämpfen. Abwechselnd starte ich Laptop und Smartphone neu. Nach etwa 20 Minuten scheint das Problem behoben zu sein, via Twitter gebe ich Eindrücke aus der Show wieder.

Ein Raunen geht durch den Saal

Dann kommen die Worte, auf die Apple-Fans seit Jahren gewartet haben: Tim Cook sagt, er habe da noch was, er kündigt ein "one more thing" an. Es wird dunkel im Saal, alle blicken auf die Leinwand. Dann startet ein Video, in dem die Apple Watch vorgestellt wird. Tosender Applaus bricht los, und als Cook mit der Hightech-Uhr am Handgelenk - ich hätte ihn eher als Typ dunkelblaues Lederarmband eingeschätzt - die Bühne betritt, gibt es Standing Ovations. Die deutschen Journalisten bleiben ungläubig sitzen, einem Kollegen entweicht nur ein zaghaftes "Ist das geil" - aus Sicht der Amerikaner müssen wir wie Spielverderber ausgesehen haben.

Dennoch: Die Apple Watch zündet. Auch, weil vorab keine Details durchgesickert sind. Ein wenig spürte man die Magie, die es auch bei der Präsentation des ersten iPhones im Jahr 2007 gegeben haben muss. Gebannt hängen alle Journalisten an den Lippen von Tim Cook, während sie im Rekordtempo auf ihre Tastaturen einhämmern. Kurze Zeit später vibriert das Handy: Eilmeldung, Apple stellt Smartwatch vor. Es ist zweifellos ein interessantes Gerät, aber das ist vielleicht ein wenig zu viel des Guten.

In einem minutenlangen Beitrag erklärt Design-Ikone Jony Ive die Funktionsweise der Uhr, und schnell wird klar: Es wird hart für die Android-Konkurrenz. Mag die Uhr optisch Geschmacksache und technisch nicht überragend sein - das Bedienkonzept ist einmalig. Ein Kollege twittert: "Bis vor Kurzem konnte man Android-Wear-Smartwatches noch gut finden". Doch es bleiben viele offene Fragen, etwa zur Akkulaufzeit oder zur Display-Auflösung.

Es wird laut

Als Abschluss betritt die irische Rockband U2 die Bühne, die gleich einen Song zum Besten gibt - und der ist ohrenbetäubend laut. Erst im Sommer habe ich Slayer auf dem Wacken Open Air gesehen, und gefühlt hat U2 in puncto Lautstärke nochmal einen draufgelegt. Vermutlich war es einer der merkwürdigsten Auftritte ihrer Karriere - wann spielen internationale Superstars schon vor einer Gruppe meist älterer Herren, die in Sesseln mit ihren Laptops sitzen? Nach einem Song ist alles vorbei und Bono verkündet, dass es das neue Album exklusiv und kostenlos für iTunes-Nutzer gibt.

  Ich probiere im Anschluss die neuen iPhones aus

Ich probiere im Anschluss die neuen iPhones aus

Das interessiert mich nur noch am Rande, denn ich bin bereits auf dem Weg zum Ausgang. Der mysteriöse weiße Würfel hat seine Türen geöffnet - darin stehen riesige Tische voller Apple Watches und iPhones. In der Hands-on-Area rennen Sportler auf Laufbändern und zeigen die Fitness-Apps der Apple Watch. An Bezahlterminals kann man den Dienst Apple Pay ausprobieren. Ich drängele mich mit Dutzenden anderen Journalisten durch den Raum, jeder will die neuen Gadgets ausprobieren. Wie sich die neuen Geräte anfühlen, können Sie hier (iPhone 6) und hier (Apple Watch) lesen.

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