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Touchen und wischen für Kim Jong Un

Was brauchen die Nordkoreaner derzeit am nötigsten? Richtig: die zweite Generation eines Tablet-PCs aus heimischer Produktion. Die gibt es nun - mit Angry Birds und "Tank War" aber ohne Mein Kampf.

Von Niels Kruse

  So sieht's nämlich aus: Nordkoreas neueste Errungenschaft: das Tablet "Samjiyeon".

So sieht's nämlich aus: Nordkoreas neueste Errungenschaft: das Tablet "Samjiyeon".

Von wegen isoliertes Reich, hoffnungslos hängengeblieben im Steinzeitkommunismus - in Nordkorea steht bereits die zweite Generation von Tablet-Computern in den Startlöchern. Die erste Version des "Samjiyeon" genannten Flachrechners kam sogar noch vor dem ersten Smartphone aus heimischer Produktion heraus. Die Website NK-News hat erste Bilder des Geräts veröffentlicht. Und, nun ja, immerhin ist wieder Angry Birds installiert.

Das Spielchen scheint nach dem ersten Eindruck noch der größte Kaufanreiz für das Tablet zu sein. Gleich auf dem Startbildschirm streckt sich in voller Pracht das andere Hightechprodukt des Landes stolz in die Höhe: eine nordkoreanische "Unha"-Rakete. Das sind die Dinger, die, wenn sie denn mal richtig funktionieren sollten, Atombomben bis nach Alaska transportieren können. Um Krieg und Kampf geht es auch bei "Tank War" und "Defense War". Damit kann sich der geneigte Nordkoreaner auf den Ernstfall vorbereiten, solange die Staatsspitze mit der des Südens noch um Entspannung ringt.

Malt die rote Fahne, malt sie!

Aber klar, eigentlich richtet sich dieses Spielzeug an die Kleinen. Wozu haben die denn auch einen Bildschirm, auf dem sich so wunderbar herumpatschen und -wischen lässt. Ist ja hier im Westen auch nicht anders. Wobei das nordkoreanische Tablet auf den ersten Blick nicht den Eindruck macht, als würde es das Gepatsche von mehr als vier Wochen unbeschadet überstehen, wie auch auf diesem Video eines japanischen Blogs zu erahnen ist.

Sei's drum: Was also soll der Nachwuchs lernen? Klar, Malen zum Beispiel. Pinguine sind etwa schon vorgefertigt. Aber wichtiger: die rote Fahne, Inbegriff des antikapitalistischen und antiimperialistischen, sprich: antiwestlichen Kampfes. Eine gemalte, verfremdete oder gar mit Schatten versehene rote Fahne ist dabei schon die halbe Miete, also der halbe Sieg. Die andere Hälfte besteht offenbar darin, Schlange zu stehen. Wie die Zwerge das ordentlich tun, muss der Führung in Pjöngjang ein wichtiges Anliegen sein. Zumindest hat "NK News" Screenshots von einer süßen kleinen Anleitung gemacht, die zeigt, wie man sich schön neben- und hintereinander stellt. Nach allem, was man aus dem Land hört, ist es das einzige, was der Nordkoreaner sein Leben lang können muss – Stichwort Mangelwirtschaft, Stichwort Übermilitarisierung.

Wo ist Mein Kampf?

Ach ja. Wie so einiges, wurde auch die E-Book-App, das Gerät läuft übrigens auf Android, von anderen Herstellern inspiriert, ohne jetzt den Namen Apple nennen zu wollen. Der Inhalt des Regals besteht, wenig überraschend, aus Lobpreisungen auf Baby-Diktator Kim Jong Un. Nur ein Buch fehlt: "Mein Kampf" von einem ehemaligen deutschen Staatslenker. Dabei soll der junge Kim doch ein Faible für dieses Werk haben. Aber wie und woher sollen sich die Nordkoreaner diesen Schinken auch besorgen? Das "Samjiyeon" hat zwar einen Browser, aber das Internet ist in dem Land abgeknipst.

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