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15. Mai 2010, 16:43 Uhr

"Datenschutz ist für Google ein Fremdwort"

Laut Google war es nur ein Versehen, dass der Internetriese für seinen Straßenfoto-Dienst "Street View" persönliche Daten aus drahtlosen Computer-Netzwerken aufgezeichnet hat. Datenschützer sind entsetzt und fordern eine "detaillierte Prüfung" des Konzerns.

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Umstrittener Straßen-Fotodienst: Google Street View© Daniel Mihailescu

Nach der jüngsten Panne beim Internet-Dienst Street View hat der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar "eine detaillierte Prüfung" des Umgangs von Google mit personenbezogenen Daten durch unabhängige Behörden gefordert. Als "höchst ungewöhnlich" bezeichnete Schaar die Erklärung, die Panne sei versehentlich geschehen, Software sei ungeprüft eingesetzt worden. Das Mindeste, was man dazu sagen könne sei: "Eines der größten Unternehmen der Welt, der Weltmarktführer im Internetbereich, hat die ganz normalen Regeln bei Entwicklung und Einsatz von Software nicht beachtet", sagte Schaar.

"Es ist schwer vorstellbar, dass dies erst jetzt aufgefallen ist", sagte Schaar. "Es stellt sich die Frage, wie wir weiter mit Google umgehen, wie glaubwürdig die Erklärungen des Unternehmens sind." Ein Google-Sprecher hatte eingeräumt, dass Google mit seinen umstrittenen Kamera-Autos für den Street-View-Dienst auch in Deutschland persönliche Nutzerdaten aus drahtlosen Computernetzwerken aufgezeichnet zu haben. "Wir bedauern diesen Fehler zutiefst und sind entschlossen, daraus Lehren zu ziehen", schreitb Google-Manager Alan Eustace in seinem Internet-Blog.

Bisher hatte Google erklärt, für seinen Straßenfoto-Dienst Street View lediglich den Namen und die Adresse von Drahtlosnetzwerken (WLAN) zu speichern. Eustace, der stellvertretender Leiter der Google-Forschungsabteilung ist, räumte nun jedoch ein, dass die speziell ausgerüsteten Fahrzeuge, die in mehr als 30 Ländern Fotos von Straßenzügen und Häusern gemacht haben, aus ungesicherten Netzwerken auch private Daten der Internetnutzer gesammelt haben.

600 Gigabyte an persönlichen Daten

Nach Google-Angaben wurden persönliche Daten im Umfang von insgesamt 600 Gigabyte gespeichert. Eustace machte keine Angaben dazu, um welche Art von Daten es sich dabei handelt. Dies könnten beispielsweise E-Mails und andere Informationen sein, die über Netzwerke ohne Passwort verschickt wurden.

Die Speicherung sei wegen eines Programmierfehlers "versehentlich" geschehen, erklärte Eustace. "Das Vertrauen der Menschen zu erhalten, ist für alles, was wir tun, entscheidend, und in diesem Fall haben wir das verfehlt." Sein Konzern habe die Panne entdeckt, nachdem die Hamburger Datenschutzbehörde eine entsprechende Anfrage gestellt habe.

Google werde die Daten "so schnell wie möglich" vernichten und werde dazu Kontakt zu den Behörden der betroffenen Länder aufnehmen, schrieb der Google-Manager weiter. Die Street-View-Fahrzeuge seien einstweilen gestoppt worden. Sie waren neben Deutschland unter anderem auch in den USA, in Australien, Südafrika, Mexiko und etlichen europäischen Staaten unterwegs.

Offenlegung der Street-View-Daten gefordert

Es sei "alarmierend", dass Google offenbar über Jahre hinweg in private Datennetze "eingedrungen" sei, erklärte ein Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums. Der Vorgang sei "ein weiterer Beleg dafür, dass Datenschutz für Google noch immer ein Fremdwort ist". Der Konzern müsse endlich offenlegen, welche Daten bei Street View erfasst, gespeichert, vernetzt und vermarktet werden - und wie die unzulässig erhobenen Angaben gelöscht werden. Der Fall mache erneut deutlich, wie wichtig die Verschlüsselung privater Funknetze sei, erklärte der Sprecher.

In Deutschland gibt es zahlreiche Widerstände gegen den Straßenfoto-Dienst. Deswegen hatte sich Google mit Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) darauf geeinigt, dass Street View in Deutschland erst gestartet wird, wenn die von Bürgern eingereichten Widersprüche vollständig umgesetzt sind. Zuvor müssen die betroffenen Wohnungen, Häuser und Gärten vollständig unkenntlich gemacht werden. Datenschützer kritisieren, dass die Fotos Dieben oder Einbrechern in die Hände spielen könnten.

AFP/DPA
 
 
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